Krieg im Nahen Osten - und der Urlaub geht weiter
11.03.2026 - 06:35:02 | dpa.deDennoch lÀsst die Mehrheit der Deutschen ihre PlÀne bislang unverÀndert. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sagten 54 Prozent der rund 1.750 im MÀrz befragten Erwachsenen, internationale Krisen oder Konflikte hÀtten derzeit keinen Einfluss auf ihre Urlaubsplanung.
Ganz ohne Folgen bleiben geopolitische Spannungen jedoch nicht. Zehn Prozent wollen ihre UrlaubsplÀne wegen internationaler Konflikte Àndern. Bei sieben Prozent ist eine gebuchte Reise unsicher geworden, bei vier Prozent wurde sie abgesagt oder verschoben.
Politische StabilitÀt als Reisefaktor
Sicherheit spielt fĂŒr viele Urlauber eine wichtige Rolle bei der Wahl des Reiseziels. 58 Prozent sagen, sie berĂŒcksichtigten die politische StabilitĂ€t eines Landes stark, weitere 27 Prozent zumindest teilweise. Nur jeder Zehnte gibt an, dass politische StabilitĂ€t fĂŒr ihn keine Rolle spielt.
Der Konflikt im Nahen Osten war Ende Februar eskaliert. Israel und die USA griffen den Iran aus der Luft an, Teheran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel sowie Ziele in der Golfregion. In der Folge saĂen dort Tausende Reisende fest - etwa an FlughĂ€fen oder auf Kreuzfahrtschiffen.
Krieg trifft UrlaubslÀnder
Die Beratungsfirma Oxford Economics rechnet damit, dass die Zahl der Reisenden in den Nahen Osten in diesem Jahr deutlich zurĂŒckgehen könnte. Sollte der Krieg noch etwa zwei Wochen dauern, könnten die Besucherzahlen um rund elf Prozent sinken. Zieht sich der Konflikt ein bis zwei Monate hin, wĂ€re sogar ein RĂŒckgang um 27 Prozent möglich - verbunden mit wirtschaftlichen EinbuĂen von rund 56 Milliarden Dollar.
Besonders die Golfstaaten fĂŒrchten um ihr Image als sichere Reiseziele. "Das Siegel ist gebrochen", sagte der katarische Analyst Ahmed Hilal dem Sender Al Jazeera. Metropolen wie Dubai, Abu Dhabi oder Doha galten lange als sichere Inseln. Nach Angriffen auf FlughĂ€fen, Hotels und dicht bewohnte Gebiete könnte es dauern, bis sie diesen Status zurĂŒckerlangen.
Tourismus leidet auch in Israel
In Israel und den PalĂ€stinensergebieten leidet der Tourismus schon seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Gaza-Krieg unter schweren EinbuĂen. Der neue Krieg mit dem Iran versetzt der Branche nun einen weiteren Schlag.
Nach Angaben des israelischen Tourismusministeriums haben seit Kriegsbeginn Tausende Touristen das Land verlassen - etwa mit Bussen ĂŒber Jordanien oder Ăgypten. Andere wĂŒrden vom Ministerium betreut. Seit einigen Tagen konnten Urlauber zudem FlĂŒge mit israelischen Airlines buchen, um sich in Sicherheit zu bringen.
Sorgen fern der Front
Doch auch LĂ€nder, die nicht direkt angegriffen werden, bangen um ihre GĂ€ste. Ăgypten etwa, eines der beliebtesten Reiseziele deutscher Urlauber, ist stark auf Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen. Politische Unruhen, TerroranschlĂ€ge und die Corona-Pandemie hatten die Besucherzahlen dort immer wieder einbrechen lassen.
Zuletzt hatte sich die Branche jedoch erholt. Die offizielle Eröffnung des Grand Egyptian Museum an den Pyramiden sorgte fĂŒr zusĂ€tzlichen RĂŒckenwind: Im vergangenen Jahr kamen rund 19 Millionen Besucher nach Ăgypten - ein Wachstum von 21 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. Doch nun fragen sich auch Ăgypten-Reisende, ob sie ihren Urlaub lieber anderswo verbringen sollten.
