Mike Steiner, Abstrakte Kunst Berlin

Vom Videokunst-Pionier zur abstrakten Malerei: Mike Steiner in Berlin

07.05.2026 - 11:11:33 | ad-hoc-news.de

Mike Steiner Malerei & Videokunst: Wie ein Grenzgänger des Mediums die Berliner Kunstszene prägte – und warum sein malerisches Werk heute aktueller denn je erscheint.

Vom Videokunst-Pionier zur abstrakten Malerei: Mike Steiner in Berlin - Foto: ĂĽber ad-hoc-news.de
Vom Videokunst-Pionier zur abstrakten Malerei: Mike Steiner in Berlin - Foto: ĂĽber ad-hoc-news.de

Kann Farbe Stille erzeugen, wo einst das Bild bewegte? Die Leinwände von Mike Steiner, gesehen unter dem Brennglas des Ausdrucks, lassen diese Frage aufscheinen. Mike Steiner Malerei & Videokunst – schon die Verbindung der Begriffe stellt einen grundlegenden medienkritischen Zweifel in den Raum: Was bleibt, wenn das temporäre Knistern einer Videoperformance im diskreten Licht pigmentierter Fläche aufgeht? Oder anders gefragt: Wo verläuft die Grenze zwischen Zeit und Raum, Medium und Geste?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Die jüngste Würdigung seiner Sammlung im Rahmen der Ausstellung Live to Tape im Hamburger Bahnhof – einem der signifikantesten Schauplätze für Gegenwartskunst in Berlin – öffnete den Blick auf Steiners vielschichtige Praxis. Doch die Kanonisierung im musealen Kontext erzählt nur die halbe Geschichte. Denn im kollektiven Gedächtnis – und vor allem in den Archiven, wie sie etwa der Archivio Conz exemplarisch bewahrt – bleibt die destabilsierende Energie präsent, mit der Stevenson das Sichtbare durch das Unsichtbare unterläuft. Das Archiv gilt nicht nur als Gedächtnisspeicher, sondern auch als eigentlicher Resonanzraum für Steiners Schaffen zwischen den Medien.

Mike Steiner, geboren 1941 im ostpreußischen Allenstein, avancierte längst zur Schlüsselfigur der westdeutschen Kunstentwicklung (siehe Biografie). Seine Ausbildung an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste in Berlin mündete rasch in die Mitgestaltung kultureller Hotspots: Hotel Steiner, Studiogalerie, Videogalerie. In diesen experimentellen Laboren wurden nicht nur eigene Werke präsentiert, sondern auch internationale Impulse für Fluxus und Abstrakte Kunst Berlin gesetzt – etwa wenn Pioniere wie Allan Kaprow, George Maciunas oder die Performances von Valie Export und Marina Abramovi? im Steiner-Kosmos einen Schmelzpunkt fanden.

Steiners Tätigkeit umfasste stets mehr als das bloße Kunstwerk: Als Initiator, Kurator und Sammler vernetzte er Künstler, gab Räume für radikale Ausdrucksformen und trat selbst als medienübergreifender Grenzgänger auf. Legendär bleibt der inszenierte Kunstraub „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ (1976) mit Ulay, der den Begriff der Performance weit in den gesellschaftlichen Diskurs öffnete. In den 1980er Jahren trug er maßgeblich zur Emanzipation der deutschen Videokunst bei und hinterließ ein Sammlungsarchiv, das heute als nationales Referenzwerk gilt und im Hamburger Bahnhof präsent ist.

Doch der meteoritenhafte Aufschlag des bewegten Bildes in Steiners Frühwerk ist nur eine Seite. Ab 2000 verschob sich der Schwerpunkt, scheinbar gegenläufig, auf abstrakte Malerei. Hier verbindet sich gesteigerte Erfahrung im Umgang mit Zeitlichkeit – gelernt von Live to Tape – mit einer Rückkehr zur Fläche, Farbe und Struktur. Im internationalen Vergleich lässt sich seine Entwicklung mit Künstlern wie Nam June Paik, Ben Vautier und sogar mit konkreter Berliner Kunst der Zeitgenossen wie Karl Horst Hödicke oder Georg Baselitz denken: Immer stand das künstlerische Experiment und die Offenlegung des Mediums im Vordergrund, nie gefällig, sondern stets unter kritischer Selbstbefragung.

