Tabaksteuer: Bundestag macht Zigaretten bis 2030 teurer
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 00:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundesrat entscheidet ĂŒber die Steuerfolgen
- Der Bundestag verabschiedete die Novelle in der Nacht zu Freitag mit den Stimmen von Union und SPD.
- Der Bund nahm im vergangenen Jahr 17,6 Milliarden Euro Tabaksteuer ein.
- Der Bundesrat kann am Freitag Einspruch gegen die Gesetzesnovelle einlegen.
Der Bundestag hat in der Nacht zu Freitag mit den Stimmen von Union und SPD eine schrittweise Anhebung der Tabaksteuer beschlossen. Eine Packung mit 20 Zigaretten soll dadurch im Durchschnitt von derzeit gut 8 Euro auf knapp 12 Euro im Jahr 2030 steigen.
Auch Feinschnitt und Liquids werden teurer
Die höheren SteuersĂ€tze gelten neben Zigaretten auch fĂŒr Feinschnitt, Zigarren, Zigarillos, Shisha-Tabak und FlĂŒssigkeiten fĂŒr E-Zigaretten. Markenzigaretten könnten 2030 bis zu 14 Euro kosten.
Der Bund erwartet durch die Reform binnen vier Jahren rund 12 Milliarden Euro zusĂ€tzliche Einnahmen. FĂŒr 2027 sind 1,5 Milliarden Euro veranschlagt, 2030 sollen es 4,5 Milliarden Euro sein.
Branche warnt vor Ausweichbewegungen
Vertreter der Tabakbranche befĂŒrchten, dass Raucher stĂ€rker auf Angebote aus dem EU-Ausland oder den Schwarzmarkt ausweichen. Der CDU-Abgeordnete Carsten Brodesser hatte deshalb fĂŒr moderatere Anhebungen geworben, konnte sich damit aber nicht durchsetzen.
Die Novelle passierte den Bundestag mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen. Zwei Abgeordnete aus der CDU/CSU-Fraktion stimmten dagegen; neben AfD und GrĂŒnen lehnte auch die Linke die Reform ab.
Gesundheitsschutz als weiteres Ziel
Der SPD-Abgeordnete Ingo Vogel verteidigte die höheren Preise als gesundheitspolitisches Signal. Sie sollten den Einstieg in den Nikotinkonsum weniger attraktiv machen; zugleich bezeichnete Vogel die Regelung als tragfÀhigen Kompromiss.
Die GrĂŒnen unterstĂŒtzten eine höhere Tabaksteuer grundsĂ€tzlich, kritisierten aber unter anderem den aus ihrer Sicht zu geringen Aufschlag bei Feinschnitt. Die AfD erklĂ€rte, die Reform diene vor allem dem Stopfen von Haushaltslöchern.
Bundesrat berÀt am Freitag
Nach dem Mikrozensus 2025 rauchen 19 Prozent der mindestens 15-JĂ€hrigen in Deutschland: 14 Prozent regelmĂ€Ăig und 5 Prozent gelegentlich. Im Jahr 2023 starben nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums rund 131.000 Menschen an tabakbedingten Erkrankungen.
Das Gesetzgebungsverfahren endet am Freitag im Bundesrat. Die LĂ€nderkammer kann Einspruch einlegen; damit wird derzeit jedoch nicht gerechnet.
Die beschlossene Anhebung verbindet zwei Ziele: Der Bund erwartet zusĂ€tzliche Einnahmen, zugleich sollen höhere Preise den Tabakkonsum unattraktiver machen. Nach der Gesetzesnovelle soll der durchschnittliche Preis fĂŒr eine Packung mit 20 Zigaretten von gut 8 Euro auf knapp 12 Euro im Jahr 2030 steigen.
FĂŒr die öffentliche Gesundheit gelten höhere Tabakpreise als wirksames Instrument, weil sie insbesondere den Einstieg erschweren und Raucherinnen und Raucher zum Aufhören bewegen können. Die MaĂnahme betrifft jedoch nicht nur klassische Zigaretten. Auch Feinschnitt, Shisha-Tabak und FlĂŒssigkeiten fĂŒr E-Zigaretten werden teurer.
Steuereinnahmen und Schwarzmarkt
Der fiskalische Erfolg hĂ€ngt davon ab, wie stark der legale Absatz zurĂŒckgeht und ob Konsumenten auf gĂŒnstigere Angebote aus dem Ausland oder illegale Quellen ausweichen. Die Tabakbranche und Teile der Politik warnen vor diesem Effekt, wĂ€hrend BefĂŒrworter auf den Gesundheitsschutz und die erwarteten Mehreinnahmen verweisen.
Deutschland nahm im vergangenen Jahr 17,6 Milliarden Euro Tabaksteuer ein. Die Neuregelung soll dem Bund binnen vier Jahren rund 12 Milliarden Euro zusĂ€tzlich bringen; zugleich dĂŒrfte der Zoll stĂ€rker gefordert sein, illegale Vertriebswege zu kontrollieren.
Was fĂŒr Verbraucher folgt
Der Bundesrat kann gegen das Gesetz Einspruch einlegen. Da ein solcher Schritt bisher nicht erwartet wird, gilt eine schrittweise Verteuerung ab 2027 als wahrscheinlich. FĂŒr Verbraucher bedeutet das höhere laufende Kosten; fĂŒr den Staat bleibt offen, ob die Einnahmenprognose trotz sinkenden Konsums erreicht wird.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: âBundestag soll höhere Tabaksteuer absegnen - Packung soll bald 12 Euro kostenâ (15.10.2026)
Der Deutschlandfunk habe die geplante Preissteigerung auf etwa 12 Euro bis 2030 und die zusÀtzlichen Einnahmen von 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2027 hervorgehoben. Anders als die dpa-Meldung habe der Beitrag zudem die BundesÀrztekammer mit ihrer EinschÀtzung zur gesundheitspolitischen Wirkung höherer Preise einbezogen.
ZDFheute: âTabaksteuer: So teuer werden Zigaretten, Tabak und Vapesâ (15.10.2026)
ZDFheute habe die voraussichtlichen Preisstufen bis 2030 sowie die Auswirkungen auf Feinschnitt und E-Zigaretten-Liquids dargestellt. Der Schwerpunkt liege damit stÀrker auf den konkreten Verbraucherpreisen; offen bleibe auch dort, wie sich die Verteuerung auf den Schwarzmarkt auswirken werde.
Beide BeitrÀge bestÀtigten die geplante schrittweise Verteuerung und die zusÀtzlichen Einnahmen. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung von Gesundheitsfolgen, Preisentwicklung und der Belastung alternativer Nikotinprodukte.
