USA, Israel

USA: Israel gewÀhrt humanitÀre Pausen in Nord-Gaza

09.11.2023 - 21:17:34 | dpa.de

Einen generellen Waffenstillstand lehnt Israel ab. GewĂ€hrt werden nur befristete humanitĂ€re Pausen. Ändern könne dies nur die Freilassung der Geiseln seitens der Hamas, so Tel Aviv. Der Überblick.

Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats: John Kirby. - Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Mehr als einen Monat nach Beginn des Gaza-Kriegs hat Israel nach US-Angaben tĂ€glichen, vierstĂŒndigen humanitĂ€ren Pausen im nördlichen Teil des abgeriegelten KĂŒstenstreifens zugestimmt. Diese Pausen sollen drei Stunden im Voraus angekĂŒndigt werden, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, in Washington. WĂ€hrend der Pausen könnte nach seinen Worten humanitĂ€re Hilfe geliefert und ein Zeitfenster geschaffen werden, damit Menschen aus der direkten Gefahrenzone entkommen können.

Einen generellen Waffenstillstand lehnen die US-Regierung und auch Israel dagegen weiter ab. Ohne die Freilassung der 239 von der islamistischen Hamas festgehaltenen Geiseln werde es keinen Waffenstillstand geben, hieß es dazu aus dem BĂŒro des MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu.

Netanjahus BĂŒro verwies ĂŒberdies auf einen schon bestehenden Fluchtkorridor fĂŒr Zivilisten im Gazastreifen vom Norden in den SĂŒden, auf dem Israel den Menschen zurzeit regelmĂ€ĂŸig fĂŒr einige Stunden eine sichere Passage zusagt. Am Mittwoch hĂ€tten 50.000 Menschen die Fluchtroute genutzt, hieß es.

Das israelische MilitĂ€r hatte frĂŒher auf der Online-Plattform X darauf hingewiesen, dass es keinen Waffenstillstand gebe, aber «taktische, lokale Pausen fĂŒr humanitĂ€re Hilfe fĂŒr Zivilisten in Gaza».

Die US-Regierung argumentiert, ein Waffenstillstand wĂŒrde nur der im Gazastreifen herrschenden Hamas in die HĂ€nde spielen und der Gruppe Zeit geben, sich neu aufzustellen fĂŒr weitere Attacken. Am 7. Oktober hatten Hamas-Terroristen Israel ĂŒberfallen und mehr als 1400 Menschen getötet. Die Vereinten Nationen forderten, dass die Logistik der nun verkĂŒndeten Kampfstopps «insbesondere in Bezug auf Zeitpunkt und Ort» mit der Weltorganisation abgesprochen werden mĂŒsse.

9500 Raketen und Mörsergranaten Richtung Israel abgefeuert

Seit Beginn des Gaza-Kriegs wurden nach Angaben der israelischen Armee rund 9500 Raketen und Mörsergranaten sowie Dutzende Drohnen Richtung Israel abgefeuert. Seit den BodeneinsĂ€tzen im Gazastreifen sei die Zahl der AbschĂŒsse aber deutlich zurĂŒckgegangen, teilte die Armee mit. Ob auch Geschosse aus dem Libanon, aus dem Jemen und Syrien mitgezĂ€hlt wurden, teilte das MilitĂ€r nicht explizit mit. Demnach landeten zwölf Prozent aller Geschosse im Gazastreifen selbst. Rund 900 seien von zivilen Standorten, darunter Moscheen, Schulen und KrankenhĂ€user, aus abgefeuert worden.

Video zweier Geiseln veröffentlicht

Die im Gazastreifen und auch im Westjordankand aktive Terrororganisation Islamischer Dschihad veröffentlichte ein Video zweier israelischer Geiseln. Darin sind eine Ă€ltere Frau sowie ein Junge zu sehen. Die Echtheit des Videos konnte zunĂ€chst nicht ĂŒberprĂŒft werden. Die Betroffenen werden aber auf einer offiziellen Seite von Angehörigenvertretern als Geiseln gelistet. Berichten zufolge handelt es sich um eine 77-JĂ€hrige sowie ein 13 Jahre altes Kind. Beide Geiseln Ă€ußerten in dem Video starke Kritik an Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu und seiner Regierung. Ob die beiden dabei ihre ehrliche Meinung Ă€ußerten, war unklar.

