Deutsche Wirtschaft wĂ€chst - aber gröĂere Haushaltslöcher
25.02.2026 - 09:52:26 | dpa.de(Neu: weitere Details)
WIESBADEN (dpa-AFX) - Dank des besten Quartals seit drei Jahren geht die deutsche Wirtschaft mit RĂŒckenwind ins Jahr 2026. Im vierten Quartal 2025 legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal um 0,3 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt bestĂ€tigte. Allerdings waren die Löcher im Staatshaushalt im vergangenen Jahr deutlich gröĂer als zunĂ€chst angenommen.
Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung betrug das Defizit von Bund, LĂ€ndern, Gemeinden und Sozialversicherung wie ein Jahr zuvor 2,7 Prozent. Auf vorlĂ€ufiger Basis hatte die Wiesbadener Behörde das Minus fĂŒr 2025 noch auf 2,4 Prozent beziffert. Deutschland hielt dennoch die europĂ€ische Verschuldungsregel ein, die ein Haushaltsdefizit von höchstens drei Prozent erlauben.
Noch gröĂere Haushaltslöcher erwartet
Die Bundesbank rechnet damit, dass sich die Defizitquote bis 2027 auf viereinhalb Prozent erhöhen wird, weil der Staat schuldenfinanziert gewaltige Milliardensummen in StraĂen, Schienen und Verteidigung stecken will.
"VorĂŒbergehend höhere Defizite sind nachvollziehbar, um die Herausforderungen bei Verteidigung und Infrastruktur schnell zu bewĂ€ltigen", schreibt die Bundesbank in ihrem jĂŒngsten Monatsbericht. Wichtig sei jedoch, die zusĂ€tzlichen Milliarden zielgenau einzusetzen. AuĂerdem brauche es "eine verlĂ€ssliche Perspektive, wie die hohen Defizite wieder zurĂŒckgefĂŒhrt werden", appelliert die Notenbank an die Bundesregierung.
Die Bundesbank warnt: "Ohne ein Gegensteuern des Bundes zur Einhaltung der Schuldenbremse wĂŒrde die Defizitquote 2028 weiter Richtung fĂŒnf Prozent steigen." Ăber die Zukunft der Schuldenbremse, die reformiert werden soll, herrscht innerhalb der Bundesregierung Uneinigkeit. WĂ€hrend die SPD mehr Spielraum fĂŒr Investitionen etwa in Infrastruktur, Kitas und Schulen will, lehnt die Union eine weitere Lockerung der Schuldenbremse ab.
Staatsausgaben wachsen schneller als die Einnahmen
2025 gab der Fiskus 119,1 Milliarden Euro mehr aus, als er einnahm. Damit war das Defizit um rund vier Milliarden Euro höher als ein Jahr zuvor. Zwar stiegen SozialbeitrĂ€ge und Steuereinnahmen deutlich, doch insgesamt wuchsen die Staatsausgaben schneller als die Einnahmen. Auch waren die Zinsausgaben 2025 um gut acht Prozent höher als ein Jahr zuvor, zudem stiegen die Sozialleistungen, vor allem fĂŒr Renten und Pensionen, aber auch fĂŒr Gesundheit.
WĂ€hrend das Finanzierungsdefizit des Bundes im Vergleich zum Vorjahr um fast 19 Milliarden Euro auf 79,6 Milliarden Euro stieg, konnten die LĂ€nder ihr Defizit auf knapp 10 Milliarden Euro mehr als halbieren.
Staatliche Milliarden als Konjunkturtreiber
Die Milliardeninvestitionen, die durch die Lockerung der Schuldenbremse ermöglicht werden, dĂŒrften die Konjunktur beflĂŒgeln: Volkswirte gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft nach einem vergleichsweise schwachen Start ins neue Jahr ab dem FrĂŒhjahr mehr Fahrt aufnehmen wird.
In der Industrie mehren sich nach langer Talfahrt die Zeichen fĂŒr eine Trendwende. Die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen hellte sich zuletzt stĂ€rker auf als gedacht. Was den Export angeht, sind Deutschlands Hersteller wieder zuversichtlicher - trotz der anhaltenden Unsicherheit ĂŒber die Zollpolitik von US-PrĂ€sident Donald Trump.
"Die positiven Meldungen dominierten zuletzt. So legten etwa die AuftragseingĂ€nge krĂ€ftig zu. Und auch wichtige KonjunkturfrĂŒhindikatoren kletterten nach oben", fasst der Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel, zusammen. "Es scheint also so, dass die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr Schwung holt."
Starker Jahresendspurt 2025
Getragen wurde das Wachstum in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres nach Angaben der Statistiker vor allem von steigenden privaten und staatlichen Konsumausgaben. Viele Verbraucher haben dank steigender Löhne mehr Geld in der Tasche. Aber auch die Bauinvestitionen zogen deutlich an. Positiv aus Sicht von Ăkonomen: In AusrĂŒstungen - also Maschinen, GerĂ€te und Fahrzeuge - wurde ebenfalls mehr investiert als im Vorquartal.
"Damit endete das konjunkturell wechselhafte Jahr 2025 mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung", ordnete die PrÀsidentin des Bundesamtes, Ruth Brand, ein. Im Gesamtjahr 2025 schrammte Deutschland mit 0,2 Prozent Plus knapp am dritten Jahr ohne Wirtschaftswachstum in Folge vorbei.
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