USA, MilitÀr

Trump spricht nach SchĂŒssen auf Nationalgarde von Terrorakt

27.11.2025 - 04:57:53

Die Nationalgarde ist seit Wochen auf Befehl von PrĂ€sident Trump in der US-Hauptstadt. Jetzt fallen SchĂŒsse, zwei Soldaten werden schwer verletzt. Trump kĂŒndigt schnell harsche Konsequenzen an.

  • Trump nennt den Angriff in Washington einen Terrorakt. (Archivbild) - Foto: Evan Vucci/AP/dpa

    Evan Vucci/AP/dpa

  • Soldaten der Nationalgarde patrouillieren in Washington. - Foto: Rahmat Gul/AP/dpa

    Rahmat Gul/AP/dpa

  • Der Tatort wurde großrĂ€umig abgesperrt. - Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpa

    Mark Schiefelbein/AP/dpa

  • Die Polizei der US-Hauptstadt riegelt den Zugang zum Tatort ab.  - Foto: Franziska Spiecker/dpa

    Franziska Spiecker/dpa

Trump nennt den Angriff in Washington einen Terrorakt. (Archivbild) - Foto: Evan Vucci/AP/dpaSoldaten der Nationalgarde patrouillieren in Washington. - Foto: Rahmat Gul/AP/dpaDer Tatort wurde großrĂ€umig abgesperrt. - Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpaDie Polizei der US-Hauptstadt riegelt den Zugang zum Tatort ab.  - Foto: Franziska Spiecker/dpa

US-PrĂ€sident Donald Trump hat einen bewaffneten Angriff auf zwei Nationalgardisten in der Hauptstadt Washington als «Akt des Terrors» bezeichnet und drastische politische Konsequenzen angekĂŒndigt. Weil es sich bei dem mutmaßlichen TĂ€ter den Behörden zufolge um einen Afghanen handelt, kĂŒndigte der Republikaner ÜberprĂŒfungen aller AuslĂ€nder aus Afghanistan an, die unter seinem demokratischen AmtsvorgĂ€nger Joe Biden in die USA gekommen waren. Die Bearbeitung von EinwanderungsantrĂ€gen afghanischer BĂŒrger wurde ausgesetzt. Trump ordnete zudem die Entsendung von rund 500 weiteren Soldatinnen und Soldaten der Nationalgarde in die Hauptstadt an. 

Nur wenige Stunden vorher hatte am Mittwochnachmittag (Ortszeit) ein SchĂŒtze in Washington in der NĂ€he des Weißen Hauses vor einer U-Bahnhaltestelle das Feuer auf zwei Nationalgardisten eröffnet und sie dabei nach Behördenangaben lebensgefĂ€hrlich verletzt. Am Donnerstagmorgen sagte US-Justizministerin Pam Bondi beim Sender Fox News, dass beide in der Nacht operiert worden seien.

Es gab zunĂ€chst keine genauen Angaben zur IdentitĂ€t der Opfer. Medienberichten zufolge handelte es sich um eine Soldatin und einen Soldaten. Bondi sagte in ihrem Interview, dass es sich in einem Fall um eine junge Frau handele, die sich freiwillig zum Dienst rund um den Thanksgiving-Feiertag am Donnerstag gemeldet habe. Die demokratische BĂŒrgermeisterin der Hauptstadt, Muriel Bowser, sprach von einem gezielten Angriff. Details zum Motiv gab es zunĂ€chst nicht. 

Behörden: SchĂŒtze feuerte auf Nationalgardisten

Der Vorfall schockierte die USA am Vorabend des wichtigen Feiertags Thanksgiving, des Erntedankfests. Ein Vertreter der Washingtoner Polizei erlĂ€uterte, der SchĂŒtze sei in der NĂ€he der U-Bahnhaltestelle Farragut West um eine Ecke gekommen und habe sofort auf die beiden Nationalgardisten gefeuert. Weitere Mitglieder der Nationalgarde hĂ€tten die SchĂŒsse gehört, eingegriffen und den VerdĂ€chtigen ĂŒberwĂ€ltigt, nachdem dieser zu Boden gegangen sei. Die Polizei sei wenige Augenblicke spĂ€ter eingetroffen. 

