Bundestag beschlieĂt verschĂ€rfte EU-Asylregeln
27.02.2026 - 11:26:43 | dpa.deDafĂŒr stimmten CDU/CSU und SPD, dagegen AfD, GrĂŒne und Linke. Zum GroĂteil setzt die schwarz-rote Koalition damit eine auf EU-Ebene bereits 2024 beschlossene Reform in deutsches Recht um.
ZustÀndigkeitsverfahren in Europa werden beschleunigt
Kernpunkte der Reform sind die Verpflichtung zur IdentitĂ€tskontrolle bei Ankommenden sowie Asylverfahren an den EU-AuĂengrenzen fĂŒr Asylbewerber aus Herkunftsstaaten mit niedriger Anerkennungsquote. Deutschland als Staat mitten in Europa ist davon lediglich mit Blick auf internationale FlughĂ€fen und SeehĂ€fen betroffen. Bei Ablehnung sollen die Asylbewerber gegebenenfalls direkt von dort abgeschoben werden.
Verfahren fĂŒr Schutzsuchende, die bereits in einem anderen Mitgliedstaat einen Asylantrag gestellt haben, sollen kĂŒrzer werden. Ăberstellungen in den fĂŒr das jeweilige Verfahren zustĂ€ndigen Staat sollen lĂ€nger möglich sein, beispielsweise wenn jemand zwischenzeitlich untertaucht. Die LĂ€nder können sogenannte SekundĂ€rmigrationszentren mit Aufenthaltspflicht einrichten, in denen Menschen untergebracht werden, die Deutschland verlassen sollen, weil ein anderes EU-Land zustĂ€ndig wĂ€re.
Manche sollen frĂŒher arbeiten dĂŒrfen
Daneben sollen Asylbewerber, die in Aufnahmeeinrichtungen leben, bereits nach drei Monaten in Deutschland arbeiten. Aktuell gibt es faktisch ein sechsmonatiges Arbeitsverbot fĂŒr Asylbewerberinnen und -bewerber, wenn sie in einer Aufnahmeeinrichtung wohnen mĂŒssen. Wer nicht mehr dort wohnt, darf jetzt schon nach drei Monaten arbeiten. Ausnahmen fĂŒr die Bewohner von Erstaufnahmeeinrichtungen kann die Bundesagentur fĂŒr Arbeit in bestimmten FĂ€llen genehmigen.
Die AfD kritisierte die VerschÀrfungen als unzureichend. "Was Sie hier vorlegen, ist eine Mogelpackung", erklÀrte der Abgeordnete Maximilian Krah.
Der GrĂŒne Lukas Benner sprach hingegen von der "gröĂten AsylrechtsverschĂ€rfung seit 1993". EuropĂ€ische Regeln mĂŒssten zwar umgesetzt werden, die Koalition habe ihren Ermessensspielraum dabei aber mit ĂŒbermĂ€Ăiger HĂ€rte genutzt. Unter anderem mit Blick auf BewegungseinschrĂ€nkungen fĂŒr Asylbewerber sagte er, das sei "falsch und verfassungsrechtlich höchst problematisch".
Kritik von GrĂŒnen und Linken
Clara BĂŒnger von der Linksfraktion erklĂ€rte, die Reform bringe "mehr Chaos, Leid, Rechtlosigkeit" statt wie von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) versprochen mehr Ordnung. Die europĂ€ische Migrationspolitik sei ĂŒber Jahre dysfunktional gewesen, sagte Dobrindt, der die Reform als wichtigen Fortschritt lobte.
Der SPD-Politiker Sebastian Fiedler versprach: "Schutz erhĂ€lt, wer schutzbedĂŒrftig ist." Er wies VorwĂŒrfe von Linken und GrĂŒnen zurĂŒck, Kinder könnten in Haft genommen werden: Es gehe um eine seltene Ausnahmeregelung fĂŒr Kinder, deren Eltern in Haft genommen wĂŒrden.
Die Zahl der Menschen, die in Deutschland erstmalig Asyl beantragen, sinkt seit Herbst 2023. Wurden 2024 noch knapp 230.000 AsylerstantrÀge gestellt, so sank diese Zahl im vergangenen Jahr auf rund 113.000 ErstantrÀge. Fachleute gehen davon aus, dass neben den Binnengrenzkontrollen auch der Machtwechsel in Syrien im Dezember 2024 hier eine Rolle spielt.
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