Studie: Ostdeutschland oft Thema in der 'Tagesschau'
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 11:06 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDies geht aus einer quantitativen Inhaltsanalyse von Medienwissenschaftlern der UniversitÀt Leipzig zu 1.000 aufeinanderfolgenden Ausgaben der "Tagesschau" um 20.00 Uhr hervor.
Demnach wurden die zehn westdeutschen LĂ€nder zwar in absoluten Zahlen in der ARD-Nachrichtensendung doppelt so oft genannt wie die fĂŒnf ostdeutschen ohne Berlin. Bezogen auf die Bevölkerungszahl sah es jedoch anders aus: Auf eine Million Ostdeutsche kamen 37 Nennungen, im Vergleich zu 15 pro eine Million Westdeutsche. "Sachsen wird um ein Vielfaches hĂ€ufiger namentlich erwĂ€hnt als das nach Bevölkerungszahl vergleichbare Rheinland-Pfalz", schreiben die Forscher.
Wahlen öfter Thema
In 24 Prozent der Sendungsabschnitte mit Bezug auf Ostdeutschland ging es um ein Thema im Zusammenhang mit rechter Ideologie, wie es in der Auswertung im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Leipziger Unternehmens Hoferichter & Jacobs heiĂt. Bei westdeutschen LĂ€ndern war das nur in 5 Prozent der Abschnitte Thema.
Insgesamt entfiel der Studie zufolge ein Viertel der Berichterstattung ĂŒber Ostdeutschland auf die Themen Wahlen und Wahlkampf. In die Zeit der ausgewerteten Sendungen zwischen dem 1. Januar 2023 und dem 27. September 2025 fielen Wahltermine in ThĂŒringen, Sachsen und Brandenburg. Doch gab es in der Zeit auch vier Landtags- und BĂŒrgerschaftswahlen im Westen. Dort machte der Anteil von Berichten ĂŒber Wahlen und Wahlkampf laut Studie nur 13 Prozent aus.
Der Westen als Normalfall
DafĂŒr ging es in 19 Prozent der Berichte ĂŒber westliche BundeslĂ€nder um Wirtschaft, Infrastruktur oder Arbeitsmarkt - im Vergleich zu 9 Prozent bei den ostdeutschen LĂ€ndern. In der Berichterstattung wurde auch viel hĂ€ufiger "ostdeutsch" erwĂ€hnt. Die Forscher zĂ€hlten 152 Nennungen - mehr als fĂŒr westdeutsch, norddeutsch und sĂŒddeutsch zusammen. Der "Westen" sei der Normalfall, der Osten die "markierte Kategorie", halten die Forscher fest.
Die Analyse bezieht sich auf die Transkripte der Sendungen. Die Medienwissenschaftler durchsuchten sie und ordneten einzelne Fundstellen "Sinnabschnitten" zu, in denen die gesuchten Begriffe teils auch mehrfach vorkamen. Die Abschnitte wurden dann nach Themenfeldern sortiert. Sport, Wetter, Katastrophen und UnglĂŒcke wurden gesondert betrachtet, weil die regionale Zuordnung zufĂ€llig ist.
Die Redaktion der Tagesschau erklĂ€rte auf Anfrage: "Die Themenauswahl orientiert sich an journalistischer Relevanz - also daran, welche Themen fĂŒr die Menschen und die öffentliche Debatte relevant sind, nicht an geografischen Himmelsrichtungen." Vor allem ĂŒber die Landtagswahlen im betrachteten Zeitraum habe man in der Tagesschau jeweils umfassend berichtet.