Unter Vermittlung des Golfemirats Katar, das gute Beziehungen zur Hamas pflegt, und in Absprache mit den USA laufen derzeit Verhandlungen, um etwa ein Dutzend Gefangene freizubekommen. Das bestĂ€tigte eine Person mit Kenntnis dieser GesprĂ€che der Deutschen Presse-Agentur. Im Gegenzug sollen die KĂ€mpfe fĂŒr 48 bis 72 Stunden eingestellt werden.

Tote bei Einsatz in Dschenin

Bei einem israelischen MilitÀreinsatz in Dschenin im Westjordanland wurden nach palÀstinensischen Angaben mindestens 14 Menschen getötet. Mehr als 20 weitere seien verletzt worden, teilte das palÀstinensische Gesundheitsministerium mit.

Laut israelischer Armee galt der Einsatz Terroristen im FlĂŒchtlingsviertel in Dschenin. Das MilitĂ€r meldete zehn getötete PalĂ€stinenser. Dschenin gilt als Hochburg militanter PalĂ€stinenser. Es kommt dort immer wieder zu Razzien der israelischen Armee. Die Lage im Westjordanland hat sich seit Beginn des Krieges deutlich verschĂ€rft.

Israels Armee rĂŒckt im Gazastreifen weiter vor

Israelische Bodentruppen nahmen nach Darstellung der Armee nach heftigen KĂ€mpfen im nördlichen Gazastreifen einen Hamas-StĂŒtzpunkt ein. Dieser liege im FlĂŒchtlingsviertel Dschabalia. An dem zehn Stunden langen Kampf seien neben Hamas auch der Islamische Dschihad beteiligt gewesen, hieß es. Viele Ortschaften im Norden des Gazastreifens sind in dem Krieg, der vor mehr als einem Monat begonnen hat, weitgehend zerstört worden. Von der Hamas veröffentlichte Videos zeigen KĂ€mpfe zwischen den Ruinen. Immer wieder sind darin Hamas-KĂ€mpfer zu sehen, die Panzerabwehrraketen auf israelische Panzer abfeuern.

Israel geht davon aus, dass sich die militĂ€rische und politische FĂŒhrung der Hamas in dem unterirdischen Tunnelsystem im Gazastreifen versteckt hĂ€lt. Auch zumindest ein Teil der 239 Geiseln, die die Hamas und andere extremistische Gruppen bei dem Massaker in Israel verschleppt haben, wird dort vermutet.

Hilfsorganisationen bei internationaler Konferenz in Paris

HumanitĂ€re Organisationen pochten bei einer internationalen Hilfskonferenz in Paris auf die Öffnung weiterer GrenzĂŒbergĂ€nge fĂŒr Lieferungen in den Gazastreifen. Die humanitĂ€re Lage verschlechtere sich zusehends und eine Feuerpause sei notwendig, damit Hilfe die Menschen erreichen könne, sagten Vertreter internationaler Organisationen. An der eintĂ€gigen Konferenz nahmen Staaten, internationale Organisationen und im Gazastreifen tĂ€tige NGOs teil.

Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron, der das Treffen anberaumt hatte, sagte: «Wir brauchen eine sehr schnelle humanitĂ€re Pause und mĂŒssen auf einen Waffenstillstand hinarbeiten. Es muss der Raum geschaffen werden, den die humanitĂ€ren Akteure benötigen, um in Gaza tĂ€tig zu werden.»

Die Zahl der im Gazastreifen getöteten PalĂ€stinenser ist seit Kriegsbeginn vor einem Monat nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums auf 10.818 gestiegen. Mehr als 27.000 Menschen seien verletzt worden, teilte die Behörde am mit. Unter den Toten seien 4412 Kinder und Jugendliche. Am Mittwoch hatte die Behörde noch von mehr als 10.500 getöteten PalĂ€stinensern berichtet. Die Zahlen und Angaben lassen sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

Außenministerin Annalena Baerbock bricht an diesem Freitagmorgen zu einer weiteren Reise in den Nahen Osten auf. Nach Angaben eines Sprechers des AuswĂ€rtigen Amts in Berlin will sie in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Saudi-Arabien und Israel KrisengesprĂ€che im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg fĂŒhren.

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