EuGH, Banken

EuGH könnte Banken zu sofortiger Phishing-Erstattung zwingen

19.03.2026 - 00:00:21 | boerse-global.de

Ein Schlussantrag am EuropĂ€ischen Gerichtshof stellt die Haftung bei Phishing in Frage. Parallel meldet die Polizei die Zerschlagung einer hochprofessionellen BetrĂŒgerbande.

EuGH könnte Banken zu sofortiger Phishing-Erstattung zwingen - Foto: ĂŒber boerse-global.de
EuGH könnte Banken zu sofortiger Phishing-Erstattung zwingen - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Die Banken in Europa stehen vor einem Paradigmenwechsel im Umgang mit Phishing-Opfern. Ein aktueller Schlussantrag am EuropĂ€ischen Gerichtshof (EuGH) könnte sie verpflichten, gestohlenes Geld unverzĂŒglich zu erstatten. Parallel meldet die Polizei einen spektakulĂ€ren Ermittlungserfolg.

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Polizei zerschlĂ€gt internationale BetrĂŒgerbande

Ermittler haben eine hochprofessionelle Phishing-Bande ausgehoben. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft vergangene Woche mitteilten, nahmen sie den mutmaßlichen Kopf, einen 36-JĂ€hrigen, in Frankreich fest. Weitere VerdĂ€chtige in Rheinland-Pfalz wurden durchsucht.

Die TĂ€ter hatten mit gefĂ€lschten E-Mails Banking-Daten erbeutet. Anschließend manipulierten sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung der Banken. Das erbeutete Geld – rund eine Million Euro – schleusten sie ĂŒber gefĂ€lschte Kryptokonten ab. Die Ermittler sehen darin ein Beispiel fĂŒr die zunehmende Professionalisierung der CyberkriminalitĂ€t.

VerbraucherschĂŒtzer warnen vor neuen Maschen

Trotz des Fahndungserfolgs bleibt die Gefahr akut. Die Verbraucherzentrale NRW warnte erst am Dienstag vor neuen Phishing-Wellen. Kriminelle geben sich derzeit als Zahlungsdienstleister wie PayPal oder Banken aus.

In den gefĂ€lschten Nachrichten behaupten sie, Konten mĂŒssten aufgrund von EU-Richtlinien ĂŒberprĂŒft werden. Klicken Opfer auf die Links und geben Daten ein, leeren die TĂ€ter die Konten in Sekundenschnelle. Allein im letzten Jahr meldeten Nutzer ĂŒber 382.000 verdĂ€chtige E-Mails.

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EuGH-Gutachten: Banken in der Pflicht

Die juristische Wende zeichnet sich am EuropĂ€ischen Gerichtshof ab. Generalanwalt Athanasios Rantos legte kĂŒrzlich seinen Schlussantrag im Fall C-70/25 vor. Sein Kernargument: Banken mĂŒssen nicht autorisierte Zahlungen sofort erstatten.

Erst danach dĂŒrfen sie versuchen, das Geld vom Kunden zurĂŒckzufordern – aber nur, wenn sie grobe FahrlĂ€ssigkeit nachweisen können. Bisher lehnten viele Institute Erstattungen pauschal ab, sobald Kunden eine TAN auf einer Phishing-Seite eingegeben hatten. Dieser Automatismus wĂ€re damit gebrochen.

Banken unter Zugzwang

Experten sehen darin einen Wendepunkt. Sollte der EuGH dem Antrag folgen – was in den meisten FĂ€llen geschieht – trĂŒgen die Banken das finanzielle Risiko zunĂ€chst selbst. Das setzt sie unter massiven Handlungsdruck.

Sie mĂŒssten deutlich mehr in prĂ€ventive Sicherheitssysteme investieren, um Betrug von vornherein zu verhindern. Der Fokus verschiebt sich von der Schadensabwehr auf den Kunden hin zu einer technisch robusten Betrugsabwehr. Die Kombination aus schĂ€rferer Strafverfolgung und stĂ€rkeren Verbraucherrechten zwingt die Branche zum Umdenken.

Wettlauf mit der KriminalitÀt

In den kommenden Monaten wird das finale EuGH-Urteil erwartet. IT-Sicherheitsexperten warnen jedoch gleichzeitig vor der nĂ€chsten Bedrohungslage. Kriminelle setzen zunehmend KĂŒnstliche Intelligenz ein, um tĂ€uschend echte Phishing-Seiten und personalisierte Nachrichten zu erstellen.

Der Kampf gegen das Online-Banking-Phishing bleibt ein Wettlauf. Auf der einen Seite stehen die Sicherheitssysteme der Banken und die Ermittler. Auf der anderen Seite stehen die stÀndig neuen Methoden international organisierter Banden.

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