Krise, welche Krise? Wie Trump den Klimaschutz aushebelt
13.02.2026 - 14:25:46Schluss mit Klimakrise: US-PrĂ€sident Donald Trump hat Treibhausgase kurzerhand fĂŒr unproblematisch erklĂ€rt â und damit die zentrale rechtliche Grundlage fĂŒr Gesetze zum Wohle des Klimas gekippt. Konkret hat Trump das sogenannte Endangerment Finding gestrichen, mit dem die US-Umweltbehörde die wichtigsten Treibhausgase, darunter CO2, seit 2009 als Gefahr fĂŒr die öffentliche Gesundheit und das Wohlergehen eingestuft hat.Â
Sind Treibhausgase also doch gar nicht so schlimm?
Ganz im Gegenteil. In der Wissenschaft gibt es seit langem keinen Zweifel daran, dass sie die Haupttreiber der sich zuspitzenden Klimakrise sind. Neue Erkenntnisse, die diese EinschĂ€tzung ins Wanken bringen könnten, gibt es nicht. Laut dem Weltklimarat (IPCC) haben Treibhausgase seit dem spĂ€ten 19.?Jahrhundert die globale Durchschnittstemperatur deutlich steigen lassen. Diese ErwĂ€rmung heizt wiederum Extremwetterereignisse wie Ăberschwemmungen, Hitzewellen oder DĂŒrren spĂŒrbar an.
Im Weltklimarat fassen Forscher aus aller Welt den Stand des Wissens ĂŒber den Klimawandel zusammen. Bevor Berichte veröffentlicht werden, mĂŒssen sie von den Regierungen der Mitgliedsstaaten verabschiedet werden. Das soll sicherstellen, dass alle LĂ€nder auf derselben Grundlage handeln. Trump stellt sich also gegen einen international anerkannten Konsens.
Wieso tut Trump das?Â
Trump setzt seinen ideologischen Anti-Klima-Kurs mit dem Schritt konsequent fort: «Es kommt nicht unerwartet, dass Trump nun endgĂŒltig dem Klimaschutz in den USA den Stecker zieht», sagt der Klimaforscher Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum fĂŒr Ozeanforschung in Kiel. «Vorher ist er schon aus der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen ausgetreten und damit praktisch aus allen internationalen Gremien, die mit Klimaschutz zu tun haben, wie zum Beispiel dem Weltklimarat.» Die bisherige Einstufung der Treibhausgase als gefĂ€hrlich war die Grundlage dafĂŒr, dass die Umweltbehörde Grenzen fĂŒr solche Schadstoffe festlegen durfte.
Trump verspricht seinem Volk zudem «BILLIONEN!» Dollar Einsparungen: Den Steuerzahlern wĂŒrden durch die Abschaffung der Einstufung sowie «teurer und nutzloser» Abgasregeln fĂŒr Fahrzeuge 1,3 Billionen US-Dollar an Kosten erspart.
Dass ungebremster Klimawandel allerdings mit sehr hohen Kosten einhergeht, lĂ€sst Trump unerwĂ€hnt. Anders Levermann vom Potsdam-Institut fĂŒr Klimafolgenforschung erklĂ€rt: «Beim Klimaschutz geht es vor allem um Investitionen, damit werden ArbeitsplĂ€tze geschaffen, damit wird die Wirtschaft gestĂ€rkt. KlimaschĂ€den sorgen fĂŒr Zerstörung und stören das Wirtschaftssystem, also dadurch, dass AblĂ€ufe nicht mehr funktionieren. Diese Störungen fĂŒhren zu wirtschaftlichen SchĂ€den, die weit ĂŒber die Kosten hinausgehen, die durch ein Umdenken in der Energiewirtschaft zu erwarten sind.» Die Aussage, dass Klimaschutz mehr koste als Klimawandel, sei falsch.Â
Was Àndert sich konkret in den USA durch die Entscheidung?