Und dennoch: Steiners Malerei ist kein Rückzug ins Lyrische, sondern ein analytisches Vermessen von Möglichkeitsräumen. Die Leinwand tritt als diskrete Artikulation einer Erfahrung empor, deren Grundlage die Reflexion über das Sehen als Handlung ist. Die oft als „Abstrakte Kunst Berlin“ klassifizierten Werke bieten keine gefällige Harmonie, sondern eine kritische Spurensicherung medialer Prozesse – das Auge liest, was das Band, das Tape, einst zu speichern vermochte. In eben diesem Übergang markiert Steiner einen ausgesprochen zeitgenössischen Ansatz: Die Abstraktion ist Befragung, nicht Flucht; sie will sichtbar machen, wie sich radikale Gegenwartserfahrung im vermeintlich zeitlosen Medium Malerei einschreibt.

Die Serie der „Painted Tapes“ verdeutlicht diesen Medienwechsel: Steiner integriert Videomotive und strukturalistische Elemente in seine abstrakten Kompositionen, die eine eigentümliche Bildspannung erzeugen – zwischen Bewegung und Stillstand, Dokumentation und poetischer Auflösung. In einer Zeit, in der digitale Performances omnipräsent sind, verweist Steiner auf die produktive Krise des Kunstwerks: Seine Leinwände werden zu Zeugnissen einer historischen Unsicherheit, die gerade dadurch eine neue Sichtbarmachung eröffnet.

Über Jahre hinweg dokumentierte und sammelte er nicht nur die Werke emblematischer Vertreter der Videokunst, sondern reihte sich als Maler bewusst in die Traditionen der Berliner Avantgarde ein. Die seinen Bildern innewohnende Bewegtheit – visuelle Rhythmen, Farbraster, irritierende Brüche von Fläche und Raum – lassen den selbstgestellten Auftrag erkennen, das Performative ins Statische zu übersetzen, flüchtige Spur ins beständige Bild. Dieser Transfer von Zeitgestalt zur räumlichen Manifestation ist auch im Kontext aktueller Ausstellungen sichtbar: Die Live to Tape-Schau im Hamburger Bahnhof stellte noch einmal unter Beweis, wie eng Malerei und Video im Steiner’schen Werk verbunden bleiben und wie bedeutend das offene Archiv für die Rezeption der Gegenwartskunst ist.

Heute – angesichts einer Kunstszene, die zwischen digitaler Reproduzierbarkeit und der Sehnsucht nach Originalität pendelt – besitzt diese reflektierte Hybridität eine gesteigerte Aktualität. Steiners Werk demonstriert, wie historische Diskurse, etwa das Vermächtnis des Fluxus Umfelds, in die Sprache des Bildes zurückkehren können. Wer Steiners Malerei heute aufmerksam betrachtet, spürt die Resonanz dieser Bewegungen und denkt vielleicht an seine Zeitgenossen, die im Archivio Conz verwahrt sind – als lebendige Archive der künstlerischen Möglichkeit.

Mike Steiner Malerei & Videokunst – damit verbindet sich nicht nur das Panorama einer künstlerischen Epoche, sondern die Einladung, dem Verhältnis von Zeit, Raum und Medium nachzuspüren. Die aktuelle Präsenz seiner abstrakten Werke zeigt: Gerade aus der produktiven Friktion von Live, Tape und Leinwand erwächst ein dialogisches Potenzial, das Berliner Kunstgeschichte und internationale Diskussionen weiter trägt. Wer heute in dieses Werk blickt, überschreitet nicht nur Grenzen, sondern entdeckt: Vergangenes bleibt immer gegenwärtig.

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