Trump spricht nach SchĂŒssen auf Nationalgarde von Terrorakt
27.11.2025 - 04:57:53US-PrĂ€sident Donald Trump hat einen bewaffneten Angriff auf zwei Nationalgardisten in der Hauptstadt Washington als «Akt des Terrors» bezeichnet und drastische politische Konsequenzen angekĂŒndigt. Weil es sich bei dem mutmaĂlichen TĂ€ter den Behörden zufolge um einen Afghanen handelt, kĂŒndigte der Republikaner ĂberprĂŒfungen aller AuslĂ€nder aus Afghanistan an, die unter seinem demokratischen AmtsvorgĂ€nger Joe Biden in die USA gekommen waren. Die Bearbeitung von EinwanderungsantrĂ€gen afghanischer BĂŒrger wurde ausgesetzt. Trump ordnete zudem die Entsendung von rund 500 weiteren Soldatinnen und Soldaten der Nationalgarde in die Hauptstadt an.Â
Nur wenige Stunden vorher hatte am Mittwochnachmittag (Ortszeit) ein SchĂŒtze in Washington in der NĂ€he des WeiĂen Hauses vor einer U-Bahnhaltestelle das Feuer auf zwei Nationalgardisten eröffnet und sie dabei nach Behördenangaben lebensgefĂ€hrlich verletzt. Am Donnerstagmorgen sagte US-Justizministerin Pam Bondi beim Sender Fox News, dass beide in der Nacht operiert worden seien.
Es gab zunĂ€chst keine genauen Angaben zur IdentitĂ€t der Opfer. Medienberichten zufolge handelte es sich um eine Soldatin und einen Soldaten. Bondi sagte in ihrem Interview, dass es sich in einem Fall um eine junge Frau handele, die sich freiwillig zum Dienst rund um den Thanksgiving-Feiertag am Donnerstag gemeldet habe. Die demokratische BĂŒrgermeisterin der Hauptstadt, Muriel Bowser, sprach von einem gezielten Angriff. Details zum Motiv gab es zunĂ€chst nicht.Â
Behörden: SchĂŒtze feuerte auf Nationalgardisten
Der Vorfall schockierte die USA am Vorabend des wichtigen Feiertags Thanksgiving, des Erntedankfests. Ein Vertreter der Washingtoner Polizei erlĂ€uterte, der SchĂŒtze sei in der NĂ€he der U-Bahnhaltestelle Farragut West um eine Ecke gekommen und habe sofort auf die beiden Nationalgardisten gefeuert. Weitere Mitglieder der Nationalgarde hĂ€tten die SchĂŒsse gehört, eingegriffen und den VerdĂ€chtigen ĂŒberwĂ€ltigt, nachdem dieser zu Boden gegangen sei. Die Polizei sei wenige Augenblicke spĂ€ter eingetroffen.Â
Bei dem mutmaĂlichen TĂ€ter soll es sich US-Medienberichten zufolge um einen 29 Jahre alten Afghanen handeln, der 2021 in die USA einreiste, aber erst 2025 nach Trumps Amtsantritt Asyl gewĂ€hrt bekam. CIA-Direktor John Ratcliffe sagte «Fox News Digital», dass der Mann in Kandahar fĂŒr dortige Partnerorganisationen des US-MilitĂ€rs tĂ€tig war und dabei auch fĂŒr die US-Regierung und die CIA gearbeitet habe.
Trump ĂŒber Afghanistan: «Höllenloch auf Erden»
Der US-PrĂ€sident bezeichnete den SchĂŒtzen als «Tier» und erklĂ€rte, er mĂŒsse «den höchstmöglichen Preis bezahlen». Er bezeichnete die Tat auch als «Verbrechen gegen die Menschlichkeit». Trump nannte Afghanistan in seiner Ansprache ein «Höllenloch auf Erden» und behauptete, Millionen Menschen seien unter Biden aus aller Welt ohne nötige ĂberprĂŒfungen in die USA gekommen.