Bei dem mutmaßlichen TĂ€ter soll es sich US-Medienberichten zufolge um einen 29 Jahre alten Afghanen handeln, der 2021 in die USA einreiste, aber erst 2025 nach Trumps Amtsantritt Asyl gewĂ€hrt bekam. CIA-Direktor John Ratcliffe sagte «Fox News Digital», dass der Mann in Kandahar fĂŒr dortige Partnerorganisationen des US-MilitĂ€rs tĂ€tig war und dabei auch fĂŒr die US-Regierung und die CIA gearbeitet habe.

Trump ĂŒber Afghanistan: «Höllenloch auf Erden»

Der US-PrĂ€sident bezeichnete den SchĂŒtzen als «Tier» und erklĂ€rte, er mĂŒsse «den höchstmöglichen Preis bezahlen». Er bezeichnete die Tat auch als «Verbrechen gegen die Menschlichkeit». Trump nannte Afghanistan in seiner Ansprache ein «Höllenloch auf Erden» und behauptete, Millionen Menschen seien unter Biden aus aller Welt ohne nötige ÜberprĂŒfungen in die USA gekommen.

Selbst wĂ€hrend der teils chaotischen Evakuierung von Afghanen aus Kabul durch das US-MilitĂ€r 2021 wurden Afghanen nicht direkt in die USA geflogen. Sie wurden unter anderem auf einen US-StĂŒtzpunkt in Katar gebracht, wo bereits erste SicherheitsprĂŒfungen durchgefĂŒhrt wurden. 

Die US-Einwanderungsbehörde USCIS erklÀrte nach Trumps Ansprache auf der Plattform X, die Bearbeitung aller EinwanderungsantrÀge afghanischer Staatsangehöriger werde mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres ausgesetzt. 

Trump versprach in seiner Ansprache zudem, «alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass alle AuslĂ€nder aus allen LĂ€ndern abgeschoben werden, die nicht hierhergehören oder unserem Land keinen Nutzen bringen.» 

Schuldzuweisungen und politische Debatte

Im aufgeladenen politischen Klima in den USA entbrannte sofort eine Debatte darĂŒber, wer die politische Verantwortung fĂŒr den Vorfall trĂ€gt. Auch Heimatschutzministerin Kristi Noem machte indirekt Bidens Regierung verantwortlich. Der Afghane sei ohne die nötigen ÜberprĂŒfungen ins Land gekommen, behauptete sie. Erste republikanische Abgeordnete forderten drastische Maßnahmen gegen AuslĂ€nder im Land. FĂŒhrende Demokraten riefen zu einem friedlichen Miteinander auf. So erklĂ€rte etwa der demokratische Senator Jack Reed, es brauche nun «Ruhe, MitgefĂŒhl und Einheit».

Die US-Organisation AfghanEvac, die sich fĂŒr Afghanen einsetzt, warnte davor, den Angriff politisch zu instrumentalisieren. Die isolierte Tat eines Einzelnen dĂŒrfe nicht als Vorwand dienen, eine ganze Gemeinschaft zu diskreditieren, hieß es in einer Mitteilung.

ZunĂ€chst hatte es Verwirrung um den Zustand der Opfer gegeben. Der Gouverneur von West Virginia, Patrick Morrisey, erklĂ€rte, die beiden seien gestorben. Wenig spĂ€ter schrieb er dann auf der Plattform X, es gebe widersprĂŒchliche Berichte ĂŒber ihren Zustand.

2.000 Soldaten patrouillieren in Washington 

Die Nationalgarde ist eine militĂ€rische Reserveeinheit und Teil der US-StreitkrĂ€fte. Sie untersteht in der Regel der Kontrolle der Bundesstaaten und werden etwa bei Naturkatastrophen, Unruhen oder anderen Notlagen eingesetzt. In bestimmten Situationen kann jedoch auch der US-PrĂ€sident das Kommando ĂŒbernehmen. FĂŒr die Hauptstadt Washington, die rechtlich kein eigener Bundesstaat ist, gelten Sonderregeln.

