Meloni scheitert mit Justizreform
23.03.2026 - 17:05:22 | dpa.deItaliens MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni ist mit ihren PlĂ€nen fĂŒr einen grundlegenden Umbau der Justiz klar gescheitert. In einer Volksabstimmung lehnten die Italienerinnen und Italiener das Vorhaben von Melonis rechter Koalition ab. Nach einer Hochrechnung des Fernsehsenders Rai stimmten 53,6 Prozent dagegen. FĂŒr eine Reform waren lediglich 46,4 Prozent. Das Endergebnis wird noch im Laufe des Montags erwartet.
Anderthalb Jahre vor der nĂ€chsten regulĂ€ren Parlamentswahl bedeutet das klare Nein fĂŒr die Vorsitzende der Rechtspartei Fratelli d'Italia (BrĂŒder Italiens) eine schwere Niederlage. Vor dem Referendum hatte Meloni ausgeschlossen, in einem solchen Fall persönliche Konsequenzen zu ziehen. In allen Umfragen liegt sie mit den Fratelli weit vor allen anderen Parteien. Die 49-JĂ€hrige regiert jetzt schon lĂ€nger als fast alle anderen bisherigen Regierungschefs.
Kritiker fĂŒrchten um UnabhĂ€ngigkeit der Justiz
Melonis Koalition aus drei rechten und konservativen Parteien hatte sich zum Ziel gesetzt, das Justizsystem in entscheidenden Punkten umbauen. In den vergangenen Monaten ĂŒberzogen Meloni und wichtige Minister Richter und StaatsanwĂ€lte mit massiver Kritik. Insbesondere warf sie der Justiz vor, die «BekĂ€mpfung der illegalen Massenmigration» zu sabotieren, wie sie das nennt. Vize-Regierungschef Matteo Salvini von der rechten Partei Lega sprach sogar von «kommunistischen Richtern», denen das Handwerk gelegt werden mĂŒsse.
Kritiker sahen durch die Reform die UnabhĂ€ngigkeit von Richtern und StaatsanwĂ€lten in Gefahr. Die sozialdemokratische OppositionsfĂŒhrerin Elly Schlein erhofft sich von dem Erfolg bei dem Referendum nun auch zusĂ€tzlichen Schwung fĂŒr den bevorstehenden Wahlkampf. Allerdings dĂŒrfte dies nicht einfach werden. Auch frĂŒher hatten Italiens WĂ€hler bei Volksabstimmungen meist gegen Ănderungen ihrer Verfassung von 1948 gestimmt.
Niederlage in dieser GröĂenordnung unerwartet
In den Umfragen liegt Meloni mit ihrer Rechtspartei seit Monaten stabil bei etwa 30 Prozent, gefolgt von den Sozialdemokraten mit etwa 22 Prozent. Im Vergleich zu anderen Regierungschefs in Europa ist sie verhĂ€ltnismĂ€Ăig wenig umstritten. Die Niederlage bei der Abstimmung hatte in dieser GröĂenordnung kaum jemand erwartet.Â
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Die beiden Kammern des Parlaments hatten dem Vorhaben bereits zugestimmt. Weil fĂŒr die Justizreform jedoch die Verfassung geĂ€ndert werden muss, lag die Entscheidung am Sonntag und Montag beim Volk.Â
Die Wahlbeteiligung war mit annĂ€hernd 59 Prozent fĂŒr eine Volksabstimmung sehr hoch. Das Referendum galt auch als Stimmungstest vor der nĂ€chsten Parlamentswahl, die fĂŒr Herbst 2027 geplant ist. Wahlberechtigt waren mehr als 46 Millionen BĂŒrger.
Italiens Rechte beschwert sich seit Jahrzehnten ĂŒber «rote Roben»
Italiens Rechte klagt seit Jahrzehnten darĂŒber, dass groĂe Teile der Justiz aufseiten der Linken stĂŒnden. Bereits der inzwischen verstorbene MinisterprĂ€sident Silvio Berlusconi, der auch selbst mehrfach vor Gericht musste, beschwerte sich immer wieder ĂŒber «rote Roben». Die Opposition und auch mehrere JuristenverbĂ€nde werfen der MinisterprĂ€sidentin hingegen vor, sich die Justiz gefĂ€llig machen zu wollen.
Kern von Melonis PlĂ€nen war, die Laufbahnen von Richtern und StaatsanwĂ€lten zu trennen, so wie das in den meisten europĂ€ische LĂ€ndern ĂŒblich ist. Zudem sollte es neue Selbstverwaltungsorgane geben. An deren Besetzung sollte das Parlament beteiligt werden. Damit hĂ€tte die Politik mehr Einfluss auf Personalentscheidungen bekommen.
Verfahren dauern deutlich lĂ€nger als in anderen LĂ€ndernÂ
Bei allem Streit sind sich die meisten einig darin, dass es im Justizsystem tatsÀchlich Reformbedarf gibt. In Italien dauert es deutlich lÀnger als in vielen anderen LÀndern, bis Recht gesprochen wird: Bei Zivilverfahren sind es durchschnittlich sieben Jahre bis zu einem rechtskrÀftigen Urteil, im Strafrecht sogar acht. Derzeit sind nicht weniger als 4,5 Millionen Verfahren anhÀngig. Dass wegen VerjÀhrung letztlich gar nicht entschieden wird, kommt hÀufiger vor. Nach einer Umfrage vertrauen nur vier von zehn Italienern ihrer Justiz.
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