Ukraine, Russland

Russland fliegt heftige Luftangriffe auf ukrainische StÀdte

02.07.2026 - 07:23:05 | dpa.de

WÀhrend die Menschen schlafen, werden Kiew und andere StÀdte erneut attackiert. Ganze WohnhÀuser sollen zerstört worden sein. Die Rede ist von einer der heftigsten Angriffswellen seit Kriegsbeginn.

  • Bewohnerinnen und Bewohner Kiews wurden durch die Angriffe aus dem Schlaf gerissen.  - Bild: Danylo Antoniuk/AP/dpa
    Bewohnerinnen und Bewohner Kiews wurden durch die Angriffe aus dem Schlaf gerissen. - Bild: Danylo Antoniuk/AP/dpa
  • Mehrere HĂ€user gingen in Flammen auf. - Bild: Danylo Antoniuk/AP/dpa
    Mehrere HĂ€user gingen in Flammen auf. - Bild: Danylo Antoniuk/AP/dpa
  • Die Denkfabrik CSIS geht von zwei Millionen getöteten, verletzten oder vermissten Soldaten aus. (Archivbild) - Bild: Leo Correa/AP/dpa
    Die Denkfabrik CSIS geht von zwei Millionen getöteten, verletzten oder vermissten Soldaten aus. (Archivbild) - Bild: Leo Correa/AP/dpa
  • Mehr als eine halbe Million Soldaten sollen im Ukraine-Krieg gefallen sein. (Archivbild) - Bild: Brendan Smialowski/Pool AFP/AP/dpa
    Mehr als eine halbe Million Soldaten sollen im Ukraine-Krieg gefallen sein. (Archivbild) - Bild: Brendan Smialowski/Pool AFP/AP/dpa
Bewohnerinnen und Bewohner Kiews wurden durch die Angriffe aus dem Schlaf gerissen.  - Bild: Danylo Antoniuk/AP/dpa Mehrere HÀuser gingen in Flammen auf. - Bild: Danylo Antoniuk/AP/dpa Die Denkfabrik CSIS geht von zwei Millionen getöteten, verletzten oder vermissten Soldaten aus. (Archivbild) - Bild: Leo Correa/AP/dpa Mehr als eine halbe Million Soldaten sollen im Ukraine-Krieg gefallen sein. (Archivbild) - Bild: Brendan Smialowski/Pool AFP/AP/dpa

Erneut sind mehrere StĂ€dte in der Ukraine zur Zielscheibe einer heftigen Angriffswelle mit russischen Kampfdrohnen, Raketen und Marschflugkörpern geworden. Aus der Hauptstadt Kiew wurden am Abend und in der Nacht Explosionen gemeldet, nach Behördenangaben gab es mindestens 10 Tote und 46 Verletzte. Mehrstöckige GebĂ€ude – darunter ein Hotel – seien in Flammen aufgegangen, einige WohnhĂ€user komplett zerstört worden, berichtete das Nachrichtenportal «The Kyiv Independent». Demnach setzten die Angreifer Dutzende Raketen und Marschflugkörper ein.

Das genaue Ausmaß der SchĂ€den war zunĂ€chst nicht ĂŒberschaubar, die ersten Angaben ließen sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. Im Bericht des «Kyiv Independent» war von einer der heftigsten Angriffswellen seit Kriegsbeginn die Rede. VerĂ€ngstigte Bewohnerinnen und Bewohner Kiews suchten demnach in U-Bahn-Stationen Zuflucht. Viele von ihnen hĂ€tten dort Zelte aufgeschlagen, um die Nacht vor Luftangriffen geschĂŒtzt unter der Erde zu verbringen, hieß es.

«Unglaublich laute Explosionen»

Nach ersten EinschlĂ€gen am Abend wurde demnach auch am frĂŒhen Morgen wieder Luftalarm ausgelöst. Knapp ein Dutzend russische Bomber seien in der Luft, hieß es. Kurz darauf meldeten Reporter des Portals «unglaublich laute Explosionen», die selbst in tief unter der Erde gelegenen Luftschutzbunkern deutlich zu hören gewesen seien. Die ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform berichtete ebenfalls ĂŒber zahlreiche EinschlĂ€ge in Kiew.

Auch in anderen StĂ€dten der Ukraine – darunter Saporischschja und Pawlohrad im SĂŒdosten sowie Sumy und Charkiw im Nordosten des Landes – gab es Berichten zufolge Luftalarm und Explosionen. Der Gouverneur von Saporischschja, Iwan Fedorow, schrieb am Morgen von drei Verletzten. Weitere Informationen zu möglichen SchĂ€den und Opfern in den anderen StĂ€dten lagen zunĂ€chst nicht vor.

