Studie: Zahl der Bauernhöfe wird sich bis 2040 mehr als halbieren
12.01.2024 - 14:13:02Kleine Bauernhöfe mĂŒssten unter Kostendruck immer mehr groĂen industriellen Betrieben weichen, heiĂt es in einer am Freitag in Frankfurt veröffentlichten Studie. "Zunehmende Anforderungen durch Umweltschutz, Tierwohl und Betriebswirtschaft belasten die Bauernhöfe immer stĂ€rker. Hinzu kommt der FachkrĂ€ftemangel sowie die oftmals nicht gelöste Nachfolgeregelung bei Familienbetrieben."
Die Zahl von rund 256 000 Höfen im Jahr 2022 werde auf etwa 100 000 Betriebe 2040 sinken, schĂ€tzt DZ-Bank-Branchenexperte Claus Niegsch. Bei etwa gleichbleibender landwirtschaftlicher FlĂ€che dĂŒrfte sich die DurchschnittsgröĂe eines Betriebs so von 64,8 Hektar auf 160 Hektar im Jahr 2040 mehr als verdoppeln. Langfristig wĂŒrden immer mehr groĂe, kapitalintensive Betriebe mit moderner Technik die Branche prĂ€gen. "Der bĂ€uerliche Familienbetrieb steht zunehmend vor dem Aus."
Der Umbau der Agrarbetriebe zu effizienten, digitalisierten Unternehmen, die zudem wachsende Umweltschutz- und Tierschutz-Anforderungen erfĂŒllen, werde hohe Investitionen erfordern - was den Druck zu mehr GröĂe noch verstĂ€rke. Nischen gebe es aber, so die Studie. "Vor allem die Ăko-Landwirtschaft und andere Spezialisierungen, aber auch die Genossenschaftsidee bieten Chancen."
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg noch 1,8 Millionen Bauernhöfe
Das Höfesterben in Deutschland dauert seit Jahrzehnten an. So gab es 1949 laut DZ Bank noch 1,8 Millionen Landwirtschaftsbetriebe, also rund sieben Mal so viele wie 2022, wĂ€hrend die BetriebsflĂ€che damals mit 7,4 Hektar nur einem Bruchteil der zuletzt ĂŒblichen entsprach.
Zudem seien die Abgabepreise der Landwirte langfristig langsamer gestiegen als die allgemeinen Verbraucherpreise, so die DZ Bank. "Die Landwirte können aktuell zwar immerhin knapp 50 Prozent mehr fĂŒr ihre Produkte verlangen als vor ĂŒber 30 Jahren. Die Verbraucherpreise haben sich seit 1991 aber fast verdoppelt."
Die aktuellen Bauernproteste gegen geplante KĂŒrzungen beim Agrardiesel lenkten den Blick auf den Agrarsektor, der eine relativ geringe volkswirtschaftliche Bedeutung habe, aber wichtig sei fĂŒr die heimische Versorgung mit Nahrungsmitteln. Habe der Anteil der Landwirtschaft an der deutschen Bruttowertschöpfung 1970 noch 3,3 Prozent betragen, waren es 2022 laut DZ Bank nur noch 1,0 Prozent. "Damit fiel der Bedeutungsverlust in der Landwirtschaft intensiver aus als in der Industrie."

