Iran, USA

Trump zweifelt an Waffenruhe - angespanntes Warten im Iran

12.05.2026 - 11:53:46 | dpa.de

Die Verhandlungen zur Beilegung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran stecken fest. Der US-PrĂ€sident gibt der fragilen Waffenruhe nur eine geringe Überlebenschance. Im Iran herrscht Misstrauen.

  • Irans Regierung hĂ€lt ein Wiederaufflammen der KĂ€mpfe fĂŒr wahrscheinlich. (Archivbild) - Foto: Vahid Salemi/AP/dpa
    Irans Regierung hĂ€lt ein Wiederaufflammen der KĂ€mpfe fĂŒr wahrscheinlich. (Archivbild) - Foto: Vahid Salemi/AP/dpa
  •  Irans MilitĂ€r hat den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus eingeschrĂ€nkt. (Archivbild) - Foto: -/kyodo/dpa
    Irans MilitĂ€r hat den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus eingeschrĂ€nkt. (Archivbild) - Foto: -/kyodo/dpa
Irans Regierung hĂ€lt ein Wiederaufflammen der KĂ€mpfe fĂŒr wahrscheinlich. (Archivbild) - Foto: Vahid Salemi/AP/dpa  Irans MilitĂ€r hat den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus eingeschrĂ€nkt. (Archivbild) - Foto: -/kyodo/dpa

Kurz vor der China-Reise von US-PrĂ€sident Donald Trump herrscht weiter Ungewissheit ĂŒber die Zukunft des Iran-Kriegs. Trump stellte die seit fast fĂŒnf Wochen dauernde Waffenruhe öffentlich infrage. Grund dafĂŒr sei der «dĂ€mliche Vorschlag» aus Teheran zur Beendigung des Krieges, sagte er in Washington. «Sie ist so schwach wie nie, nachdem ich diesen Mist gelesen habe.» Unterdessen herrscht im Iran großes Misstrauen.

Aus Parlamentskreisen in Teheran hieß es am Dienstag, dass die iranische Regierung ein Wiederaufflammen der Kampfhandlungen fĂŒr wahrscheinlich halte. Eine gut informierte Quelle sagte, es gebe keine Entwicklungen mit Blick auf die Verhandlungen zwischen Teheran und Washington. Trumps China-Reise ist aus iranischer Sicht jedoch mit der Hoffnung verbunden, dass Staatschef Xi Jinping zu einer möglichen Deeskalation beitragen könnte.

Ende Februar hatten die USA und Israel den Iran angegriffen und dabei Nuklearanlagen, Raketenstellungen und Kommandozentren in Teheran und weiten Landesteilen bombardiert. Der Iran reagiert mit Angriffen auf Israel und auf Golfstaaten mit US-MilitĂ€rstĂŒtzpunkten. Zudem schrĂ€nkt Irans MilitĂ€r den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus ein, eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels.

Anfang April einigten sich die Konfliktparteien auf eine Waffenruhe. Verhandlungen ĂŒber ein dauerhaftes Ende des Kriegs sind jedoch in eine Sackgasse geraten. Zu den wichtigsten Streitpunkten gehört das iranische Atom- und Raketenprogramm, die UnterstĂŒtzung militanter Gruppen in der Region sowie die Kontrolle ĂŒber die Straße von Hormus. Unter Vermittlung Pakistans hatten Vertreter der USA und Irans in den vergangenen Wochen VorschlĂ€ge ĂŒber eine diplomatische Lösung ausgetauscht.

Iran fordert Reparationen und Ende der Sanktionen

In dem aktuell vom Iran vorgelegten Plan heißt es laut Staatsmedien, dass die USA Reparationen fĂŒr die angerichteten KriegsschĂ€den im Iran zahlen mĂŒssten. Die Islamische Republik fordert demnach auch die volle SouverĂ€nitĂ€t ĂŒber die Straße von Hormus, ein Ende der Sanktionen gegen das Land und die Freigabe beschlagnahmter iranischer Vermögenswerte. Keine Rolle spielte in der Antwort laut den Berichten der Streit ĂŒber das iranische Atomprogramm.

