Selenskyj, Flugabwehr

Selenskyj sieht Flugabwehr dank Deutschland gestÀrkt

06.07.2024 - 04:58:35

Seit langem fordert der ukrainische PrĂ€sident mehr Flugabwehrsysteme. Nun dankt er Deutschland fĂŒr die StĂ€rkung. FĂŒr einen zuverlĂ€ssigen Schutz zumindest der GroßstĂ€dte sind jedoch noch mehr nötig.

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hat Deutschland fĂŒr die Lieferung des dritten Flugabwehrsystems vom Typ Patriot gedankt. «Das sind starke Neuigkeiten», sagte Selenskyj in Kiew. Er danke auch den USA fĂŒr weitere Schritte, die ukrainische Luftverteidigung zu stĂ€rken. 

Details nannte er nicht, sagte aber, dass die Partner des Landes die Vereinbarungen erfĂŒllten. «Die Ukraine hat schon bewiesen, dass es keine russischen Raketen gibt, die wir nicht abschießen können», sagte Selenskyj. Das Land tue alles dafĂŒr, damit der russische Terror ende.

Er habe sich auch mit Raketenherstellern getroffen, die dafĂŒr arbeiteten, der russischen Aggression etwas EbenbĂŒrtiges entgegenzusetzen. «Das ist eine Angelegenheit globaler StabilitĂ€t und Sicherheit, damit jeder im Kreml weiß, dass sie nicht ungestraft davon kommen», sagte er weiter.

Selenskyj drĂ€ngt VerbĂŒndete zu mehr UnterstĂŒtzung

FĂŒr ihren Abwehrkampf gegen Russland hat die Ukraine im April vergangenen Jahres das erste moderne Flugabwehrsystem US-amerikanischer Produktion des Typs Patriot erhalten. Die ukrainische Flugabwehr will damit bereits russische Hyperschallraketen und ballistische Raketen abgefangen haben. Insgesamt soll Kiew derzeit ĂŒber vier Systeme verfĂŒgen. Weitere wurden unter anderem von RumĂ€nien in Aussicht gestellt.

PrĂ€sident Selenskyj hatte ursprĂŒnglich mindestens sieben derartiger Systeme fĂŒr einen zuverlĂ€ssigen Schutz regelmĂ€ĂŸig mit Raketen angegriffener GroßstĂ€dte wie Charkiw, Dnipro, Saporischschja und Odessa genannt. Er drĂ€ngt die VerbĂŒndeten der Ukraine regelmĂ€ĂŸig zu weiterer UnterstĂŒtzung bei der Flugabwehr.

Russland ĂŒberzieht das Nachbarland in seinem seit mehr als zwei Jahren andauernden Angriffskrieg immer wieder mit LuftschlĂ€gen. Durch die Raketen- und Drohnenangriffe gibt es schwerste Zerstörungen etwa an der Energieinfrastruktur sowie immer wieder auch Tote und Verletzte. 

SchÀden nach Luftangriffen in der Ukraine und Russland

Bei wechselseitigen Drohnenangriffen haben Russland und die Ukraine in der Nacht zum Teil betrĂ€chtliche SchĂ€den im jeweiligen Nachbarland angerichtet. So hat Russland Angaben der Luftwaffe in Kiew zufolge zwölf ukrainische Regionen attackiert. Von den insgesamt 32 Drohnen sind zwar demnach 24 abgeschossen worden, aber mehrere Gebiete meldeten auch Treffer. In der Region Sumy fielen so Strom- und Wasserversorgung aus. Im Umland von Kiew wurden ein privates Wohnhaus und ein Pkw von herabfallenden DrohnentrĂŒmmern beschĂ€digt.

Auf der Gegenseite war einmal mehr die zuletzt verstĂ€rkt ins Visier geratene sĂŒdrussische Region Krasnodar Ziel der Attacken. Zwar seien die Drohnen abgeschossen worden, doch deren TrĂŒmmer hĂ€tten Treibstofflager in den Landkreisen Pawlowskaja und Leningradskaja in Brand gesetzt und einen Funkturm in der Stadt Jejsk beschĂ€digt, hieß es in einer Mitteilung des regionalen Krisenstabs.