Selbst wĂ€hrend der teils chaotischen Evakuierung von Afghanen aus Kabul durch das US-MilitĂ€r 2021 wurden Afghanen nicht direkt in die USA geflogen. Sie wurden unter anderem auf einen US-StĂŒtzpunkt in Katar gebracht, wo bereits erste SicherheitsprĂŒfungen durchgefĂŒhrt wurden.Â
Die US-Einwanderungsbehörde USCIS erklĂ€rte nach Trumps Ansprache auf der Plattform X, die Bearbeitung aller EinwanderungsantrĂ€ge afghanischer Staatsangehöriger werde mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres ausgesetzt.Â
Trump versprach in seiner Ansprache zudem, «alle notwendigen MaĂnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass alle AuslĂ€nder aus allen LĂ€ndern abgeschoben werden, die nicht hierhergehören oder unserem Land keinen Nutzen bringen.»Â
Schuldzuweisungen und politische Debatte
Im aufgeladenen politischen Klima in den USA entbrannte sofort eine Debatte darĂŒber, wer die politische Verantwortung fĂŒr den Vorfall trĂ€gt. Auch Heimatschutzministerin Kristi Noem machte indirekt Bidens Regierung verantwortlich. Der Afghane sei ohne die nötigen ĂberprĂŒfungen ins Land gekommen, behauptete sie. Erste republikanische Abgeordnete forderten drastische MaĂnahmen gegen AuslĂ€nder im Land. FĂŒhrende Demokraten riefen zu einem friedlichen Miteinander auf. So erklĂ€rte etwa der demokratische Senator Jack Reed, es brauche nun «Ruhe, MitgefĂŒhl und Einheit».
Die US-Organisation AfghanEvac, die sich fĂŒr Afghanen einsetzt, warnte davor, den Angriff politisch zu instrumentalisieren. Die isolierte Tat eines Einzelnen dĂŒrfe nicht als Vorwand dienen, eine ganze Gemeinschaft zu diskreditieren, hieĂ es in einer Mitteilung.
ZunĂ€chst hatte es Verwirrung um den Zustand der Opfer gegeben. Der Gouverneur von West Virginia, Patrick Morrisey, erklĂ€rte, die beiden seien gestorben. Wenig spĂ€ter schrieb er dann auf der Plattform X, es gebe widersprĂŒchliche Berichte ĂŒber ihren Zustand.
2.000 Soldaten patrouillieren in WashingtonÂ
Die Nationalgarde ist eine militĂ€rische Reserveeinheit und Teil der US-StreitkrĂ€fte. Sie untersteht in der Regel der Kontrolle der Bundesstaaten und werden etwa bei Naturkatastrophen, Unruhen oder anderen Notlagen eingesetzt. In bestimmten Situationen kann jedoch auch der US-PrĂ€sident das Kommando ĂŒbernehmen. FĂŒr die Hauptstadt Washington, die rechtlich kein eigener Bundesstaat ist, gelten Sonderregeln.
Seit dem Sommer sind mehr als 2.000 Nationalgardisten in der Stadt unterwegs. Trump hatte sie im August dorthin beordert und den Einsatz mit angeblich ausufernder KriminalitĂ€t begrĂŒndet. Diese Darstellung ist heftig umstritten - Statistiken stĂŒtzen sie nicht.
Die Stadt ging juristisch gegen den Einsatz vor. Eine Bundesrichterin erklĂ€rte die Mobilisierung der Nationalgarde jĂŒngst fĂŒr unzulĂ€ssig und ordnete an, sie zu beenden. Sie setzte ihre Entscheidung jedoch fĂŒr drei Wochen aus, damit die Trump-Regierung in Berufung gehen kann. Ebenfalls am Mittwoch stellte die Regierung einen Eilantrag, um die Entscheidung der Richterin auszusetzen.
Angespannte Stimmung in Washington
Die Stimmung in der Hauptstadt ist seit dem Sommer angespannt. Neben der Nationalgarde kamen auch andere Bundesbehörden zum Einsatz. So nahmen etwa teils vermummte Beamte der Migrationsbehörde ICE bei Razzien in Wohnvierteln Migranten fest; im Netz verbreiteten sich Videos solcher EinsĂ€tze, die von vielen als willkĂŒrlich empfunden wurden. Es regte sich Protest.
Die Nationalgarde patrouillierte jedoch - anders als etwa ICE - vor allem an touristischen Orten und leistete Hilfsdienste wie MĂŒllbeseitigung. Der Radiosender NPR berichtete erst vor wenigen Wochen ĂŒber GesprĂ€che Nationalgardisten, die anonym ĂŒber ihre Zweifel an den EinsĂ€tzen in Washington und anderen StĂ€dten sprachen. «Ich habe mit der Nationalgarde an zwei humanitĂ€ren EinsĂ€tzen teilgenommen, die groĂartig waren», sagte einer von ihnen. «Und dann soll ich in Washington MĂŒll aufsammeln und Obdachlose mit vorgehaltener Waffe konfrontieren? Nein, Mann.»









