Dax startet zurĂŒckhaltend - bange Blicke nach Washington und Teheran
09.01.2026 - 09:31:56"Dem Dax steht am Nachmittag ein doppelter Belastungstest ins Haus: ein mögliches Urteil des Obersten Gerichts zu den reziproken Zöllen von US-PrĂ€sident Trump sowie US-Jobdaten, die eng mit Zinshoffnungen verknĂŒpft sind", sagte Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank. "Die Rekord-Rally im Dax hat aus Respekt vor diesen Ereignissen an Schwung verloren. Nachdem seit Jahresanfang eilig Positionen aufgebaut wurden, wollen Anleger jetzt zunĂ€chst eine klare BestĂ€tigung sehen."
"Die Börsen dĂŒrften dazu tendieren, zu schwache US-Arbeitsmarktdaten auf SpĂ€tfolgen der Haushaltssperre zurĂŒckzufĂŒhren, wĂ€hrend zu starke Daten die Zinshoffnungen dĂ€mpfen wĂŒrden. Der Sweet Spot liegt bei den Stellenschaffungen irgendwo in der Mitte." Die Arbeitsmarktdaten der letzten beiden Tage deuteten auf nichts hin, worĂŒber man sich wirklich Sorgen machen mĂŒsste. Eine Ăberraschung sei bei diesen wichtigen Daten aber nie auszuschlieĂen. Schon die erwartbare kurzfristige VolatilitĂ€t motiviere einige Anleger, zunĂ€chst abzuwarten.
"Heute könnte es zu einem politischen Showdown in Washington kommen. Das Oberste Gericht könnte um 16 Uhr ein Urteil ĂŒber Trumps reziproke Zölle verkĂŒnden. Hunderte Unternehmen warten gebannt darauf, ob sie noch eine Chance haben, bereits gezahlte Zölle auf dem Rechtsweg zurĂŒckzufordern. FĂŒr den Aktienmarkt wĂ€re es kurzfristig ein positives Signal, wenn das Gericht die Zölle kippt. Anleger versprechen sich davon höhere Gewinnspannen der Unternehmen und geringere Belastungen fĂŒr Konsumenten. Mittelfristig dĂŒrfte die Unsicherheit bei den Zöllen jedoch wieder zunehmen, weil die US-Regierung versuchen wĂŒrde, die Zölle auf anderen Wegen erneut zu aktivieren."
"Die EnergiemĂ€rkte blicken sorgenvoll auf die Proteste im Iran und darauf, wie die FĂŒhrung in Teheran damit umgehen wird. Der Iran ist trotz aller Sanktionen ein wichtiger Ălproduzent, und InstabilitĂ€t dort könnte auch die Ălproduktion im Mittleren Osten gefĂ€hrden. Selbst wenn der Iran als Exporteur wegfiele, wĂ€re wegen einer weltweiten Ălschwemme kein unmittelbarer Versorgungsengpass zu erwarten. Die Proteste und ihre möglichen Folgen sind aber zu bedeutend, um am Ălmarkt ignoriert zu werden. Der Anstieg des Ălpreises bremst daher die Rally im Dax", sagte Stanzl.
Die europĂ€ische GemeinschaftswĂ€hrung war am Freitagmorgen etwas schwĂ€cher: Ein Euro kostete 1,1644 US-Dollar, ein Dollar war dementsprechend fĂŒr 0,8588 Euro zu haben.
Der Goldpreis lieĂ leicht nach, am Morgen wurden fĂŒr eine Feinunze 4.474 US-Dollar gezahlt (-0,1 Prozent). Das entspricht einem Preis von 123,52 Euro pro Gramm.
Der Ălpreis stieg unterdessen: Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete am Freitagmorgen gegen 9 Uhr deutscher Zeit 62,48 US-Dollar, das waren 49 Cent oder 0,8 Prozent mehr als am Schluss des vorherigen Handelstags.


