Debatte ĂŒber Sicherheitskonzept nach SchĂŒssen in Washington
27.04.2026 - 05:17:54 | dpa.deDer Angriff auf eine Gala mit PrĂ€sident Donald Trump und zahlreichen Regierungsvertretern hat eine Debatte ĂŒber das Sicherheitskonzept der Veranstaltung ausgelöst. Auch der US-Kongress schaltet sich nun ein. Unterdessen soll der mutmaĂliche TĂ€ter dem Haftrichter vorgefĂŒhrt werden.Â
Wie die «Washington Post» und Berufung auf ungenannte Quellen berichtete, stufte die Regierung das Event nicht mit der Sicherheitsstufe ein, die fĂŒr Ă€hnliche Versammlungen hochrangiger AmtstrĂ€ger ĂŒblich ist. Damit seien nicht die vollen Ressourcen abgerufen worden.Â
Der einflussreiche republikanische Senator Chuck Grassley setzte eine Anhörung an, um sich vom Secret Service ĂŒber das Sicherheitskonzept informieren zu lassen.
Neben Trump waren bei der Veranstaltung auch VizeprĂ€sident JD Vance, AuĂenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth und viele weitere Regierungsvertreter im Raum. Auch Mike Johnson, der Vorsitzende des ReprĂ€sentantenhauses, der in der staatlichen Rangfolge hinter dem PrĂ€sidenten und dessen Vize steht, nahm teil.Â
Trump-AnhÀngerin Lake: Laxe Sicherheitsvorkehrungen
«Ich kann kaum glauben, wie lax die Sicherheitsvorkehrungen heute Abend beim White House Correspondents' Dinner waren», schrieb MAGA-Aktivistin Kari Lake auf der Plattform X. Es habe «praktisch keine Sicherheit» gegeben, legte sie spĂ€ter nach.Â
Der TĂ€ter, laut Medienberichten ein 31 Jahre alter Mann aus Kalifornien, stĂŒrmte bei dem Gala-Dinner mit der Hauptstadtpresse am Samstagabend (Ortszeit) schwer bewaffnet durch einen Sicherheitsposten des Secret Service, ehe er von Beamten gestoppt wurde. Der VerdĂ€chtige selbst soll sich laut Medienberichten in einem Manifest ĂŒber die lockeren Standards gewundert haben.Â
TatsĂ€chlich mussten GĂ€ste erst unmittelbar vor dem Ballsaal, in dem das Dinner stattfand, durch eine Sicherheitsschleuse und nicht schon beim Eintritt in das Hilton Hotel. Der geschĂ€ftsfĂŒhrende Justizminister Todd Blanche verteidigte das Sicherheitskonzept. Er sagte dem Sender NBC News, das Konzept habe so funktioniert wie vorgesehen. Der Angreifer sei kaum ĂŒber die Sicherheitsschleuse hinausgekommen.Â
Angreifer soll vor einem Bundesrichter erscheinen
Der Angreifer sollte am Montag (Ortszeit) in der Hauptstadt Washington vor einem Haftrichter erscheinen. Er soll wegen der Verwendung einer Schusswaffe bei einer Gewalttat sowie wegen tĂ€tlichen Angriffs auf einen Bundesbeamten unter Einsatz einer gefĂ€hrlichen Waffe angeklagt werden. Weitere Anklagepunkte dĂŒrften spĂ€ter folgen.
Der 31-JĂ€hrige soll unter anderem als Nachhilfelehrer sowie Spieleentwickler gearbeitet haben. Ein frĂŒherer SchĂŒler beschrieb ihn laut der «New York Times» als «völlig durchschnittlich». Dem Bericht zufolge sei er als parteiloser WĂ€hler registriert gewesen und habe einen kleinen Betrag an den Wahlkampf der demokratischen PrĂ€sidentschaftskandidatin Kamala Harris im Jahr 2024 gespendet.
Wie etwa CNN berichtet, habe der Mann die bei der Tat verwendeten Waffen legal in Kalifornien erworben, darunter eine Pistole im Jahr 2023 und eine Schrotflinte im Jahr 2025. Beide KĂ€ufe hĂ€tten HintergrundĂŒberprĂŒfungen durch das FBI erfordert.Â
Manifest soll er mit «Freundlicher Bundes-AttentÀter» unterschrieben haben
Unklar ist weiter das genaue Motiv des TĂ€ters. Nach Trumps Angaben hatte der Mann ein Manifest mit antichristlichen Ansichten verfasst. «Wenn man sein Manifest liest, merkt man, dass er Christen hasst. Das steht fest, er hasst Christen», sagte Trump dem Sender Fox News. US-Medien zitieren AuszĂŒge aus dem Text des Angreifers mit religiösen BezĂŒgen. Demnach habe der Angreifer mit Kritik gerechnet, seine Tat sei nicht mit christlichen Lehren vereinbar.
Der amtierende Justizminister sagte, der SchĂŒtze habe es vermutlich auf Regierungsmitglieder abgesehen. Das deckt sich mit Medienberichten ĂŒber das Manifest des SchĂŒtzen. Demnach schrieb der Angreifer in seinem gut 1.000-Worte langen SchriftstĂŒck: «Regierungsvertreter (mit Ausnahme von Herrn Patel): Sie sind Ziele, priorisiert vom ranghöchsten bis zum rangniedrigsten.» Mit «Herrn Patel» ist vermutlich FBI-Direktor Kash Patel gemeint â warum dieser ausdrĂŒcklich ausgenommen werde, gehe aus dem Manifest jedoch nicht hervor.
Trump werde im Dokument an keiner Stelle namentlich erwĂ€hnt. Laut «New York Times» schrieb der Angreifer, er sei nicht lĂ€nger bereit, zuzulassen, dass «ein VerrĂ€ter» seine HĂ€nde mit Verbrechen beflecke. Mitarbeiter des Secret Service seien «nur dann Ziele, wenn es unbedingt notwendig sei». GĂ€ste und Angestellte des Hotels seien Â«ĂŒberhaupt keine Ziele». Unterzeichnet habe der Angreifer sein Manifest mit «Freundlicher Bundes-AttentĂ€ter».
Die «New York Post» veröffentlichte den Text in voller LĂ€nge. Andere US-Zeitungen zitierten AuszĂŒge.
Politische Gewalt wird erneut zum Thema
Der Vorfall im Hilton weckte dĂŒstere Erinnerungen an einen blutigen Vorfall vor 45 Jahren. Seinerzeit wurde dort ein Attentat auf den damaligen PrĂ€sidenten Ronald Reagan verĂŒbt, das er schwer verletzt ĂŒberlebte.
Auch Trump war mehrfach das Ziel von Attentatsversuchen. Im Sommer 2024 kam der damalige PrÀsidentschaftskandidat nur knapp mit dem Leben davon, als ein AttentÀter bei einer Wahlkampfveranstaltung in Butler im Bundesstaat Pennsylvania auf ihn schoss. Eine Kugel verletzte ihn leicht am Ohr. Ein Besucher starb, zwei wurden verletzt. Der TÀter wurde von SicherheitskrÀften getötet.
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