Selenskyj kĂŒndigt Schritte gegen Energie-Krise an

In seiner Videobotschaft kĂŒndigte Selenskyj ein komplexes Paket an Maßnahmen an, um die Energiekrise im Land zu lösen. Einzelheiten nannte er nicht, sagte aber, dass die Beamten demnĂ€chst Schritte dazu vorstellen wĂŒrden, wie BĂŒrger und Unternehmen in Zeiten des Mangels an ElektrizitĂ€t unterstĂŒtzt werden könnten. Als Beispiel nannte er neue Kreditprogramme mit völlig zinsfreien Angeboten. «Alles sollte so schnell wie möglich funktionieren», sagte er.

Aktiv liefen zudem Verhandlungen mit europĂ€ischen Partnern mit dem Ziel, die aus dem Ausland importierten Strommengen zu erhöhen. Parallel dazu liefen außerdem Reparaturarbeiten an Anlagen. Viele Kraftwerke und andere Energieinfrastruktur sind durch die russischen Angriffe zerstört und beschĂ€digt. Wegen des Energiedefizits kommt es immer wieder zu Stromabschaltungen.

Weißes Haus: Orbans Reise nach Moskau ist «kontraproduktiv»

In seiner Videoansprache ging Selenskyj nicht auf den Besuch des ungarischen MinisterprĂ€sidenten Viktor Orban in Moskau bei Kremlchef Wladimir Putin ein. Wie zuvor die EuropĂ€ische Union und die Bundesregierung kritisierten auch die USA die Reise, die Orban als Friedensmission darstellte. Die US-Regierung zeigte sich «besorgt». Das Verhalten des Nato-Partners sei mit Blick auf die UnterstĂŒtzung der SouverĂ€nitĂ€t der Ukraine «kontraproduktiv» und trage nicht zum Frieden in dem von Russland angegriffenen Land bei, sagte die Sprecherin von US-PrĂ€sident Joe Biden, Karine Jean-Pierre. 

«Russland könnte diesen Krieg noch heute beenden, indem es seinen Angriff gegen die Ukraine, gegen ihre SouverĂ€nitĂ€t und gegen ihre Demokratie aufgibt», sagte sie weiter. Das ukrainische Außenministerium hatte die GesprĂ€che Orbans mit Putin scharf kritisiert und erinnerte daran, dass es keine Entscheidung zur Ukraine ohne die Ukraine geben könne. Selenskyj hatte noch am Dienstag Orban in Kiew zu seinem ersten Besuch dort seit Kriegsbeginn empfangen.

Orban war ĂŒberraschend und begleitet von heftiger Kritik von EU-Vertretern, westlichen Politikern und der Ukraine zu den GesprĂ€chen mit Putin gereist. Die EU betonte, dass der Ungar kein offizielles Mandat fĂŒr Verhandlungen mit Russland habe. 

Selenskyj stimmt sich mit britischem Premier vor Nato-Gipfel ab

In der kommenden Woche steht der Nato-Gipfel in Washington an. Die Staats- und Regierungschefs der 32 Mitgliedsstaaten des VerteidigungsbĂŒndnisses wollen unter anderem ĂŒber den Ukraine-Krieg und die StĂ€rkung der eigenen Abschreckungs- und VerteidigungsfĂ€higkeiten beraten. Die Ukraine strebt in die MilitĂ€rallianz, hat aber aktuell keine Aussicht auf Aufnahme.

Selenskyj teilte mit, dass er sich vor dem Nato-Treffen auch mit dem neuen britischen Premierminister Keir Starmer abgestimmt habe. Laut einer Mitteilung im sozialen Netzwerk X gratulierte Selenskyj Starmer zum Sieg bei der Wahl in Großbritannien. Der neue Premier habe der Ukraine die unerschĂŒtterliche UnterstĂŒtzung Großbritanniens auch durch die neue Regierung in London zugesagt.

@ dpa.de