Friedensnobelpreis 2026, Navanethem Pillay

Friedensnobelpreis 2026 geht an Juristin Navanethem Pillay

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 11:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis 2026 für ihren Einsatz gegen schwere Menschenrechtsverletzungen und für das Völkerrecht. Das Nobelkomitee würdigt insbesondere ihren Beitrag zur strafrechtlichen Verfolgung von Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord.

  • Pillay wird «für ihre Bemühungen um die Förderung des Friedens und des Völkerrechts» ausgezeichnet. (Archivbild) - Bild: Martial Trezzini/dpa
    Pillay wird «für ihre Bemühungen um die Förderung des Friedens und des Völkerrechts» ausgezeichnet. (Archivbild) - Bild: Martial Trezzini/dpa
  • Der Friedensnobelpreis wird jedes Jahr in Oslo vom norwegischen Nobelkomitee verkündet. (Symbolbild) - Bild: Rodrigo Freitas/NTB/dpa
    Der Friedensnobelpreis wird jedes Jahr in Oslo vom norwegischen Nobelkomitee verkündet. (Symbolbild) - Bild: Rodrigo Freitas/NTB/dpa
Pillay wird «für ihre Bemühungen um die Förderung des Friedens und des Völkerrechts» ausgezeichnet. (Archivbild) - Bild: Martial Trezzini/dpa Der Friedensnobelpreis wird jedes Jahr in Oslo vom norwegischen Nobelkomitee verkündet. (Symbolbild) - Bild: Rodrigo Freitas/NTB/dpa

Der Friedensnobelpreis 2026 geht an die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay, wie das norwegische Nobelkomitee in Oslo bekanntgab.

Einsatz für Menschenrechte und Völkerrecht

Pillay werde „für ihre Bemühungen um die Förderung des Friedens und des Völkerrechts“ geehrt, sagte der Vorsitzende des Nobelkomitees, Jørgen Watne Frydnes. Sie habe maßgeblich dazu beigetragen, dass Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord strafrechtlich verfolgt würden.

Frydnes bezeichnete Pillay als eine der wichtigsten Rechtsexpertinnen der Gegenwart. Das Komitee habe die Preisträgerin zunächst nicht erreicht. Deshalb richtete der Vorsitzende öffentlich einen Aufruf an sie, bei einem Anruf aus Norwegen ans Telefon zu gehen.

Richterin an internationalen Gerichten

Pillay war Richterin am Obersten Gerichtshof Südafrikas sowie an den Internationalen Strafgerichtshöfen für Ruanda und für das ehemalige Jugoslawien. Zudem amtierte sie als Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte.

Darüber hinaus leitete Pillay die unabhängige internationale Untersuchungskommission der Vereinten Nationen zu den besetzten palästinensischen Gebieten.

Nobelpreis mit politischer Vorgeschichte

Im vergangenen Jahr erhielt die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado den Friedensnobelpreis. Die Vergabe war nachträglich umstritten, nachdem Machado die Auszeichnung Donald Trump gewidmet und ihm symbolisch ihre Nobelmedaille überreicht hatte. Nach den Nobelregeln kann der Preis jedoch nicht offiziell weitergegeben werden.

Für den diesjährigen Friedensnobelpreis waren 287 Kandidaten nominiert: 208 Einzelpersonen und 79 Organisationen. Der Preis ist mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert, umgerechnet rund eine Million Euro.

Verleihung am 10. Dezember

Mit der Friedensnobelpreis-Bekanntgabe endete die Nobelpreiswoche. Zuvor waren bereits die Auszeichnungen für Medizin, Physik, Chemie und Literatur verkündet worden. Den Nobelpreis für Literatur erhielt die Kanadierin Anne Carson; unter den Medizinpreisträgern sind die deutschen Forscher Peter Hegemann und Georg Nagel.

Am Montag folgt noch der Preis der Schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel. Er gehört formal nicht zu den Nobelpreisen, wird aber traditionell gemeinsam mit ihnen vergeben.

Alle Auszeichnungen werden am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, überreicht. Der Friedensnobelpreis wird als einziger Nobelpreis in Oslo statt in Stockholm verliehen.

Ein Preis für konkrete Rechtsarbeit

Die Auszeichnung rückt den Zusammenhang zwischen Frieden, Menschenrechtsschutz und Strafjustiz in den Mittelpunkt. Pillays berufliche Stationen verbinden nationale Rechtsprechung, internationale Strafgerichte und die Arbeit der Vereinten Nationen. Damit steht nicht nur eine einzelne politische Initiative im Zentrum, sondern der Versuch, schwere Verbrechen rechtlich zu verfolgen und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen.

Der Friedensnobelpreis wird häufig als Würdigung eines Lebenswerks verstanden. Nach Alfred Nobels Testament soll er jedoch Leistungen für die Verständigung der Völker, die Verringerung von Gewalt und die Förderung von Friedensprozessen auszeichnen. Die Entscheidung für Pillay lenkt den Blick damit auf eine langfristige institutionelle Voraussetzung von Frieden: das Völkerrecht muss auch bei Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord praktisch durchsetzbar sein.

Signalwirkung und Grenzen

Die Ehrung kann der internationalen Strafjustiz zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen. Zugleich bleibt ihre Wirkung von der Kooperation der Staaten abhängig, da Gerichte und UN-Untersuchungen auf Beweise, Zugang zu Tatorten und politische Unterstützung angewiesen sind. Für Leser in Deutschland ist die Entscheidung deshalb auch im Zusammenhang mit Debatten über internationale Haftbefehle, humanitäres Völkerrecht und den Schutz von Zivilisten bedeutsam.

Die Nobelpreisverleihung findet am 10. Dezember in Oslo statt. Der Friedenspreis ist mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert; das entspricht rund einer Million Euro. Die Auszeichnung unterstreicht damit die Bedeutung rechtlicher Verfahren als Teil internationaler Friedenspolitik, ersetzt aber keine politischen Verhandlungen oder staatliche Durchsetzung.

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