Am Montagabend (Ortszeit) wollte Trump mit seinem Team fĂŒr nationale Sicherheit das weitere Vorgehen erörtern, wie das Nachrichtenportal «Axios» unter Berufung auf US-Beamte berichtete. Neben VizeprĂ€sident JD Vance sollen demnach auch der Sondergesandte Steve Witkoff, CIA-Chef John Ratcliffe, Verteidigungsminister Pete Hegseth, Außenminister Marco Rubio und Generalstabschef Dan Caine an dem Treffen teilgenommen haben. 

Zentraler Streit um die Atomfrage

Trump warf der FĂŒhrung in Teheran vor, sich nicht an Zusagen zu halten. Der Iran habe sich zunĂ€chst bereiterklĂ€rt, dass die USA das angereicherte Uran außer Landes schafften. «Aber sie haben ihre Meinung geĂ€ndert, es stand nĂ€mlich nicht in dem Papier», sagte Trump.

Der Iran wies einem Bericht zufolge die Aussagen zurĂŒck. Teheran habe nicht zugestimmt, das hoch angereicherte Uran außer Landes zu schaffen, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf eine mit den Verhandlungen vertraute Quelle. Auch Berichte, wonach der Iran einem Stopp der Urananreicherung fĂŒr 15 Jahre zugestimmt hĂ€tte, seien gelogen, berichtete die Agentur, die Irans mĂ€chtigen Revolutionsgarden nahesteht.

Abgeordneter droht mit waffenfÀhigem Uran

Das iranische Atomprogramm ist seit Jahren umstritten. Die USA, Israel und der Westen werfen der FĂŒhrung in Teheran vor, nach Atomwaffen zu streben. Der Iran bestreitet dies. Kritisch bewertet der Westen insbesondere die BestĂ€nde von rund 440 Kilogramm Uran, das im Iran auf 60 Prozent angereichert wurde und bei Weiterverarbeitung fĂŒr den Bau mehrerer Atomwaffen dienen könnte.

Unterdessen drohte der Sprecher der Kommission fĂŒr Nationale Sicherheit im iranischen Parlament, dass der Iran im Falle erneuter Angriffe Uran auf einen waffenfĂ€higen Reinheitsgrad von 90 Prozent anreichern könnte. «Wir werden das im Parlament prĂŒfen», schrieb Ebrahim Resai auf X. Unklar blieb jedoch, ob der Iran dazu technisch noch in der Lage ist. Die Atomeinrichtungen wurden seit dem Krieg im vergangenen Jahr massiv bombardiert.

Historiker: Unterschiedliche Wahrnehmung im Iran und USA

Experten zufolge sind die GrĂ€ben zwischen den Kriegsparteien groß. Washington forderte vom Iran die Kapitulation, schrieb der renommierter Historiker Mohsen Milani auf X. «In Teheran hingegen glaubt man, den Krieg gewonnen zu haben», fĂŒgte er hinzu. «Diese unterschiedliche Wahrnehmung könnte das grĂ¶ĂŸte Hindernis fĂŒr ein Friedensabkommen zwischen den USA und Iran sein.»

Der Iran-Krieg dĂŒrfte auch eine wichtige Rolle bei dem Besuch Trumps bei Xi ab Mittwoch in Peking spielen. Die UnterstĂŒtzung aus China fĂŒr den Iran ist ein Spannungspunkt im VerhĂ€ltnis zwischen Washington und Peking. So sind etwa chinesische Raffinerien die wichtigsten Abnehmer von Erdöl aus dem Iran. 

Experten sehen eine Vermittlerrolle Chinas fĂŒr mögliche Deeskalation jedoch skeptisch. Eine lange Krise im Mittleren Osten, die amerikanische Ressourcen, Aufmerksamkeit und militĂ€rische FĂ€higkeiten aufzehrt, dient dem israelischen Iran-Experten Danny Citrinowicz zufolge Chinas strategischen Interessen. «Je lĂ€nger die USA im Golfraum gebunden bleiben, desto weniger KapazitĂ€ten haben sie, um chinesischen Ambitionen im Indopazifik entgegenzutreten», schrieb er auf X.

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