Bundestag, Klöckner

Neuer Bundestag konstituiert - Klöckner ist PrÀsidentin

25.03.2025 - 14:34:10

Die 21. Wahlperiode hat begonnen. In der ersten Sitzung wĂ€hlt der Bundestag die CDU-Frau Klöckner zu seiner PrĂ€sidentin. AltersprĂ€sident Gysi hĂ€lt eine Rede, die viele Zuhörer ratlos zurĂŒcklĂ€sst.

  • AltersprĂ€sident Gysi leitet die Sitzung bis zur Wahl der neuen BundestagsprĂ€sidentin. - Foto: Michael Kappeler/dpa

    Michael Kappeler/dpa

  • Volles Haus bei der ersten Sitzung des neuen Bundestages. - Foto: Kay Nietfeld/dpa

    Kay Nietfeld/dpa

AltersprÀsident Gysi leitet die Sitzung bis zur Wahl der neuen BundestagsprÀsidentin. - Foto: Michael Kappeler/dpaVolles Haus bei der ersten Sitzung des neuen Bundestages. - Foto: Kay Nietfeld/dpa

In einer Zeit innerer und Ă€ußerer Unsicherheiten hat der 21. Deutsche Bundestag seine Arbeit aufgenommen. Die 630 Abgeordneten kamen 30 Tage nach der Bundestagswahl zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Sie wĂ€hlten die CDU-Politikerin Julia Klöckner mit großer Mehrheit zur neuen BundestagsprĂ€sidentin. Die 52-JĂ€hrige rief in ihrer Antrittsrede das Parlament zu «Anstand» und einem «ordentlichen Umgang miteinander» auf. 

«Den kontroversen Diskurs mĂŒssen wir fĂŒhren, aushalten, ertragen. Nach klaren Regeln und Verfahren und Mehrheiten. Ich werde darauf achten, dass wir ein zivilisiertes Miteinander pflegen», sagte Klöckner. «Es kommt beim Streiten auf den Stil an. Respekt im Umgang miteinander.»

Bei der Wahl zur BundestagsprĂ€sidentin entfielen auf Klöckner 382 Ja- und 204 Nein-Stimmen, es gab 31 Enthaltungen und 5 ungĂŒltige Stimmen. 

Erst die vierte Frau an der Spitze des Bundestages

Die frĂŒhere Bundeslandwirtschaftsministerin ist erst die vierte Frau in diesem Amt, das protokollarisch gleich hinter dem des BundesprĂ€sidenten angesiedelt ist. Vor ihr hatten es von 1972 bis 1976 Annemarie Renger (SPD), von 1988 bis 1998 Rita SĂŒssmuth (CDU) und seit 2021 BĂ€rbel Bas (SPD) inne. Das Vorschlagsrecht dafĂŒr hat traditionell die grĂ¶ĂŸte Fraktion im Bundestag. Die CDU/CSU-Fraktion hatte Klöckner einstimmig nominiert.

Klöckner ruft zur Änderung des Wahlrechts auf

Klöckner rief dazu auf, das von der Ampel-Koalition 2023 reformierte Wahlrecht nochmals so zu Àndern, dass alle direkt gewÀhlten Abgeordneten auch ein Mandat bekommen. Bei der vergangenen Bundestagswahl war dies bei 23 Kandidatinnen und Kandidaten nicht der Fall. 

«Es muss doch möglich sein, das Ziel der Wahlrechtsreform – eine deutliche Verkleinerung des Bundestages – mit einem verstĂ€ndlichen und gerechten Wahlrecht zu verbinden», betonte Klöckner. Das sage sie auch an ihre eigene Fraktion. «Je verstĂ€ndlicher und gerechter ein Wahlsystem empfunden wird, desto grĂ¶ĂŸer dessen Akzeptanz in der Bevölkerung.»

Die CDU-Politikerin empfahl den Abgeordneten eine «offene Fehlerkultur». Das könne helfen, verloren gegangenes Vertrauen in die Politik zurĂŒckzugewinnen. Klöckner sprach sich fĂŒr eine StĂ€rkung des Fragerechts im Bundestag aus und rief dazu auf, diesen familienfreundlicher zu machen. Man mĂŒsse sich anstrengen, um mehr Frauen in die Politik und in die Parlamente zu bringen.

In Deutschland mĂŒsse die Stimmung wieder verbessert werden, sagte Klöckner. «Wir brauchen Optimismus und Zuversicht - dieser Optimismus-Ruck muss wieder durch unser Land gehen.»

AltersprÀsident Gysi eröffnet die Sitzung

Eröffnet wurde die konstituierende Sitzung durch den AltersprÀsidenten Gregor Gysi. Der Linke-Abgeordnete ist der Politiker mit den meisten Jahren im Parlament. 

Die AfD versuchte vergeblich, zur frĂŒheren Regelung fĂŒr die Bestimmung des AltersprĂ€sidenten zurĂŒckzukommen. Bis 2017 war dies der oder die Ă€lteste Abgeordnete. Das wĂ€re diesmal der AfD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland gewesen. Die GeschĂ€ftsordnung war dann dahingehend geĂ€ndert worden, dass dieses Amt nun an den dienstĂ€ltesten Abgeordneten geht.

