Studie: Autoimporte aus China ĂŒberholen erstmals EU-Exporte
20.03.2026 - 06:08:22 | dpa.deDie Ausfuhren von Autos und Autoteilen aus der EU nach China sind vergangenes Jahr um 34 Prozent auf 16 Milliarden Euro gesunken, wie aus dem Papier der WirtschaftsprĂŒfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervorgeht.
Seit 2022 hĂ€tten sich die Exporte damit mehr als halbiert. Zugleich stiegen die Importe aus China in dem Bereich um acht Prozent auf 22 Milliarden Euro. Aus einem ExportĂŒberschuss in zweistelliger Milliardenhöhe ist damit innerhalb weniger Jahre ein Defizit geworden.
Auch fĂŒr das Autoland Deutschland zeigt sich diese Entwicklung: China war 2025 nur noch das sechstwichtigste Exportland fĂŒr deutsche Hersteller. Zwar lagen die Exporte noch ĂŒber den Importen. Der Abstand schrumpft aber. Seit dem Rekordjahr 2022 haben sich die Ausfuhren in die Volksrepublik mehr als halbiert - von rund 30 Milliarden auf 13,6 Milliarden. Im selben Zeitraum sind die Kfz-Einfuhren aus China um zwei Drittel auf 7,4 Milliarden Euro gestiegen. "Bei einer Fortschreibung der jeweiligen Kurven könnten sich 2026 Importe und Exporte die Waage halten", heiĂt es in der EY-Analyse.
Experte: Wettbewerb wird sich weiter verschÀrfen
Chinesische Autobauer haben nach Angaben von EY-Experte Constantin Gall zurzeit einen schweren Stand in Deutschland. Volkswagen DE0007664039, Mercedes-Benz DE0007100000, BMW DE0005190003 und deren Marken hÀtten ihre Marktanteile bislang erfolgreich gegen sie verteidigt. Auf anderen europÀischen MÀrkten hingegen verzeichneten die Chinesen inzwischen bemerkenswerte Erfolge "2026 werden wir eine weitere Intensivierung des Wettbewerbs sehen - der Druck auf den Autostandort Deutschland wird daher weiter steigen", teilte Gall mit.
Zur Einordnung wichtig ist: Zu den Kfz-Teilen gehören EY zufolge auch E-Auto-Batterien. Diesen Markt dominieren Anbieter aus China. AuĂerdem haben deutsche Autohersteller und Zulieferer auch Werke in der Volksrepublik. Sie produzieren dort fĂŒr den lokalen Markt, exportieren aber auch Fahrzeuge und Teile nach Europa. Das gilt beispielsweise fĂŒr Modelle der BMW-Tochter Mini oder den SUV Cupra Tavascan aus dem Volkswagen-Konzern. Auch Mercedes-Benz baut Fahrzeuge der Marke Smart zusammen mit seinem GroĂaktionĂ€r Geely vollstĂ€ndig im chinesischen Xi'an - und exportiert sie dann.
Zehntausende Jobs sind gestrichen worden
Die Krise in der Branche und die zunehmende Konkurrenz hatte sich bereits im vergangenen Jahr auf die GeschĂ€fte ausgewirkt. Der Umsatz der deutschen Automobilindustrie sank demnach 2025 um 1,6 Prozent auf fast 528 Milliarden Euro. Hersteller und Zulieferer meldeten teils gehörige GewinneinbrĂŒche. FĂŒr die Studie ausgewertet wurden nach EY-Angaben Daten des Statistischen Bundesamts, der Agentur fĂŒr Arbeit und der EU-Statistikbehörde Eurostat.
Die BeschĂ€ftigung ging ebenfalls deutlich zurĂŒck: Die Zahl der Jobs schrumpfte um 6,2 Prozent oder knapp 50.000 auf rund 725.000 - der niedrigste Stand seit 14 Jahren. In der Autoindustrie gibt es eine Reihe von Jobabbauprogrammen, die noch ĂŒber eine lĂ€ngere Zeit laufen. Stellen abgebaut werden unter anderem bei Mercedes-Benz, im Volkswagen-Konzern und den dazugehörigen Marken sowie bei Zulieferern wie Bosch, Aumovio DE000AUM0V10, ZF Friedrichshafen und Mahle.
Zulieferer besonders stark unter Druck
Gerade die Zulieferindustrie gerÀt im Vergleich zu den Herstellern zunehmend in BedrÀngnis. Der Umsatz sank 2025 um vier Prozent, die BeschÀftigung sogar um gut ein Zehntel. Seit 2019 sei damit fast jede vierte Stelle in diesem Bereich weggefallen - insgesamt rund 73.000 Jobs. Gall sieht einen beschleunigten Strukturwandel. Der AbwÀrtstrend habe sich zuletzt noch verstÀrkt, erklÀrte er.
Die Ursachen fĂŒr die angespannte Lage sind EY zufolge vielfĂ€ltig. Neben dem wachsenden Wettbewerbsdruck aus China und schwĂ€chelnden ExportmĂ€rkten belasten vor allem die schwache Konjunktur, geopolitische Krisen und hohe Neuwagenpreise die Nachfrage. Gleichzeitig sorgt der nur langsame Anstieg beim Verkauf von E-Autos fĂŒr weitere Probleme: Viele Unternehmen hĂ€tten hohe Investitionen getĂ€tigt, ohne dass sich die erwarteten Absatzzahlen eingestellt hĂ€tten. Hinzu kĂ€men Nachteile des Standorts Deutschland - wie hohe Kosten und BĂŒrokratie.
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