Ukraine, Russland

Neue russische Angriffe: Frieren in der Ukraine geht weiter

03.02.2026 - 13:53:54

Moskau bestĂ€tigte eine von US-PrĂ€sident Trump angestoßene begrenzte Waffenruhe – bis Sonntag. Das ist nun augenscheinlich vorbei. Hunderttausende Menschen kĂ€mpfen mit Strom- und HeizungsausfĂ€llen.

  • Russland ĂŒberzog die Ukraine in der Nacht erneut mit Luftangriffen.  - Foto: Uncredited/Ukrainian Emergency Service/AP/dpa

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  • Nach ukrainischen Behördenangaben trafen die Attacken vor allem die zivile und Energieinfrastruktur. - Foto: Alex Babenko/AP/dpa

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  • Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte (r) ist zu Besuch in der Ukraine. - Foto: Uncredited/Ukrainian Presidential Press Office/AP/dpa

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Russland ĂŒberzog die Ukraine in der Nacht erneut mit Luftangriffen.  - Foto: Uncredited/Ukrainian Emergency Service/AP/dpaNach ukrainischen Behördenangaben trafen die Attacken vor allem die zivile und Energieinfrastruktur. - Foto: Alex Babenko/AP/dpaNato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte (r) ist zu Besuch in der Ukraine. - Foto: Uncredited/Ukrainian Presidential Press Office/AP/dpa

Vor einer neuen angekĂŒndigten Verhandlungsrunde fĂŒr ein Ende des Ukraine-Kriegs setzt Russland seine Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine fort. Russland ziehe es vor, die kĂ€ltesten Tage des Winters auszunutzen, um Menschen zu terrorisieren, statt sich der Diplomatie zuzuwenden, schrieb der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj in sozialen Medien. 

Ihm zufolge wurden neun Menschen bei den Attacken verletzt. Russland habe gezielt Energieobjekte angegriffen. Selenskyj sprach von einer Rekordzahl eingesetzter ballistischer Raketen. Moskaus MilitÀr habe mehr als 70 Raketen verschiedener Typen und Marschflugkörper sowie 450 Kampfdrohnen eingesetzt. 

Die Attacken trafen demnach die nordostukrainischen Regionen Charkiw und Sumy, die Hauptstadt Kiew und ihre Umgebung sowie die Regionen Dnipropetrowsk im SĂŒdosten, Odessa im SĂŒden, und Winnyzja im Westen. Die Reparaturarbeiten laufen den Angaben nach.

Energieminister: «Versuch eines winterlichen Völkermords»

Energieminister Denys Schmyhal schrieb bei Telegram vom «Versuch eines winterlichen Völkermords». Es habe sich ausschließlich um zivile Ziele gehandelt. Hunderttausende Familien, darunter Kinder, seien gezielt ohne Heizung in strengster winterlicher KĂ€lte zurĂŒckgelassen worden.

In der Ukraine ist es derzeit extrem kalt, teilweise gibt es zweistellige Minusgrade. Die Ukraine verteidigt sich seit fast vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg.

Derweil ist Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte als Zeichen der anhaltenden UnterstĂŒtzung zu einem Besuch in der Ukraine eingetroffen. Selenskyj veröffentlichte Bilder in sozialen Medien, auf denen zu sehen ist, wie die beiden auf dem UnabhĂ€ngigkeitsplatz in Kiew Grablichter am Mahnmal fĂŒr gefallene Soldaten abstellen. Mit Rutte spreche er vor dem Hintergrund der russischen Attacke auch ĂŒber mögliche Hilfspakete der Partner seines Landes, teilte Selenskyj mit.

Rutte sprach bei seinem Besuch im ukrainischen Parlament. Er sicherte zu, Druck auf Russland aufrechtzuerhalten und die Ukraine weiter zu unterstĂŒtzen. «Ich weiß, dass der Winter kalt ist, aber der FrĂŒhling wird kommen», versicherte Rutte.

Strom- und HeizungsausfÀlle in der Ukraine

Der Versorger DTEK sprach vom stÀrksten Angriff gegen die Energiewirtschaft seit Jahresbeginn. Unter Beschuss gerieten demnach Anlagen zur Stromerzeugung und Stromverteilung. In Kiew, Charkiw und Dnipro wurden Heiz- und WÀrmekraftwerke getroffen.

In der Hauptstadt waren den Angaben von BĂŒrgermeister Vitali Klitschko zufolge nach Angriffen auf die Infrastruktur am Morgen zwei Stadtteile ĂŒberwiegend ohne Heizung. In 1.170 HĂ€usern sei die WĂ€rmeversorgung ausgefallen, teilte er mit. Außerdem gebe es SchĂ€den an WohnhĂ€usern und mehrere BrĂ€nde. 

Russlands MilitÀr nahm auch die Region um Kiew herum ins Visier. Der Chef der Regionalverwaltung, Mykola Kalaschnyk, beklagte bei Telegram drei Verletzte und SchÀden unter anderem an WohngebÀuden.

In der Stadt Charkiw im Nordosten des Landes kĂŒndigte BĂŒrgermeister Ihor Terechow nach Beschuss in der Nacht an, dass die HeizflĂŒssigkeit fĂŒr 820 HĂ€user abgelassen werden mĂŒsse. Das Einfrieren des Netzes soll so verhindert werden. Auch er sprach von gezielten Angriffen auf die Energieinfrastruktur. 

Nach einem massiven Angriff mit Raketen und Drohnen auf die Energie- und zivile Infrastruktur waren in der Region Odessa im SĂŒden des Landes mehr als 50.000 Einwohner ohne Stromversorgung, wie Gebietsgouverneur Oleh Kiper mitteilte. WohnhĂ€user, Lager- und VerwaltungsgebĂ€ude sowie Autos seien beschĂ€digt worden.

Russland bestÀtigt Angriff auf Energieanlagen

Das Verteidigungsministerium in Moskau bestĂ€tigte einen massiven Angriff in der Nacht. Er habe sich gegen Unternehmen des militĂ€risch-industriellen Komplexes gerichtet und gegen Energieanlagen, die dafĂŒr genutzt wĂŒrden. 

Er sei eine Reaktion auf ukrainische Attacken auf zivile Objekte in Russland, hieß es. Die Angaben lassen sich nicht unabhĂ€ngig prĂŒfen. 

Angriffe vor nÀchster geplanter Verhandlungsrunde

Die Angriffe kamen kurz vor einer neuen geplanten Verhandlungsrunde ĂŒber ein Ende des Ukraine-Kriegs. Nach Angaben aus Moskau und Kiew sollen am Mittwoch und Donnerstag direkte GesprĂ€che zwischen russischen und ukrainischen UnterhĂ€ndlern unter Vermittlung der USA fortgesetzt werden. Das trilaterale Format hatte vor gut anderthalb Wochen in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten begonnen. 

US-PrĂ€sident Donald Trump hatte nach eigenen Worten in der vergangenen Woche Kremlchef Putin um eine begrenzte Waffenruhe gebeten und erklĂ€rt, dass Moskau zugesagt habe. Kremlsprecher Dmitri Peskow bestĂ€tigte dies – allerdings nur bis zum vergangenen Sonntag. Die jĂŒngsten Attacken auf zivile Objekte und vor allem Energieanlagen zeigen, dass diese begrenzte Feuerpause nun vorbei ist. 

Russland fordert fĂŒr die Beendigung des Kriegs unter anderem einen Verzicht der Ukraine auf den angestrebten Nato-Beitritt und den Abzug von Kiews MilitĂ€r aus ukrainischen Gebieten, die Moskau bislang nicht einnehmen konnte.

@ dpa.de

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