Trump erteilt Hamas 'letzte Warnung' - Gelingt ein Deal?
08.09.2025 - 06:35:01Israel habe seine Bedingungen akzeptiert, es sei an der Zeit, dass auch die Hamas sie akzeptiere, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. "Das ist meine letzte Warnung, es wird keine weitere geben!" Die Hamas zeigte sich kurz darauf zu "sofortigen Verhandlungen" bereit. Man begrĂŒĂe "jeden Schritt, der dazu beitrĂ€gt, die Aggression gegen unser Volk zu beenden".
Trump hatte der Hamas bereits im MĂ€rz ein Ultimatum gestellt. Sie mĂŒsse sofort alle israelischen Geiseln und auch alle Leichen von EntfĂŒhrten ĂŒbergeben, "oder es ist vorbei fĂŒr Euch", hatte er damals auf Truth Social geschrieben. Zu den Bedingungen des neuen Vorschlags machte Trump am Sonntag keine Angaben. Nach Informationen des israelischen Senders Channel 12 sieht der Vorschlag die Ăbergabe aller 48 Geiseln - sowohl der lebenden als auch der toten - am ersten Tag des Inkrafttretens einer Waffenruhe vor. Im Gegenzug wird Israels Armee ihre Offensive in der Stadt Gaza einstellen.
Berichte: Neuer Vorschlag sieht Freilassung aller Geiseln vor
Ferner soll Israel demnach tausende palĂ€stinensische HĂ€ftlinge aus seinen GefĂ€ngnissen entlassen, darunter Hunderte, die wegen der Tötung von Israelis zu lebenslanger Haft verurteilt wurden. Dies berichtete auch das US-Nachrichtenportal "Axios". Nach Ausrufung der Waffenrufe sollen demnach sofort Verhandlungen ĂŒber die Bedingungen fĂŒr ein Ende des Krieges beginnen - darunter Israels Forderung nach Entwaffnung der Hamas und der Forderung der Hamas nach einem vollstĂ€ndigen RĂŒckzug der israelischen StreitkrĂ€fte aus dem Gazastreifen, berichtete "Axios" unter Berufung auf israelische Beamte.
US-PrĂ€sident Trump werde sich dem Vorschlag zufolge "aktiv" fĂŒr die Beendigung des Krieges einsetzen, hieĂ es. Solange die Verhandlungen ĂŒber die Bedingungen dafĂŒr andauerten, wĂŒrden die KĂ€mpfe nicht wieder aufgenommen, berichtete auch der Sender Channel 12. Von offizieller israelischer Seite gab es zunĂ€chst keine BestĂ€tigung fĂŒr Trumps Aussage, dass Israel seine Bedingungen akzeptiert habe. Die "Times of Israel" will jedoch aus dem Umfeld von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu erfahren haben, dass der Vorschlag "sehr ernsthaft geprĂŒft" werde, wie es am Sonntagabend hieĂ.
Hamas fordert "klare ErklÀrung zur Beendigung des Krieges"
Die Hamas erklĂ€rte in der Nacht, man habe ĂŒber Vermittler einige Ideen von amerikanischer Seite erhalten, ein Waffenstillstandsabkommen zu erzielen. Sie sei "bereit, sich unverzĂŒglich an den Verhandlungstisch zu setzen", um ĂŒber die Freilassung aller Geiseln "im Austausch fĂŒr eine klare ErklĂ€rung zur Beendigung des Krieges, einen vollstĂ€ndigen RĂŒckzug aus dem Gazastreifen und die Einrichtung eines Komitees unabhĂ€ngiger PalĂ€stinenser zur Verwaltung des Gazastreifens" zu diskutieren, hieĂ es in einer ErklĂ€rung der Terrororganisation.
Dies mĂŒsse mit einer "öffentlichen und ausdrĂŒcklichen Verpflichtung des Feindes einhergehen, sich an alle vereinbarten Bedingungen zu halten", hieĂ es. Es mĂŒsse verhindert werden, dass Israel die Waffenruhe nicht wieder einseitig fĂŒr beendet erklĂ€ren und den Krieg wieder aufnehmen kann. Die letzte Waffenruhe hatte im MĂ€rz geendet, nachdem sich Israel und die Hamas nicht auf die Bedingungen fĂŒr die nĂ€chste Phase des Deals hatten einigen können.
Trump glaubt an baldige Einigung
Man stehe in Kontakt mit den Vermittlern, "um diese Ideen zu einer umfassenden Vereinbarung auszuarbeiten", die den eigenen Forderungen entspreche, heiĂt es in der ErklĂ€rung der Hamas weiter. Trump hatte zuvor geschrieben, er habe die Hamas vor den Konsequenzen gewarnt, wenn sie seine Bedingungen nicht akzeptiere. In dem Fall wĂŒrde Israel die angekĂŒndigte GroĂoffensive gegen die Stadt Gaza durchziehen, berichtete "Axios". Trump sagte zu Reportern nach seiner "letzten Warnung": "Ich denke, wir werden sehr bald eine Einigung zu Gaza erzielen. Es ist ein verdammt groĂes Problem".
Israel setzt vorerst Luftangriffe fort
Kritiker werfen Israels Regierungschef Netanjahu vor, den seit fast zwei Jahren andauernden Krieg unnötig in die LĂ€nge zu ziehen. Seine rechtsextremen Koalitionspartner, von denen sein politisches Ăberleben abhĂ€ngt, sind gegen eine Waffenruhe. Am Sonntag setzte das israelische MilitĂ€r seine Luftangriffe auf die dicht besiedelte Stadt Gaza im Norden des abgeriegelten KĂŒstengebiets fort. Dabei wurde ein weiteres Hochhaus bombardiert, wie die Armee mitteilte.
Hamas-Terroristen hĂ€tten dort Mittel zur Informationsbeschaffung installiert und Beobachtungsposten eingerichtet, um Israels Truppen zu ĂŒberwachen, hieĂ es in einer Mitteilung der Armee. In der NĂ€he des GebĂ€udes habe die Hamas zahlreiche SprengsĂ€tze angebracht. UnabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen lieĂ sich dies nicht. Nach SchĂ€tzungen sollen sich fast eine Million Menschen in der Stadt aufhalten. Israels Armee rief die Bewohner auf, sich in eine im sĂŒdlichen Gazastreifen ausgewiesene sogenannte humanitĂ€re Zone zu begeben. Bis zum Sonntag hatten erst weniger als 100.000 Menschen die Stadt verlassen.
Angehörige fĂŒrchten um das Leben der Geiseln
Angehörige der von der Hamas festgehaltenen Geiseln, aber auch die israelische ArmeefĂŒhrung befĂŒrchten, dass eine militĂ€rische Einnahme der Stadt das Leben der EntfĂŒhrten gefĂ€hrden wĂŒrde. Nach israelischer EinschĂ€tzung befinden sich noch 48 Geiseln in der Gewalt der Islamisten. 20 von ihnen sollen noch am Leben sein. Die meisten der lebenden EntfĂŒhrten werden in den Tunneln der Hamas unterhalb der Stadt Gaza vermutet.
Erst am Mittwoch hatte US-PrĂ€sident Trump auf seiner Plattform Truth Social geschrieben, dass die Hamas sofort Geiseln freilassen solle. Alle wollten, dass die Geiseln freikommen, schrieb er am Sonntag. Und zu Reportern sagte er anschlieĂend in Washington: "Ich denke, wir werden sie alle bekommen."