Gysi schlÀgt Bogen von sicherer Rente bis Donald Trump

Auch Gysi rief die Abgeordneten zu einem respektvollen Umgang miteinander auf. «Ich wĂŒnsche unserer Bevölkerung und uns einen lebendigen Bundestag, in dem ohne Beleidigungen, ohne Beschimpfungen, ohne Unfairness durchaus hart gestritten, diskutiert und entschieden wird.»

Inhaltlich schlug der Linke-Politiker in seiner fast 40-minĂŒtigen Rede einen verwegenen Bogen von sicheren Renten und Steuergerechtigkeit ĂŒber Gesundheit und Pflege bis hin zum Krieg in der Ukraine und der Politik von US-PrĂ€sident Donald Trump. FĂŒr mehrere angesprochene Bereiche schlug er das Einsetzen unabhĂ€ngiger Gremien vor. Außerdem plĂ€dierte er dafĂŒr, den 8. Mai, an dem Deutschland 1945 durch die Alliierten von der nationalsozialistischen Diktatur befreit worden war, zum bundesweiten gesetzlichen Feiertag zu machen. 

SpĂ€testens als der 77-JĂ€hrige die fĂŒnf verschiedenen SteuersĂ€tze fĂŒr WeihnachtsbĂ€ume vortrug, kam Unruhe im voll besetzten Plenarsaal auf. Bei der Union regte sich wĂ€hrend und am Ende der Rede keine Hand zum Beifall fĂŒr Gysi, aber auch bei SPD und GrĂŒnen hielt sich die Begeisterung in Grenzen. 

StaatssekretÀrin und Bundesministerin 

Klöckner saß schon von 2002 bis 2011 im Bundestag und war seit 2009 auch Parlamentarische StaatssekretĂ€rin im Bundeslandwirtschaftsministerium. Anschließend wechselte sie in die Landespolitik ihrer Heimat Rheinland-Pfalz und versuchte dort zweimal vergeblich, MinisterprĂ€sidentin zu werden.

Bei der Bundestagswahl 2017 meldete sie sich in Berlin zurĂŒck und war dann bis 2021 Bundeslandwirtschaftsministerin im Kabinett der damaligen Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Die gelernte Journalistin gehörte zwischen 2012 und 2022 zur Riege der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden und war bis zu ihrer Nominierung als BundestagsprÀsidentin Schatzmeisterin ihrer Partei. Im alten Bundestag war sie wirtschaftspolitische Sprecherin der Fraktion.

Leitung der Sitzungen und Vertretung nach außen

Die Aufgaben der BundestagsprĂ€sidentin sind in der GeschĂ€ftsordnung genau beschrieben. «Der PrĂ€sident vertritt den Bundestag und regelt seine GeschĂ€fte. Er wahrt die WĂŒrde und die Rechte des Bundestages, fördert seine Arbeiten, leitet die Verhandlungen gerecht und unparteiisch und wahrt die Ordnung im Hause», heißt es dort unter anderem.

Der PrĂ€sidentin stehen das Hausrecht und die Polizeigewalt in allen GebĂ€uden des Bundestages zu. Sie ist oberste Dienstbehörde fĂŒr die Beamten der Bundestagsverwaltung und schließt die VertrĂ€ge ab, die fĂŒr die Verwaltung besonders wichtig sind.

Neues Amt als Herausforderung

Trotz ihrer langen politischen Erfahrung – das neue Amt dĂŒrfte zu einer großen Herausforderung fĂŒr Klöckner werden. Der Umgangston im Bundestag ist seit dem Einzug der AfD 2017 erheblich rĂŒder geworden, wie alle anderen Fraktionen beklagen. Und im neuen Bundestag hat sich die FraktionsstĂ€rke der AfD verdoppelt – was nicht fĂŒr ruhigere Zeiten spricht.

SpĂŒrbar wurde dies bereits in der konstituierenden Sitzung, als Gysi aus den Reihen der AfD-Fraktion als «Galionsfigur der radikalen Linken» bezeichnet wurde und der AfD-Abgeordnete Stephan Brandner den anderen Fraktionen entgegen schmetterte: «Sie sind die Vergangenheit des alten, ruinierten Deutschlands, wir sind die Zukunft eines blĂŒhenden, blauen Deutschlands.»

Auch die Zahl der in der 20. Wahlperiode auf 134 hochgeschnellten Ordnungsrufe verdeutlicht das oft raue Klima. In der 19. Legislaturperiode waren es laut Bundestagsverwaltung nur 49 gewesen. Allein 85 dieser Ordnungsrufe kassierten in den vergangenen drei Jahren Mitglieder der AfD-Fraktion.

Steinmeier entlÀsst Regierung Scholz

An der Sitzung nahm auf der GĂ€stetribĂŒne auch BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier teil. Da nach dem Grundgesetz mit der Konstituierung eines neuen Bundestages die Amtszeit der Bundesregierung endet, wollte Steinmeier am spĂ€ten Nachmittag Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und seinem Kabinett die Entlassungsurkunden ĂŒberreichen. Sie bleiben aber bis zur Ernennung einer neuen Regierung geschĂ€ftsfĂŒhrend im Amt.

@ dpa.de