Bundesrat stoppt Sparpaket fĂŒr stabile KrankenkassenbeitrĂ€ge
21.11.2025 - 15:26:56Der Bundesrat schickte ein vom Bundestag beschlossenes Sparpaket in den Vermittlungsausschuss und hĂ€lt die Umsetzung damit zunĂ€chst auf. Die LĂ€nder lehnen darin vorgesehene Ausgabenbremsen fĂŒr die Kliniken ab, mit denen Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) den Druck fĂŒr erneute Anhebungen der ZusatzbeitrĂ€ge zum 1. Januar 2026 auflösen will.
Der Widerstand der LĂ€nder richtet sich gegen Einsparungen von 1,8 Milliarden Euro bei den KrankenhĂ€usern, die den GroĂteil des Sparpakets von insgesamt zwei Milliarden Euro ausmachen sollen. Dazu soll der Anstieg der Klinik-VergĂŒtungen 2026 auf die tatsĂ€chlichen Kostensteigerungen begrenzt werden.
Ministerin: Schlechtes Signal
Warken sagte, die Anrufung des Vermittlungsausschusses sei ein schlechtes Signal fĂŒr den Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Entscheidung werfe einen Schatten auf das gemeinsame Ziel, die gesetzliche Krankenversicherung und die Pflegeversicherung insgesamt auf ein stabiles Fundament zu setzen, um Beitragserhöhungen zu vermeiden. Die Herausforderungen im nĂ€chsten Jahr könnten nur durch eine gemeinsame Kraftanstrengung gelingen. "Immer höhere BeitrĂ€ge oder SteuerzuschĂŒsse können dafĂŒr keine Lösung sein."
In der LĂ€nderkammer wurde parteiĂŒbergreifende Ablehnung deutlich. Baden-WĂŒrttembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (GrĂŒne) monierte, dass Einsparungen einseitig zulasten der KrankenhĂ€user gingen. Hessens Ministerin Diana Stolz (CDU) warnte, die Absenkung fĂŒr 2026 werde zur neuen Basis fĂŒr die Folgejahre. Dies fĂŒhre zu einer dauerhaften finanziellen SchwĂ€chung. Der niedersĂ€chsische Ressortchef Andreas Philippi (SPD) kritisierte, den Kliniken werde ein kĂŒrzlich beschlossener Inflationsausgleich teils wieder genommen.
Zitterpartie bei Abstimmung
Die Abstimmung darĂŒber, ob der Vermittlungsausschuss angerufen oder das Gesetz gebilligt werden soll, wurde nach der Aussprache auf das Ende der Sitzung verschoben. Grund war, dass die Bundesregierung mit Blick auf die EinwĂ€nde der LĂ€nder noch eine ErklĂ€rung erarbeiten wollte, die wĂ€hrend der laufenden Sitzung in der LĂ€nderkammer zu Protokoll gegeben werden sollte.
Der Parlamentarische StaatssekretĂ€r im Bundesgesundheitsministerium, Georg Kippels (CDU), appellierte an die LĂ€nder, auf den Vermittlungsausschuss zu verzichten. Die Krankenkassen brĂ€uchten ein klares Signal, sich beim Festsetzen der ZusatzbeitrĂ€ge auf die geplanten MaĂnahmen verlassen zu können. Auch Warken hatte vorab gewarnt, sollten die Regelungen infrage gestellt werden, wĂŒrden die Kassen die entlastende Wirkung in den bis Mitte Dezember abzuschlieĂenden Haushaltsplanungen nicht mehr berĂŒcksichtigen.
Der GrĂŒnen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sprach von einem "offenen Misstrauensvotum" gegen die Ministerin, deren Beitragssicherungsversprechen endgĂŒltig kollabiert sei. Der Vermittlungsausschuss bedeute jetzt zusĂ€tzliche Unsicherheit: "Haushalte mĂŒssen doppelt geplant, VertrĂ€ge angehalten und Neuverhandlungen vorbereitet werden - weil die Ministerin ein Paket vorgelegt hat, das schon vor der Umsetzung implodiert", sagte Dahmen der dpa.
Kassen mĂŒssen ZusatzbeitrĂ€ge bald festlegen
Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte bereits in Aussicht gestellt, dass die BeitrĂ€ge zur Krankenversicherung zum 1. Januar 2026 nicht steigen. Krankenkassen und Opposition warnten aber schon vor der Entscheidung im Bundesrat vor absehbaren Anhebungen der ZusatzbeitrĂ€ge 2026, da viele Kassen Reserven auf vorgeschriebene Mindestwerte auffĂŒllen mĂŒssen.
Direkt stabile BeitrĂ€ge festlegen kann die Politik nicht. Ăber die ZusatzbeitrĂ€ge fĂŒr 2026 fĂŒr ihre Versicherten entscheiden die Kassen je nach ihrer Finanzlage in den nĂ€chsten Wochen selbst. Im Schnitt liegt das Niveau derzeit bei 2,9 Prozent. Der gesamte Beitrag, den sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen, umfasst daneben den allgemeinen Satz von einheitlich 14,6 Prozent. Bei Anhebungen des Zusatzbeitrags haben Mitglieder ein SonderkĂŒndigungsrecht. Erst Anfang 2025 hatte es eine Welle krĂ€ftiger Erhöhungen gegeben.