Selenskyj sah massiven Angriff kommen

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hatte am Mittwoch vor einem bevorstehenden Großangriff auf die Ukraine gewarnt. Alle ein bis zwei Wochen gebe es massive Attacken mit Hunderten Drohnen und Dutzenden Raketen – und «heute gibt es die unangenehme Information ĂŒber die nĂ€chste Vorbereitung eines solchen massiven russischen Angriffs», sagte er am Rande einer Zeremonie zum Wechsel der EU-RatsprĂ€sidentschaft in Dublin. Daher werde er direkt nach der Pressekonferenz rasch in die Ukraine zurĂŒckkehren. Seine Landsleute sollten Alarmsignale beachten und SchutzrĂ€ume aufsuchen.

Russische Verluste steigen offenbar dramatisch

Abseits der tÀglichen Luftangriffe auf die Ukraine haben die Verteidiger laut US-Kriegsexperten zuletzt bemerkenswerte Erfolge im Abwehrkampf gegen Russland erzielt und die Verluste des Gegners stark in die Höhe getrieben. Einem Lagebericht der in Washington ansÀssigen Denkfabrik CSIS (Center for Strategic and International Studies) zufolge machen den Russen neben ihrer stotternden Bodenoffensive und vereinzelten GelÀndegewinnen der Ukrainer vor allem die steigenden Gefallenenzahlen in den eigenen Reihen zu schaffen.

Insgesamt seien seit Kriegsbeginn im Februar 2022 rund zwei Millionen Soldaten getötet, verletzt oder vermisst gemeldet worden, heißt es in dem Bericht – allein 1,4 Millionen davon auf russischer Seite. WĂ€hrend das VerhĂ€ltnis zwischen russischen und ukrainischen Verlusten die meiste Zeit ĂŒber bei 2:1 oder 3:1 gelegen habe, sei es im ersten Halbjahr 2026 schĂ€tzungsweise auf 8:1 gestiegen. Hauptgrund dafĂŒr sei der verstĂ€rkte und Ă€ußerst wirkungsvolle Einsatz ukrainischer Kampfdrohnen.

Die Gesamtzahl der russischen Gefallenen gab CSIS mit 400.000 bis 450.000 an, auf ukrainischer Seite seien es 125.000 bis 150.000. Ende Januar hatte die Bilanz noch bei etwa 325.000 getöteten Russen und 100.000 bis 140.000 Ukrainern gestanden. Inzwischen ĂŒbersteige die monatliche Zahl der russischen Verluste auch die der Neurekrutierungen, hieß es weiter.

Kriegsparteien spielen eigene Verluste herunter

Das CSIS stĂŒtzt sich bei den Zahlen nach eigenen Angaben auf Informationen des MilitĂ€rs, der Geheimdienste und Regierungen verschiedener LĂ€nder. Die Angaben der Denkfabrik gelten als vergleichsweise zuverlĂ€ssig, sind angesichts der schwer durchschaubaren Quellenlage und gezielten Desinformation beider Kriegsparteien aber dennoch mit Vorsicht zu genießen – zumal die Ukrainer von Waffen und Geheimdiensterkenntnissen aus den USA profitieren.

WĂ€hrend beide Kriegsparteien tĂ€glich gegnerische Verluste vermelden, legen sie höchst selten eigene Opferzahlen dar. Es gilt als sicher, dass sowohl Russlands FĂŒhrung als auch die der Ukraine eigene Verluste herunterspielen und jene in den Reihen des Gegners aufbauschen. Andere SchĂ€tzungen decken sich nicht mit den offiziellen Zahlen aus Moskau und Kiew.

Langsame VorstĂ¶ĂŸe, kaum GelĂ€ndegewinne

Neben den stark gestiegenen Opferzahlen sieht sich Russlands MilitĂ€r laut CSIS-Lagebericht auch mit anderen RĂŒckschlĂ€gen auf dem Schlachtfeld konfrontiert. So hĂ€tten die Angreifer das von ihnen kontrollierte Gebiet in der Ukraine im FrĂŒhling 2026 erstmals seit Jahren nicht mehr vergrĂ¶ĂŸern können und dazu einzelne GelĂ€ndegewinne der Ukrainer hinnehmen mĂŒssen. Auch seien ihre VorstĂ¶ĂŸe an der mehr als tausend Kilometer langen Front langsamer geworden. Historisch betrachtet sei die Kampfbilanz der Russen im Ukraine-Krieg verglichen mit der anderer militĂ€rischer GroßmĂ€chte nach dem Zweiten Weltkrieg ziemlich miserabel.

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