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Studie zeigt: Deutsche Konzerne kämpfen mit Nachhaltigkeits-Reporting

21.03.2026 - 00:00:36 | boerse-global.de

Eine Analyse von DRSC und Deloitte zeigt erhebliche Umsetzungsdefizite bei den neuen EU-Nachhaltigkeitsberichtsstandards für das Geschäftsjahr 2025.

Studie zeigt: Deutsche Konzerne kämpfen mit Nachhaltigkeits-Reporting - Foto: über boerse-global.de
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Die Nachhaltigkeitsberichte deutscher Börsenunternehmen für 2025 offenbaren erhebliche Umsetzungslücken bei den neuen EU-Standards. Das zeigt eine aktuelle Zwischenauswertung des Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) und der Beratungsgesellschaft Deloitte. Die Analyse von 69 Berichten dient als wichtiger Gradmesser in einer Phase regulatorischer Unsicherheit.

Benchmark für den europäischen Markt

Die gemeinsame Studie untersucht die Berichte von Unternehmen aus DAX, MDAX und SDAX für das Geschäftsjahr 2025. Sie liefert damit einen zentralen Benchmark, während sich die Firmen im komplexen Umfeld der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und der europäischen Berichtsstandards (ESRS) orientieren müssen. Die Zwischenergebnisse sind hochrelevant für Finanzvorstände und Nachhaltigkeitsverantwortliche, die anhand der Daten Branchenstandards abgleichen und ihre eigene Berichterstattung justieren.

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Die aktuelle Auswertung, verfügbar auf den Plattformen von DRSC und Deloitte, basiert auf bis zum 13. März 2026 verfügbaren Berichten. Die Stichprobe hat sich damit mehr als verdoppelt. Das leicht angepasste Studiendesign erlaubt es, die Entwicklung der Berichtsqualität im Jahresvergleich zu verfolgen.

Gesetzliche Grauzone als Herausforderung

Die Veröffentlichung fällt in eine Phase anhaltender rechtlicher Unklarheiten. Die Umsetzung der CSRD in deutsches Recht, konkret in das Handelsgesetzbuch (HGB), hat sich massiv verzögert. Dies lässt die Unternehmen in einer Übergangsphase mit unklaren nationalen Pflichten zurück.

Als Reaktion darauf hat der DRSC am 18. März 2026 eine wichtige Übergangsregelung verlängert: Die Anwendungshinweise zum Deutschen Rechnungslegungsstandard 20 (DRS 20) gelten nun ein weiteres Jahr. Diese Verlängerung war nötig, weil der Gesetzgebungsprozess nicht wie geplant 2025 abgeschlossen wurde. Für die Praxis bedeutet das: Unternehmen orientieren sich mangels fertiger Gesetze stärker an den Marktgepflogenheiten, die Studien wie diese aufzeigen.

Wo die größten Hürden liegen

Die Analyse beleuchtet die drängendsten Herausforderungen im modernen Unternehmensreporting. Ein Schwerpunkt liegt auf der strukturellen Einbindung der Nachhaltigkeitsdaten. Werden diese direkt im Lagebericht integriert oder lediglich auf externe Dokumente verwiesen?

Ein weiterer kritischer Punkt ist die externe Prüfung (Assurance). Die neuen Rahmenwerke verlangen zunehmend unabhängige Audits der ESG-Daten. Die Studie beobachtet, wie verbreitet eingeschränkte Prüfungen (limited assurance) im Vergleich zu umfassenderen Prüfungen (reasonable assurance) sind. Dies gibt Aufschluss darüber, wie der Prüfungsmarkt auf die ESG-Nachfrage reagiert.

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Besonderes Augenmerk liegt zudem auf komplexen Berichtselementen wie Klima-Transformationsplänen, Angaben zur Kreislaufwirtschaft oder der Berechnung des Gender Pay Gaps.

Deutsche Trends spiegeln europäisches Bild wider

Die deutschen Befunde spiegeln einen EU-weiten Trend wider. Breitere Deloitte-Analysen in Mittel- und Osteuropa zeigen: Während die meisten großen Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsberichte einreichen, bleibt die tiefe Integration der Kennzahlen in die Finanzberichterstattung eine große Hürde. So offenbarten kürzliche Erhebungen, dass weniger als die Hälfte der befragten Unternehmen quantitative Angaben zu ESG-bezogenen Investitionsausgaben (CapEx) machte. Bei den Betriebsausgaben war die Offenlegungsquote noch geringer.

Zur Entlastung kleinerer Unternehmen hat das EU-Parlament kürzlich das „Omnibus“-Vereinfachungspaket verabschiedet. Es passt die finanziellen Schwellenwerte für große Unternehmen an und nimmt Tausende kleinere Firmen aus dem direkten Anwendungsbereich von CSRD und der Lieferkettensorgfaltspflichten-Richtlinie (CSDDD). Für DAX-Konzerne und Co. geht es jedoch längst nicht mehr nur um Compliance. Die Herausforderung besteht darin, Nachhaltigkeitsdaten als strategisches Werkzeug für Risikomanagement und langfristige Wertschöpfung zu nutzen.

Ausblick auf die finale Studie

Die Landschaft des Nachhaltigkeits-Reportings wird sich weiter entwickeln, wenn mehr Daten vorliegen. DRSC und Deloitte werden ihre Zwischenstudie im Frühjahr 2026 fortlaufend aktualisieren, sobald weitere kapitalmarktorientierte Unternehmen ihre Jahresberichte veröffentlichen.

Den vorläufigen Höhepunkt bildet der finale Gesamtbericht für das Geschäftsjahr 2025, der später im Jahr erwartet wird. Marktbeobachter rechnen damit, dass dieses Dokument zu einem maßgeblichen Leitfaden für Best Practices wird. Es wird erfolgreiche Strategien für Datenerhebung, Wesentlichkeitsanalysen und Prüfungsvorbereitung aufzeigen. Die Erkenntnisse dieser Studie werden den künftigen Standard für Unternehmens-Transparenz in Deutschland und der EU maßgeblich prägen.

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