Justiz, Parteien

Justizministerium prüft strengere Regeln für Schöffen

27.06.2026 - 15:03:14 | dts-nachrichtenagentur.de

Das Bundesjustizministerium hat seine Pläne für eine strengere Überprüfung von Bewerbern um das Schöffenamt konkretisiert.

Justizministerium prüft strengere Regeln für Schöffen
Justiz - Amtsgericht Waren (Müritz) (Archiv) 27.06.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur
Das berichtet die "Welt am Sonntag".

"Der Gesetzentwurf, den das Bundesjustizministerium derzeit erarbeitet, wird nach aktueller Planung eine Ergänzung und Anpassung des Deutschen Richtergesetzes vorsehen", sagte ein Ministeriumssprecher. Es werde darum gehen, gesetzlich zu regeln, dass nur solche Personen als ehrenamtliche Richter tätig sein sollen, welche die Gewähr dafür bieten, jederzeit für die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes einzutreten.

In diesem Zusammenhang erwäge das Ministerium Anpassungen bei der Auswahl von Schöffen. Schon heute gelte: Wer gegen Grundsätze der Menschlichkeit oder der Rechtsstaatlichkeit verstoßen habe oder Mitarbeiter des Staatssicherheitsdiensts der DDR gewesen sei, solle nicht als Schöffe berufen werden. Bislang liege es aber "im freien Ermessen der zuständigen Behörde", ob Bewerber eine schriftliche Erklärung zu möglichen Ausschlussgründen abgeben müssten, so der Sprecher. Das Ministerium erwäge nun eine "Anpassung der erwähnten Vorschrift über die Einholung einer schriftlichen Erklärung der zur Auswahl für das Schöffenamt stehenden Person".

Die Unionsfraktion forderte zusätzlich eine Einbindung des Verfassungsschutzes bei der Auswahl von Schöffen. "Das Problem liegt nicht in der Norm, sondern in ihrer Durchsetzung", sagte Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU). Heute hänge es vom Wohnort ab, ob ein Bewerber überhaupt überprüft werde. Diesen Flickenteppich müsse man beenden. "Wir brauchen ein bundeseinheitliches, verbindliches Überprüfungsverfahren vor der Berufung, getragen von einer Regelanfrage bei den Verfassungsschutzbehörden, damit die Wahlausschüsse eine belastbare Grundlage haben", so Krings weiter. Dazu gehörten klare Regeln für Suspendierung und Abberufung, wenn Zweifel erst während der Amtszeit aufkämen.

Kritik äußerte die AfD. "Aus Sicht der AfD-Fraktion ist die geplante Reform das genaue Gegenteil von unabhängiger Justiz", sagte der rechtspolitische Sprecher Tobias Matthias Peterka. Für die AfD sei klar, dass jeder Schöffe ebenso wie auch jeder Richter auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung stehen müsse. Die bestehenden Regelungen und die Prüfung der Kandidaten durch den Schöffenwahlausschuss seien aber ausreichend.

de | politik | 69640786 |

Weitere Meldungen

Richterbund fordert mehr Unabhängigkeit für Staatsanwälte Der Deutsche Richterbund (DRB) fordert angesichts wachsender Umfragewerte der AfD mehr Unabhängigkeit für die Staatsanwaltschaften und eine Begrenzung des Weisungsrechts durch Ministerien.DRB-Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, in einer Zeit, in der rechtspopulistische Parteien wie die AfD im Aufwind seien und vielfach die Machtprobe mit der Justiz suchten, dürfe es keine Einfallstore für einen politischen Missbrauch der Strafverfolgung geben. (Politik, 27.06.2026 - 08:35) weiterlesen...

GFF-Gutachter bemängelt Verfassungsschutz-Prüfung der AfD Bijan Moini, Leiter des Teams der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF), das ein Gutachten zur Verfassungswidrigkeit der AfD vorgelegt hat, hat das Bundesamt für Verfassungsschutz kritisiert.Das Amt habe sich bei seinem Gutachten, mit dem belegt werden sollte, dass die AfD-Bundespartei "gesichert rechtsextrem" ist, eigentlich nur auf die Aspekte Muslimfeindlichkeit und ethnisch-kulturelles Volksverständnis gestützt, sagte Moini dem "Spiegel". (Sonstige, 26.06.2026 - 20:38) weiterlesen...

Union schließt Zusammenarbeit mit Linken erneut aus Führende Unionspolitiker schließen eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei im Bund und in den Ländern aus. (Politik, 26.06.2026 - 00:07) weiterlesen...

Bundestagsabgeordnete drängen nach Gutachten auf AfD-Verbotsprüfung Nachdem die Gesellschaft für Freiheitsrechte in einem rund 1.500-seitigen Gutachten zu dem Schluss gekommen ist, dass die AfD verfassungswidrig sei und ein Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht wahrscheinlich Erfolg hätte, sprechen sich einige Politiker für eine Verbotsprüfung aus."Wir haben allen Anlass, dem Gericht diese Prüfung zu ermöglichen", sagte die CDU-Abgeordnete Elisabeth Winkelmeier-Becker dem "Spiegel". (Sonstige, 25.06.2026 - 16:07) weiterlesen...

AfD-Politiker Reichardt soll angeblich Hitlergruß gezeigt haben Der AfD-Landesvorsitzende in Sachsen-Anhalt und Bundestagsabgeordnete Martin Reichardt gerät wegen eines Fotos aus dem Jahr 2020 in Erklärungsnot. (Politik, 24.06.2026 - 18:17) weiterlesen...

Erweiterungsbau des Lüders-Hauses verzögert sich bis Jahresende Der Erweiterungsbau des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses des Bundestages kann erst Ende des Jahres eröffnet werden. (Politik, 24.06.2026 - 15:17) weiterlesen...