Studie: So kommt das Elektroauto im Mehrfamilienhaus an
20.11.2025 - 06:16:04Entsteht dort gute Ladeinfrastruktur, kann das zum Hebel werden, um den Hochlauf zu beschleunigen, heiĂt es in einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Institut fĂŒr System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag des Bundesforschungsministeriums. Doch der Weg dorthin ist nicht leicht. Ein Ăberblick.
Warum sind MehrfamilienhÀuser wichtig?
Aktuell werden rund 80 Prozent der Elektroautos zu Hause geladen, heiĂt es vom ISI. Das passiert vor allem in EinfamilienhĂ€usern, wo das Anbringen einer Lademöglichkeit in der Regel verhĂ€ltnismĂ€Ăig einfach ist. Doch sehr viel mehr Wohnungen - meist zur Miete - finden sich in MehrparteienhĂ€usern. Dort ist also noch sehr viel mehr Potenzial fĂŒr kĂŒnftige Elektroautofahrer - allerdings sind die Bedingungen fĂŒr Ladeinfrastruktur dort auch "herausfordernder". Und dass es eine (private) Ladeinfrastruktur gibt, ist fĂŒr viele Menschen eine Voraussetzung dafĂŒr, sich ein Elektroauto anzuschaffen.
Wie ist die rechtliche Situation?
Die rechtlichen Rahmenbedingungen haben sich laut ISI vereinfacht: So sei ab 2026 in allen BundeslĂ€ndern keine Baugenehmigung mehr nötig, um Ladepunkte einzurichten. Zudem profitierten private Ladepunkte von aktuellen Erleichterungen bei Netzentgelten und der Stromsteuer fĂŒr bidirektionales Laden. Und bei Neubauten und Renovierungen gebe es Vorgaben zur Vorbereitung fĂŒr Lademöglichkeiten. Dennoch sei die Umsetzung von Ladeinfrastruktur in MehrparteienhĂ€usern "weiterhin komplex", heiĂt es vom Fraunhofer-Institut.
GrundsĂ€tzlich haben sowohl WohnungseigentĂŒmer als auch Mieter einen Anspruch, dass ihnen angemessene Umbauten fĂŒr Ladeinfrastruktur erlaubt werden. Die Kosten - im Fall von Mietern gegebenenfalls auch fĂŒr einen spĂ€teren RĂŒckbau - mĂŒssen sie aber selbst tragen.
Welche Schwierigkeiten sieht die Wohnungswirtschaft?
FĂŒr die Studie interviewten die Forscher auch kommunale Wohnungsunternehmen und Genossenschaften mit jeweils Tausenden Wohnungen. Eine der zentralen Sorgen der Wohnungswirtschaft ist demnach, dass die kĂŒnftige Nachfrage nach Ladepunkten als unsicher wahrgenommen wird. Oft lohne sich der Aufbau wirtschaftlich noch nicht. Zudem gebe es insbesondere in StĂ€dten oft nicht genug StellplĂ€tze fĂŒr alle Autos, sodass es zu Konflikten fĂŒhren könne, wenn reine Elektro-ParkplĂ€tze ausgewiesen wĂŒrden.
Gleichzeitig kann Ladeinfrastruktur nach Ansicht der Autoren einen Standort fĂŒr Mieter auch attraktiv machen. Das ist insbesondere dort relevant, wo das Wohnungsangebot gröĂer als die Nachfrage ist.
Wie stehen die Bewohner zur Ladeinfrastruktur?
Eine Umfrage unter 1.472 Bewohnern von MehrparteienhĂ€usern mit eigenem Auto und hĂ€ufig eigenem Stellplatz bestĂ€tigt die Bedeutung eigener Lademöglichkeiten. So wurde die heimische Wallbox am hĂ€ufigsten als wichtigster Ladepunkt genannt. Dies galt insbesondere fĂŒr EigentĂŒmer. Sie wird von den Befragten auch klar als attraktivste Lademöglichkeit genannt.
Dabei gaben die Befragten durchaus an, bereit zu sein, ein StĂŒck zur nĂ€chsten Lademöglichkeit zu gehen. Gut die HĂ€lfte wĂŒrde dabei mehr als 100 Meter weit gehen, knapp ein Drittel sogar 250 Meter oder weiter.
Eine wichtige Rolle spielt in der Regel auch, wie viel Geld fĂŒr das Tanken ausgegeben werden muss. Fahrer von Verbrennern gaben in der Umfrage im Schnitt 11,64 Euro pro 100 Kilometern an, Fahrer von Elektroautos kamen mit 7,26 Euro billiger davon. Die theoretische Zahlungsbereitschaft im Fall, ein Elektroauto zu besitzen, fĂ€llt allerdings geringer aus. Sie lag in der Umfrage bei 6,84 Euro. Das entspricht dem Fraunhofer-Institut zufolge in etwa dem durchschnittlichen Haushaltsstromtarif.
Die im MĂ€rz und April befragten Personen waren in Bezug auf Geschlecht, Alter, Einkommen und BundeslĂ€nder "nahezu reprĂ€sentativ" fĂŒr Deutschland, Mieter waren allerdings unterreprĂ€sentiert.
Was empfehlen die Autoren der Studie?
Die Autoren mahnen eine verlĂ€ssliche UnterstĂŒtzung des Aufbaus von Ladeinfrastruktur in MehrparteienhĂ€usern an - inklusive finanzieller UnterstĂŒtzung. Dadurch könnten Unsicherheiten abgebaut und die Wirtschaftlichkeit verbessert werden. Zudem mĂŒsse die rechtliche KomplexitĂ€t zĂŒgig weiter reduziert werden.
"Beim Laden fĂŒr Bewohnende von MehrparteienhĂ€usern gibt es keine one-size-fits-all-Lösung", sagt Annegret Stephan, die das Projekt am Fraunhofer ISI geleitet hat. "FĂŒr einen effizienten Ausbau können unterschiedliche Lösungen ausgewĂ€hlt und gegebenenfalls auch kombiniert werden. Neben den lokalen Gegebenheiten sind auch die PrĂ€ferenzen der Bewohnenden entscheidend."

