Parteien, Steuern

Ostbeauftragte Kaiser warnt vor neuen Stereotypen

18.06.2026 - 12:17:05 | dts-nachrichtenagentur.de

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), warnt vor neuen ostdeutschen Stereotypen bei jungen Menschen und fordert mehr Zuwanderung und eine Reform der Steuern für Vermögende."Gefördert durch entsprechende Inhalte in sozialen Medien entstehen neue Stereotypen des Ostdeutschseins", sagte Kaiser dem Tagesspiegel-Newsletter "Im Osten".

Ostbeauftragte Kaiser warnt vor neuen Stereotypen
Parteien - Elisabeth Kaiser (Archiv) 18.06.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur
Zuletzt habe sie bei einer Veranstaltung junge Leute gefragt, was für sie ostdeutsch sei. Einige hätten geantwortet: "Wir sind härter als die Westdeutschen, wir können mehr trinken und sind nicht so verweichlicht." Es habe sie nachdenklich gemacht, dass sich ostdeutsche Identität für manche junge Menschen über Vorstellungen von besonderer Härte und Widerstandsfähigkeit ausdrücke. Hier würden auch Erfahrungen von Eltern und Großeltern nachwirken, deren Lebenswelten nach der Einheit tiefgreifend erschüttert worden seien. "Die Identifikation mit dem Osten hat erst nach der Wiedervereinigung zugenommen", sagte Kaiser.

Für bessere Zukunftsperspektiven in Ostdeutschland forderte Kaiser mehr Zuwanderung und eine Reform der Steuern für Vermögende. "Genauso wichtig, wie junge Menschen hier zu halten, ist es, offen zu sein für neue Menschen", sagte Kaiser an die Adresse der Ostdeutschen. Internationale Firmen würden sich nur ansiedeln, wenn auch Fachkräfte aus dem Ausland willkommen seien. Sie habe etwa von ausländischen Ärzten aus dem Klinikum Gera gehört, dass sie auf der Straße diskriminiert worden seien, nachdem sie gerade einen Einheimischen operiert hätten. "Wir müssen die Menschen nicht nur als Arbeitskraft willkommen heißen, sondern auch als Nachbarn und Mitbürger im Verein. Das gilt für alle Menschen."

Die SPD-Politikerin, die als Staatsministerin im Bundesfinanzministerium angesiedelt ist, forderte darüber hinaus eine Steuerreform. "Reformen dürfen nicht darin bestehen, einfach den Sozialstaat zu kürzen und alle möglichen Dinge zu deregulieren. So werden wir keinen Wirtschaftsaufschwung erleben", sagte Kaiser dem Tagesspiegel-Newsletter. Die Agenda 2010 hätte gerade im Osten hohe gesellschaftliche Kosten verursacht. "Es wurden zwar Arbeitsplätze geschaffen, aber vor allem im Niedriglohnbereich. Wir haben viele Menschen über Jahre in Minijobs gelassen. Das Versprechen der Einheit, eine Wohlstandsgesellschaft für alle zu schaffen, galt für diese Menschen nicht." Kaiser bewertete es deshalb als "wichtig und richtig, dass wir über Reichensteuer, Vermögenssteuer oder Erbschaftssteuer reden". Wenn Menschen trotz Arbeit Angst haben müssten, dass ihre Altersvorsorge nicht ausreiche oder die Pflegekosten unbezahlbar würden, "dann müssen auch die Vermögenden einen größeren Teil beitragen".

de | politik | 69571735 |

Weitere Meldungen

NRW-Finanzminister stellt Bedingungen für Steuerreform NRW-Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU) stellt klare Bedingungen für die Zustimmung der Länder zur geplanten Einkommensteuerreform des Bundes. (Politik, 18.06.2026 - 06:40) weiterlesen...

SPD-Politiker fordert höhere Steuern auf Alkohol und Tabak Der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis spricht sich dafür aus, die Steuern auf Spirituosen, Tabak und zuckerhaltige Getränke schneller zu erhöhen als bislang geplant.Es sei schwer vermittelbar, dass Beitragszahler "immer höhere Lasten tragen, während gesundheitsschädlicher Konsum volkswirtschaftliche Folgekosten in Milliardenhöhe verursacht", sagte Pantazis, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, dem "Spiegel"."Wer Tabak, hochprozentigen Alkohol und übermäßigen Zuckerkonsum wirksam eindämmt, stärkt die Gesundheit der Menschen und schafft zugleich Spielräume, um versicherungsfremde Leistungen gerechter zu finanzieren und die GKV zu stabilisieren", sagte Pantazis. (Politik, 17.06.2026 - 05:00) weiterlesen...

Kritik aus CSU an Reformdebatte der Union zur Pflege CSU-Gesundheitsexpertin Emmi Zeulner fordert Nachbesserungen am Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) zur Pflegereform. (Politik, 16.06.2026 - 06:00) weiterlesen...

Landkreise für Streichung der 100.000-Euro-Grenze für Pflegeheime Der Deutsche Landkreistag unterstützt die Pläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU), Kinder früher für die Pflegeheimkosten ihrer Eltern heranzuziehen.Präsident Achim Brötel (CDU) sagte der "Rheinischen Post": "Wir unterstützen die Forderung, die Schonbeträge zu senken, nachdrücklich. (Politik, 16.06.2026 - 00:00) weiterlesen...

Klingbeil legt zwei Varianten für Einkommensteuerreform vor Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) legt der Verhandlerrunde von Union und SPD zwei konkrete Vorschläge für die geplante Reform der Einkommensteuer vor. (Politik, 15.06.2026 - 11:17) weiterlesen...

CDU-Spitzenkandidat im Nordosten kritisiert Tankrabatt-Aus Der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, fordert die Bundesregierung auf, den Tankrabatt Ende Juni nicht ersatzlos auslaufen zu lassen. (Politik, 14.06.2026 - 13:19) weiterlesen...