Gesundheit, Industrie

Pharmaverband kritisiert Warkens Gesetz zur Kassen-Stabilisierung

14.05.2026 - 01:00:00 | dts-nachrichtenagentur.de

Der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (VFA) wirft Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) vor, die Produktion kritischer Arzneien in Deutschland zu schwÀchen.

Tabletten (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Tabletten (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
"Investitionsentscheidungen fallen nicht nach politischen Wunschzetteln, sondern nach VerlĂ€sslichkeit, Planbarkeit und wirtschaftlicher TragfĂ€higkeit", sagte VFA-PrĂ€sident Han Steutel den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Wer diese Grundlagen beschĂ€digt, holt keine Produktion zurĂŒck - er treibt sie aus dem Land."

Europa stÀrke mit dem "Critical Medicines Act" die industrielle Basis der Arzneimittelversorgung. "Deutschland schwÀcht sie mit dem geplanten dynamischen Zwangsrabatt", kritisierte der VFA-PrÀsident. "Das passt nicht zusammen." Steutels Kritik richtet sich gegen das von Warken vorgelegte Beitragssatzstabilisierungsgesetz, welches den stark steigenden Kosten der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) entgegenwirken soll.

Der Gesetzentwurf entwerte die nutzenbasierte Preisfindung fĂŒr innovative Arzneimittel und hebele damit das Verhandlungsprinzip in Teilen aus, warnte der Verbandsvertreter. "Dadurch verschlechtern sich die Bedingungen fĂŒr den Marktzugang neuer Therapien deutlich. Im Kern wird die VerfĂŒgbarkeit von Arzneimittelinnovationen eingeschrĂ€nkt und Investitionen in den Pharmastandort Deutschland ausgebremst", sagte Steutel den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Die politische Einigung zum Critical Medicines Act sei dagegen "ein wichtiges Signal", denn damit nehme Europa die Versorgungssicherheit bei Arzneimitteln endlich auch als industriepolitische Aufgabe ernst, so Steutel. "Entscheidend ist jetzt, dass der neue Rahmen nicht zu zusĂ€tzlicher BĂŒrokratie oder neuen Markteingriffen fĂŒhrt, sondern Investitionen in robuste Lieferketten und ProduktionskapazitĂ€ten in Europa tatsĂ€chlich erleichtert."

Die EuropĂ€ische Union (EU) will mit dem Critical Medicines Act EngpĂ€sse bei wichtigen Medikamenten verhindern. Besonders kritische Arzneimittel sollen kĂŒnftig verstĂ€rkt in der EU hergestellt werden. Damit soll die AbhĂ€ngigkeit von Herstellern und Lieferanten außerhalb Europas vermieden werden. Zuletzt wurde die Möglichkeit solcher EngpĂ€sse vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs und der Blockade der Straße von Hormus diskutiert. Ein Mangel an Arzneimitteln trat bislang aber nicht ein. Dennoch kommt es auch in Deutschland immer wieder zu EngpĂ€ssen an Arzneien. Im Januar hatte das Bundesgesundheitsministerium einen temporĂ€ren Versorgungsmangel bei bestimmten Antibiotika bekannt gegeben.

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