Jeff Holmstead, der wĂ€hrend der Amtszeit des frĂŒheren US-PrĂ€sidenten George W. Bush ein hochrangiger Beamter der Umweltbehörde war, sagte der «Washington Post», dass die einzige unmittelbare rechtliche Auswirkung vorerst die Abschaffung von Treibhausgasnormen fĂŒr Pkw und Lastwagen in den USA sein werde.Â
Trump will mit seiner Deregulierung die Autoindustrie ankurbeln. Der Verkehrsforscher Alan Jenn von der University of California, Davis, sagte in der «New York Times», die Berechnungen und Annahmen der Trump-Regierung seien nicht nachvollziehbar und beruhten teils auf veralteten Zahlen. «Es ist, offen gesagt, schwer, in der Bewertung irgendwelche Berechnungen zu finden, die nicht ein wenig lÀcherlich sind», so Jenn.
Der Bundesstaat Kalifornien will gegen Trumps Entscheidung klagen, auch UmweltverbĂ€nde erwĂ€gen das. Weitere Folgen der Entscheidung hĂ€ngen also davon ab, wie sich der rechtliche Streit entwickelt. Sollte die rechtliche BegrĂŒndung fĂŒr den Schritt vor Gericht Bestand haben, werde die Umweltbehörde kĂŒnftig nicht mehr in der Lage sein, CO2-Emissionen zu regulieren, sagte Holmstead der «Washington Post».Â
Und was bedeutet es fĂŒr den Rest der Welt?
Welchen Weg die USA gehen, hat Folgen fĂŒr die ganze Welt. Denn fĂŒr das Klima zĂ€hlt nur, wie viele Treibhausgase in die AtmosphĂ€re gepustet werden â und nicht, aus welchem Land sie kommen. Die USA gehören zu den Negativ-Spitzenreitern: Weltweit pustet nur China mehr Treibhausgase in die Luft. 2024 sorgten die USA nach EU-Angaben fĂŒr rund 5,9 Milliarden Tonnen CO2-Ăquivalente, China fĂŒr rund 15,5. Zur besseren Vergleichbarkeit werden andere Treibhausgase in Kohlendioxid (CO2) umgerechnet.Â
Wenn die USA den Klimaschutz aufgeben, können oder werden dann nicht alle anderen auch aufgeben?
Klimaforscher Latif sagt dazu: «Meine BefĂŒrchtung ist, dass Trump damit auch global einen Prozess in Gang setzt, den Klimaschutz auf der Agenda weiter nach unten zu setzen. Die ersten AnfĂ€nge sehen wir schon in Europa und auch in Deutschland.» So hat die EU auf Druck rechter Parteien im vergangenen Jahr abgeschwĂ€chte neue Klimaziele beschlossen und will das Verbrenner-Aus aufweichen. In Deutschland stellten innerhalb der Union kĂŒrzlich sogar erste Stimmen die deutschen Klimaziele insgesamt infrage.Â
Levermann hĂ€lt fest: «Die Welt spaltet sich gerade auf in eine rĂŒckwĂ€rtsgewandte und eine vorwĂ€rtsgewandte Fraktion. Die eine HĂ€lfte folgt der Trump-Richtung und wollte das auch schon immer: die Ălstaaten, Russland, Saudi-Arabien. Ein paar LĂ€nder sind auf der Kippe. Die EU sollte auf keinen Fall kippen.» Europa habe es geschafft, seinen Wohlstand von steigenden Emissionen zu entkoppeln und das sei auch wirtschaftlich der Weg der Zukunft.
Der deutsche Umweltminister Carsten Schneider (SPD) sagt: «Wir haben ja einen anderen Kurs, und der ist, auf wissenschaftlicher Basis fundierte Entscheidungen zu treffen, die verantwortbar fĂŒr die Menschen in Europa oder in der Welt sind», sagte er nach Trumps AnkĂŒndigung dem Deutschlandfunk. «Wir stehen zum Klimaschutz.»
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