Deutschland, Bundestag

Bundestag spart bei DiÀten - einige LÀnder erhöhen

13.06.2026 - 03:30:06 | dpa.de

Der Bundestag setzt ein Sparsignal und streicht die DiĂ€tenerhöhung. In einigen BundeslĂ€ndern steigen die AbgeordnetenbezĂŒge dagegen wie geplant - oft automatisch und ohne Abstimmung.

Die Fraktionen von Union und SPD wollen im Bundestag mit einer einmaligen Nullrunde bei den BezĂŒgen der Abgeordneten ein Sparsignal in finanziell schwierigen Zeiten senden. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa
Die Fraktionen von Union und SPD wollen im Bundestag mit einer einmaligen Nullrunde bei den BezĂŒgen der Abgeordneten ein Sparsignal in finanziell schwierigen Zeiten senden. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa

WĂ€hrend der Bundestag in diesem Jahr auf eine Erhöhung der DiĂ€ten verzichtet, steigen die BezĂŒge der Abgeordneten in einigen Landtagen wie geplant. Die Fraktionen von Union und SPD wollen im Bundestag mit einer einmaligen Nullrunde ein Sparsignal in finanziell schwierigen Zeiten senden. In den LĂ€ndern ist das Bild dagegen uneinheitlich: Mehrere Parlamente halten an der automatischen Anpassung an die Lohnentwicklung fest - mit Erhöhungen von mehreren Hundert Euro.

Eigentlich wĂ€ren die monatlichen DiĂ€ten der 630 Bundestagsabgeordneten zum 1. Juli um 497 Euro gestiegen - von rund 11.833 auf rund 12.330 Euro. Das ergibt sich aus einem automatischen Mechanismus im Abgeordnetengesetz, der die BezĂŒge an die Durchschnittslöhne koppelt. Diesen Automatismus wollen Union und SPD einmalig aussetzen. Alle Fraktionen tragen den Verzicht mit, AfD und Linke fordern darĂŒber hinaus einen generellen Verzicht auf die jĂ€hrliche Anpassung.

LÀnder erhöhen meist wie geplant

In einigen BundeslÀndern greift die automatische Anpassung dagegen weiter:

  • Bayern: Plus 4,1 Prozent auf 10.595,07 Euro, dazu eine Kostenpauschale von 4.415,02 Euro.
  • Hessen: Plus 4,3 Prozent auf 10.362 Euro, Kostenpauschale 1.544 Euro.
  • Baden-WĂŒrttemberg: Der Landtag stimmte mit 108 zu 32 Stimmen fĂŒr das Festhalten am Indexmodell, nur die AfD wollte eine Nullrunde. Die GrundentschĂ€digung lag zuletzt bei 9.322 Euro.
  • Nordrhein-Westfalen: Aktuell 11.463,66 Euro, eine Streichung ist nicht vorgesehen. Nur die AfD möchte einen Aussetzungsantrag einbringen.
  • Sachsen-Anhalt: Anhebung von 8.736,66 Euro auf 9.138 Euro geplant.
  • Saarland: RĂŒckwirkend ab April 7.173 Euro statt 6.977 Euro, mit weiteren Schritten bis 2028.
  • Rheinland-Pfalz: Seit Anfang 2026 monatlich 8.571 Euro (plus 3,1 Prozent), eine Neuregelung steht nach der Sommerpause an.
  • In Brandenburg hat die oppositionelle BSW-Fraktion einen Verzicht vorgeschlagen. Die Koalition aus SPD und CDU prĂŒft dies noch; ein Verzicht wie im Bund gilt als möglich.

Streit um den Automatismus

BegrĂŒndet wird das Festhalten in den LĂ€ndern meist mit Transparenz. Die VergĂŒtung orientiere sich «an der Lebenswirklichkeit der Menschen und wird nach transparenten, nachvollziehbaren Regeln angepasst», teilte ein Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in NRW mit. In Hessen sagte ein SPD-Sprecher, das Indexmodell habe «die zuvor hĂ€ufig auftretenden Debatten ĂŒber die Anpassung der AbgeordnetenbezĂŒge im Hessischen Landtag erfolgreich beruhigt».

Kritik gibt es vor allem dort, wo zugleich an anderer Stelle gespart wird. In Bayern soll die Besoldung der Beamten verschoben werden, wĂ€hrend die DiĂ€ten regulĂ€r steigen. Das löse «völliges UnverstĂ€ndnis» aus, sagte der bayerische GdP-Vorsitzende Florian Leitner: «Bislang sind wir davon ausgegangen, dass wir gemeinsam Verantwortung fĂŒr unser Land tragen und alle ihren Beitrag leisten, aber scheinbar wird seitens der Politik mit zweierlei Maß gemessen.»

So funktioniert die Anpassung

Den automatischen Mechanismus hatte der Bundestag 2014 eingefĂŒhrt, um nicht jedes Jahr neu ĂŒber die Höhe der EntschĂ€digung entscheiden zu mĂŒssen - das war regelmĂ€ĂŸig mit dem Vorwurf der Selbstbereicherung verbunden. Die BezĂŒge orientieren sich an den GehĂ€ltern von Richtern an obersten Bundesgerichten. Ähnliche Modelle gibt es in den LĂ€ndern, meist gekoppelt an einen Lohn- oder Verdienstindex des jeweiligen Statistischen Landesamts. In vielen Parlamenten erfolgt die Anpassung ohne Abstimmung.

de | politik | 69531107 |

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