Nearshoring, Studie

Nearshoring: Studie entlarvt FachkrĂ€ftemangel-Falle fĂŒr deutsche Industrie

02.03.2026 - 18:10:34 | boerse-global.de

Eine Studie zeigt, dass Produktionsverlagerungen nach Osteuropa oft nicht die erhofften Kostenvorteile und mehr Personal bringen, sondern verschÀrften FachkrÀftemangel. Die Lösung liegt in Qualifizierung am Heimatstandort.

Nearshoring: Studie entlarvt FachkrĂ€ftemangel-Falle fĂŒr deutsche Industrie - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Nearshoring: Studie entlarvt FachkrĂ€ftemangel-Falle fĂŒr deutsche Industrie - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Deutsche Unternehmen finden in Osteuropa oft weniger FachkrÀfte und höhere Kosten als erhofft. Eine neue Studie zwingt zum Strategiewechsel.

MĂŒnchen – Die vermeintliche Rettung entpuppt sich als Sackgasse: Viele deutsche Industrieunternehmen, die ihre Produktion nach Mittel- und Osteuropa verlagern, verschĂ€rfen damit ihr Personalproblem, anstatt es zu lösen. Das ist das ernĂŒchternde Ergebnis einer aktuellen Analyse der Unternehmensberatung Strategy&. Statt auf Entlastung stoßen die Firmen dort auf einen noch grĂ¶ĂŸeren FachkrĂ€ftemangel und schwindende Kostenvorteile.

Die Hoffnung auf niedrigere Löhne und mehr verfĂŒgbare ArbeitskrĂ€fte wird laut der Studie hĂ€ufig enttĂ€uscht. Ein zentraler Befund: Der Mangel an qualifiziertem Personal ist in der Region im Schnitt 16 Prozent grĂ¶ĂŸer als in Deutschland. Unternehmen, die dem heimischen Engpass entfliehen wollen, landen in einem noch hĂ€rteren Wettbewerb um Talente.

Anzeige

Der Wettbewerb um Talente verschĂ€rft sich auch hierzulande — umso wichtiger ist es, FĂŒhrungskrĂ€fte fĂŒr eine moderne Arbeitswelt zu rĂŒsten. Dieser kostenlose Praxisleitfaden zeigt, wie Sie Motivation und Leistungsoptimierung im Team nachhaltig steigern. Erfolgreiche Methoden zur Mitarbeiterentwicklung jetzt gratis herunterladen

Die Illusion vom gĂŒnstigen Nachbarn

Die Rechnung „Verlagerung gleich Kostensenkung“ geht immer seltener auf. Die Arbeitskosten in Mittel- und Osteuropa sind in den vergangenen Jahren dreieinhalbmal so schnell gestiegen wie die ProduktivitĂ€t. Gleichzeitig haben sich die Energiepreise dort innerhalb von fĂŒnf Jahren fast verdreifacht – ein Hauptgrund fĂŒr die Abwanderung aus Deutschland wird damit hinfĂ€llig.

„Firmenchefs können sich nicht mehr allein auf den Standort als Wettbewerbsvorteil verlassen“, fasst Studienautor Michael Weiß zusammen. Im globalen Wettbewerb seien asiatische LĂ€nder aufgrund niedrigerer Energiekosten und höherer Automatisierung oft die schĂ€rferen Konkurrenten.

Deutschland: Leichte Entspannung, aber kein Grund zur Freude

WĂ€hrend das Nearshoring an AttraktivitĂ€t verliert, bleibt die Lage auf dem heimischen Arbeitsmarkt angespannt. Zwar meldeten zuletzt nur noch 16,6 Prozent der Industrieunternehmen einen FachkrĂ€ftemangel – der niedrigste Wert seit fĂŒnf Jahren. Diese Entspannung ist jedoch trĂŒgerisch und vor allem der schwachen Konjunktur geschuldet.

Der DIHK-FachkrÀftereport warnt vor den strukturellen Folgen des demografischen Wandels. Besonders dramatisch ist die Situation bei FachkrÀften mit dualer Berufsausbildung; 57 Prozent der betroffenen Unternehmen finden hier keine geeigneten Bewerber. Das Ausscheiden der Babyboomer-Generation wird den Druck in den kommenden Jahren massiv erhöhen.

Die Lösung liegt daheim: Investition in die Belegschaft

Angesichts dieser Erkenntnisse rĂŒckt die Qualifizierung der bestehenden Mitarbeiter in den Fokus. Die Bundesregierung hat mit dem „Gesetz zur StĂ€rkung der Aus- und Weiterbildungsförderung“ wichtige Weichen gestellt. Ein Kerninstrument ist das Qualifizierungsgeld. Es ersetzt 60 bis 67 Prozent des Nettoeinkommens fĂŒr BeschĂ€ftigte, die sich in vom Strukturwandel betroffenen Branchen weiterbilden.

Ziel ist es, Arbeitslosigkeit prĂ€ventiv zu verhindern und die Belegschaft fĂŒr digitale und ökologische Herausforderungen zu rĂŒsten. Das Gesetz senkt bĂŒrokratische HĂŒrden und erleichtert Unternehmen die Investition in ihre Mitarbeiter.

Anzeige

Um im Strukturwandel wettbewerbsfĂ€hig zu bleiben, mĂŒssen Unternehmen ihre besten Talente gezielt fördern und binden. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Guide, wie moderne FĂŒhrungskrĂ€fte Demotivatoren erkennen und echte Leistungsanreize schaffen. Kostenlosen Praxisleitfaden zur Mitarbeiterentwicklung sichern

Paradigmenwechsel in den Chefetagen

Die Studie deutet auf einen grundlegenden Strategiewechsel hin. Die einfache Logik der Kosten verlagerung ist gescheitert. Stattdessen wird die strategische Personalentwicklung am Heimatstandort zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Es geht nicht mehr um kurzfristige Einsparungen, sondern um langfristige Investitionen in Humankapital und ProduktivitÀt.

UnterstĂŒtzung bieten staatliche Programme wie das bis 2027 verlĂ€ngerte „Regionalprogramm FachkrĂ€ftesicherung“ in Baden-WĂŒrttemberg. Die Zukunft der deutschen Industrie hĂ€ngt maßgeblich davon ab, ob die „Weiterbildungsrepublik“ Wirklichkeit wird. Der Weg dorthin fĂŒhrt nicht ĂŒber die Verlagerung von Standorten, sondern ĂŒber die Qualifizierung der Menschen vor Ort.

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis   Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
boerse | 68628321 |