Seit dem Sommer sind mehr als 2.000 Nationalgardisten in der Stadt unterwegs. Trump hatte sie im August dorthin beordert und den Einsatz mit angeblich ausufernder KriminalitĂ€t begrĂŒndet. Diese Darstellung ist heftig umstritten - Statistiken stĂŒtzen sie nicht.

Die Stadt ging juristisch gegen den Einsatz vor. Eine Bundesrichterin erklĂ€rte die Mobilisierung der Nationalgarde jĂŒngst fĂŒr unzulĂ€ssig und ordnete an, sie zu beenden. Sie setzte ihre Entscheidung jedoch fĂŒr drei Wochen aus, damit die Trump-Regierung in Berufung gehen kann. Ebenfalls am Mittwoch stellte die Regierung einen Eilantrag, um die Entscheidung der Richterin auszusetzen.

Angespannte Stimmung in Washington

Die Stimmung in der Hauptstadt ist seit dem Sommer angespannt. Neben der Nationalgarde kamen auch andere Bundesbehörden zum Einsatz. So nahmen etwa teils vermummte Beamte der Migrationsbehörde ICE bei Razzien in Wohnvierteln Migranten fest; im Netz verbreiteten sich Videos solcher EinsĂ€tze, die von vielen als willkĂŒrlich empfunden wurden. Es regte sich Protest.

Die Nationalgarde patrouillierte jedoch - anders als etwa ICE - vor allem an touristischen Orten und leistete Hilfsdienste wie MĂŒllbeseitigung. Der Radiosender NPR berichtete erst vor wenigen Wochen ĂŒber GesprĂ€che Nationalgardisten, die anonym ĂŒber ihre Zweifel an den EinsĂ€tzen in Washington und anderen StĂ€dten sprachen. «Ich habe mit der Nationalgarde an zwei humanitĂ€ren EinsĂ€tzen teilgenommen, die großartig waren», sagte einer von ihnen. «Und dann soll ich in Washington MĂŒll aufsammeln und Obdachlose mit vorgehaltener Waffe konfrontieren? Nein, Mann.»

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Ukraine-GesprÀche in Abu Dhabi werden am Mittwoch fortgesetzt Die direkten GesprÀche zwischen Vertretern Russlands und der Ukraine in Abu Dhabi werden voraussichtlich erst am Mittwoch fortgesetzt. (Ausland, 01.02.2026 - 11:38) weiterlesen...

Expertin: Europas MilitÀr noch jahrelang auf USA angewiesen Europa brÀuchte nach EinschÀtzung der Sicherheitsexpertin Jana Puglierin mehrere Jahre, um militÀrisch unabhÀngig von den USA zu werden. (Boerse, 01.02.2026 - 10:46) weiterlesen...

Irans PrĂ€sident: Streben keinen Krieg an - Reaktion auf EU. Er werde kein Atomwaffenprogramm im Iran tolerieren. Nun gibt es Hinweise auf Verhandlungen. Aber auch eine Reaktion auf eine EU-Maßnahme. US-PrĂ€sident Trump hat Teheran mit MilitĂ€rschlĂ€gen gedroht. (Ausland, 01.02.2026 - 08:38) weiterlesen...

Spahn will wieder ĂŒber nukleare Teilhabe reden Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) spricht sich angesichts der Spannungen im transatlantischen VerhĂ€ltnis fĂŒr eine Diskussion ĂŒber nukleare Teilhabe aus. (Ausland, 01.02.2026 - 08:00) weiterlesen...

Irans PrÀsident: Streben keinen Krieg an. Er werde kein Atomwaffenprogramm im Iran tolerieren. Nun gibt es Hinweise auf mögliche Verhandlungen. Irans PrÀsident will Krieg vermeiden. US-PrÀsident Trump hat Teheran mit MilitÀrschlÀgen gedroht. (Ausland, 01.02.2026 - 04:48) weiterlesen...

Anzeichen fĂŒr GesprĂ€che zwischen USA und Iran. Er werde kein Atomwaffenprogramm im Iran tolerieren. Nun gibt es Hinweise auf mögliche Verhandlungen. US-PrĂ€sident Trump hat Teheran zuletzt mehrfach mit MilitĂ€rschlĂ€gen gedroht. (Ausland, 01.02.2026 - 01:53) weiterlesen...