USA, KriminalitÀt

Attentat auf Kirk - Mutmaßlicher TĂ€ter erstmals vor Gericht

17.09.2025 - 02:33:32

Der Tod von Charlie Kirk entfaltet in den USA enorme politische Wirkung. WĂ€hrend das Verfahren gegen den mutmaßlichen AttentĂ€ter anlĂ€uft, wird Kirk von vielen AnhĂ€ngern schon zum MĂ€rtyrer stilisiert.

  • Kirk gehörte zum inneren Zirkel von US-PrĂ€sident Trump. - Foto: Manuel Balce Ceneta/AP/dpa

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  • FĂŒr Teile seiner AnhĂ€ngerschaft wurde Kirk mit dem Attentat zum MĂ€rtyrer. - Foto: Lindsey Wasson/AP/dpa

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  • Robinson droht im Falle eines Schuldspruchs die Todesstrafe. - Foto: Uncredited/Utah State Courts/AP/dpa

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  • Richter Graf verlas bei der Vorladung erneut die Anklagepunkte.  - Foto: Scott G Winterton/Pool The Deseret News/AP/dpa

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Kirk gehörte zum inneren Zirkel von US-PrĂ€sident Trump. - Foto: Manuel Balce Ceneta/AP/dpaFĂŒr Teile seiner AnhĂ€ngerschaft wurde Kirk mit dem Attentat zum MĂ€rtyrer. - Foto: Lindsey Wasson/AP/dpaRobinson droht im Falle eines Schuldspruchs die Todesstrafe. - Foto: Uncredited/Utah State Courts/AP/dpaRichter Graf verlas bei der Vorladung erneut die Anklagepunkte.  - Foto: Scott G Winterton/Pool The Deseret News/AP/dpa

Viel sagte Tyler Robinson wie erwartet nicht. Nach dem tödlichen Schuss auf den rechten US-Aktivisten Charlie Kirk erschien der mutmaßliche TĂ€ter am Dienstag erstmals vor Gericht - und schwieg, abgesehen von der Nennung seines Namens. Die kurze Vorladung erfolgte per Videoschalte und wurde - in den USA keineswegs unĂŒblich - live von zahlreichen Fernsehsendern ĂŒbertragen. 

Der 22-JĂ€hrige sitzt im Bundesstaat Utah in Haft, wo sich die Tat am vergangenen Mittwoch ereignet hatte. Richter Tony Graf informierte ihn ĂŒber seine Rechte und erklĂ€rte, er werde ohne Möglichkeit auf Kaution in Haft bleiben. Anschließend verlas Graf die sieben Anklagepunkte, die der zustĂ€ndige Staatsanwalt Jeff Gray schon kurz zuvor bei einer Pressekonferenz vorgestellt hatte.

Neben Mord werden Robinson unter anderem Behinderung der Justiz, Zeugenbeeinflussung und eine Gewalttat in Anwesenheit von Kindern zur Last gelegt. Erschwerend komme hinzu, dass er wohl aus politischen Motiven gehandelt habe, sagte Gray. Der Staatsanwalt verwies außerdem auf etliche Beweise, die Robinson belasteten - darunter Textnachrichten, DNA-Spuren an der mutmaßlichen Tatwaffe sowie Auswertungen von Überwachungsvideos.

Im Falle einer Verurteilung wegen Mordes droht Robinson die Todesstrafe. Dem Verfahren in Utah könnte eine Anklage auf Bundesebene folgen.

Was zum Motiv bekannt ist

«Ich hatte die Chance, Charlie Kirk auszuschalten, und ich werde sie nutzen.» Diese Notiz soll Robinson laut Behörden unter seiner Tastatur hinterlassen haben. Entdeckt wurde sie demnach von der Person, mit der Robinson zusammenlebte und eine Liebesbeziehung fĂŒhrte. 

Robinsons Mutter erklÀrte Gray zufolge, bei der Person handle es sich um eine Transperson - also jemanden, der sich nicht mit dem bei der Geburt zugeschriebenen Geschlecht identifiziert. Der Staatsanwalt ging auf das Thema aber nicht nÀher ein und sagte lediglich, der Person sei bei der Geburt das mÀnnliche Geschlecht zugeschrieben worden. Auf die Nachfrage eines Reporters des konservativen US-Senders Fox News, ob Transgender-Themen bei der Tat eine Rolle gespielt hÀtten, gab Gray keine weiteren Details preis.

Nach dem Fund der Notiz kam es den Ermittlern zufolge zu einem schriftlichen Austausch, in dem Robinson die Tat gegenĂŒber der Person einrĂ€umte, mit der er zusammenlebte. Unter anderem erklĂ€rte er demnach, er habe «genug von diesem Hass». Er bat zudem darum, belastende Nachrichten zu löschen und gegenĂŒber Polizei und Medien zu schweigen. «Ich hatte gehofft, dieses Geheimnis bis zu meinem Tod im hohen Alter fĂŒr mich behalten zu können», soll Robinson geschrieben haben.