Kurzes GedÀchtnis der Urlauber
Solche Schwankungen sind nach EinschĂ€tzung von Tourismusforschern im ReisegeschĂ€ft nichts Ungewöhnliches. "GrundsĂ€tzlich haben Touristen ein kurzes GedĂ€chtnis", sagte der PrĂ€sident der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Tourismuswissenschaft, JĂŒrgen Schmude. "In der Regel sehen wir solche Nachfragewellen zwei bis drei Jahre lang. Danach normalisiert sich das hĂ€ufig wieder."
Ob ein Konflikt dem Image einer Destination langfristig schade, hĂ€nge vor allem von seiner Dauer ab. "Je lĂ€nger er anhĂ€lt, desto gröĂer sind die Folgen", sagte Schmude. Ăgypten etwa habe in der Vergangenheit mehrere AnschlĂ€ge erlebt und sei dennoch immer wieder als Reiseziel zurĂŒckgekommen. Wenn der Konflikt im Nahen Osten schnell ende, könnten die Auswirkungen auf den Tourismus schon nach einem halben Jahr weitgehend vergessen sein.
Reiseveranstalter beobachten ZurĂŒckhaltung
Bei Reisen in LĂ€nder der Golfregion und bei Umsteigeverbindungen ĂŒber Drehkreuze wie Dubai oder Doha beobachtet der Reisekonzern Tui DE000TUAG505 eine ZurĂŒckhaltung bei Buchungen. FĂŒr die Region rechne man zunĂ€chst mit einer Phase der Erholung. "ErfahrungsgemÀà setzen die betroffenen Reiseziele alles daran, den Tourismus schnell wieder anzukurbeln und das Vertrauen der Reisenden zurĂŒckzugewinnen", teilte das Unternehmen mit.
Stabil bleibe dagegen die Nachfrage nach Ăgypten. In den vergangenen Wochen seien bereits zahlreiche Buchungen eingegangen. Das Land habe sich zudem zunehmend als feste GröĂe im Sommerurlaub etabliert, teilte Tui mit.
Vom Branchenzweiten Dertour heiĂt es, Ăgypten bleibe weiterhin gefragt, derzeit gebe es jedoch eine gewisse ZurĂŒckhaltung sowie vereinzelt Stornierungsanfragen. Die klassischen Baderegionen seien vom Iran-Krieg aber nicht beeintrĂ€chtigt, auch der Ă€gyptische Luftraum sei offen. Gleichzeitig steige die Nachfrage nach klassischen Urlaubszielen im westlichen Mittelmeer, etwa Spanien.
Branche gilt als krisenfest
"Tourismus ist eine sehr resiliente Branche - sobald StabilitĂ€t zurĂŒckkehrt, kehrt auch die Reiselust der Menschen zurĂŒck", sagte der PrĂ€sident des Deutschen Reiseverbands (DRV), Albin Loidl. Viele Urlauber wichen in solchen Situationen eher auf andere Ziele aus, statt ganz auf eine Reise zu verzichten. Nach Krisen finde die Branche meist schnell wieder in die Spur. Auch fĂŒr die Golfregion erwartet Loidl eine Erholung, sobald sich die Lage beruhigt.
Bundesregierung blickt auf Tourismus
Die Tourismusbranche sei von Reiseabsagen stark betroffen, sagte der Tourismuskoordinator der Bundesregierung, Christoph PloĂ (CDU). "Die Situation in der Golfregion hat auch Auswirkungen auf andere Urlaubsregionen, etwa in Asien und Afrika, weil viele Verbindungen ĂŒber die Drehkreuze in der Golfregion fĂŒhren."
Erfahrungen aus frĂŒheren Krisen zeigten jedoch, dass Reisende hĂ€ufig zurĂŒckkehrten, sobald ein Reiseziel wieder als sicher wahrgenommen werde, sagte PloĂ. Es sei Aufgabe der LĂ€nder, fĂŒr die Sicherheit von Reisenden zu sorgen. Er habe groĂes Vertrauen, dass die Golfstaaten diese Verantwortung ernst nĂ€hmen.
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