Was fĂŒr eine Rolle die Familie spielte

Gray erklĂ€rte weiter, Robinsons Mutter habe nach der Tat Fotos des mutmaßlichen SchĂŒtzen in den Nachrichten gesehen und ihrem Ehemann gesagt, er sehe ihrem Sohn Ă€hnlich. Dieser hat sich ihr zufolge im vergangenen Jahr zunehmend politisch engagiert und verstĂ€rkt fĂŒr die Rechte von Homosexuellen und Transpersonen eingesetzt - Ansichten, die wohl im Gegensatz zu denen seines Vaters standen.

Dieser sei seit dem Amtsantritt von US-PrĂ€sident Donald Trump zum eingefleischten AnhĂ€nger der «Make America Great Again»-Bewegung (MAGA) geworden, soll Robinson in einer Textnachricht geschrieben haben. Seinem Vater gegenĂŒber habe er auch angedeutet, der SchĂŒtze gewesen zu sein. Seine Eltern und ein Freund der Familie hĂ€tten ihn schließlich ĂŒberzeugt, sich der Polizei zu stellen.

Was am Tattag passierte - und was danach

Am vergangenen Mittwoch war bei einer Veranstaltung auf dem Campus einer UniversitÀt in Utah auf Kirk geschossen worden. Auf Online-Videos war der Schuss zu hören und zu sehen, wie der 31-JÀhrige getroffen wurde. Die vornehmlich jungen Besucher warfen sich zu Boden, schrien, rannten weg. Kirk starb wenig spÀter im Krankenhaus.

Sein Tod entfaltet in den USA enorme politische Schlagkraft. Kirk grĂŒndete 2012 die Jugendorganisation Turning Point USA, die heute an zahlreichen Schulen und Hochschulen aktiv ist, und wurde zu einer prĂ€genden Stimme der US-Rechten. Über seine Plattformen erreichte er ein Millionenpublikum, vor allem junge MĂ€nner. Kirk profilierte sich als Verfechter der Meinungsfreiheit und als lautstarker Gegner einer von ihm so bezeichneten «woken Ideologie». Immer wieder sorgte er mit provokanten Thesen fĂŒr Schlagzeilen, die Kritiker als rassistisch und sexistisch verurteilten.

Als prominenter Vertreter der MAGA-Bewegung half er Trump, die UnterstĂŒtzung junger WĂ€hler zu sichern. Er galt als enger Vertrauter von VizeprĂ€sident JD Vance und von Trumps Ă€ltestem Sohn, Donald Trump Jr. - sein Tod hat die politische FĂŒhrung der USA also unmittelbar erschĂŒttert. 

Was die Tat fĂŒr die USA bedeutet

Das Attentat reiht sich ein in eine Serie politisch motivierter Gewalttaten in den USA. Vor wenigen Monaten wurden im Bundesstaat Minnesota eine demokratische Politikerin und ihr Ehemann erschossen. Auch auf Trump war im vergangenen Jahr bei einem Wahlkampfauftritt geschossen worden. Behörden und Experten warnen schon lange vor einer zunehmenden Radikalisierung in Teilen der US-Gesellschaft. 

Die Trump-Regierung stellt politisch motivierte Gewalt aber fast ausschließlich als PhĂ€nomen der «radikalen Linken» dar und weist zurĂŒck, dass sie ein Problem beider Lager sei. Zwar gibt es in der republikanischen Partei auch beschwichtigende Stimmen. Doch Trump und sein engstes Umfeld nutzen die enorme Reichweite von Kirks Plattformen seit seinem Tod nicht nur fĂŒr die WĂŒrdigung des Aktivisten, sondern auch gezielt, um politische Botschaften zu platzieren.

Beobachter warnen, das Attentat werde so zum Hebel, um einen zunehmend autoritĂ€ren Regierungsstil zu rechtfertigen. Kirk werde mit religiöser Sprache zum MĂ€rtyrer erhoben. Gleichzeitig werde die Verantwortung fĂŒr seinen Tod weder bei einem EinzeltĂ€ter gesucht, noch als Folge einer gesellschaftlichen Radikalisierung von links und rechts anerkannt. Die Schuld werde stattdessen einzig einer vage definierten Gegenseite zugeschoben.

Wie es nun weitergeht

So kĂŒndigte VizeprĂ€sident Vance etwa am Montag in einer im Weißen Haus aufgezeichneten Sonderausgabe der «Charlie Kirk Show» an, gegen ein «Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen» vorgehen zu wollen, das er - ohne Belege vorzulegen - fĂŒr die Gewalt verantwortlich machte. Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller sprach gar von einer «inlĂ€ndischen Terrorbewegung».

Auf Nachfrage erklĂ€rte Staatsanwalt Gray in Utah, es gebe derzeit keine Hinweise auf weitere VerdĂ€chtige. Die nĂ€chste Anhörung von Robinson ist fĂŒr den 29. September angesetzt.

Der Gouverneur von Pennsylvania, Josh Shapiro, war im April selbst Ziel eines Angriffs geworden, als ein Mann mitten in der Nacht Feuer in seinem Haus legte, wĂ€hrend sich der Demokrat und seine Familie darin aufhielten. Nun ĂŒbte Shapiro scharfe Kritik an Trump. Gewalt mĂŒsse stets verurteilt werden - unabhĂ€ngig davon, ob sie von links oder rechts ausgehe, sagte er. Der PrĂ€sident habe diese «moralische Probe» nicht bestanden, verurteile Gewalt nur selektiv. «Und das macht uns alle weniger sicher.»

@ dpa.de

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