Bevölkerungsschutz, Innenpolitik

Dobrindt setzt beim Schutzraumkonzept auf digitale Erfassung statt neuer Bunker

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 14:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will alle als Schutzraum nutzbaren Orte digital erfassen und der Bevölkerung zugänglich machen, statt neue Bunker zu bauen. Die Daten sollen künftig auch über die Warn-App Nina abrufbar sein.

Der Präsident des Deutschen Landkreistages, Achim Brötel, sagt: «Die Kommunen sind mit ihren Feuerwehren, Rettungsdiensten, Krankenhäusern, Leitstellen und Katastrophenschutzbehörden das operative Rückgrat der zivilen Verteidigung.» - Bild: Kay Nietfeld/dpa
Der Präsident des Deutschen Landkreistages, Achim Brötel, sagt: «Die Kommunen sind mit ihren Feuerwehren, Rettungsdiensten, Krankenhäusern, Leitstellen und Katastrophenschutzbehörden das operative Rückgrat der zivilen Verteidigung.» - Bild: Kay Nietfeld/dpa

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) setzt beim Schutzraumkonzept für Deutschland auf eine digitale Erfassung bereits bestehender Schutzräume und nicht auf den Neubau von Bunkern.

Digitale Datenbank für Schutzräume geplant

Bei einer Tagung mit Vertretern der Kommunen in Berlin kündigt Dobrindt an, alle als Schutzraum nutzbaren Objekte in einer zentralen Datenbank zu erfassen und diese Informationen der Bevölkerung digital zugänglich zu machen. Gemeinsam mit den Ländern werde derzeit eine strukturierte Datenbank aufgebaut, in der Schutzräume wie Tiefgaragen, Tunnel und andere Orte mit schutzrelevanter Funktion registriert werden. Ziel sei es, dass Menschen im Ernstfall schnell den nächstgelegenen Schutzraum finden können, und zwar an der Stelle, an der sie sich gerade befinden.

Einbindung in Warn-App Nina vorgesehen

Die geplanten Informationen zu den Schutzräumen sollen nach Dobrindts Vorstellungen künftig auch in der Warn-App Nina abrufbar sein. So sollen Warnhinweise und konkrete Schutzinformationen auf digitalen Wegen zusammenlaufen. Der Minister betont, dass der Bau neuer Bunker in Deutschland derzeit nicht vorgesehen ist, sondern dass bestehende Infrastruktur genutzt und im Bedarfsfall angepasst werden soll.

Schutzraumkonzept seit Jahren in Arbeit

Ein umfassendes Schutzraumkonzept für das Bundesgebiet wird bereits seit mehr als vier Jahren diskutiert. Auch unter Dobrindts Amtsvorgängerin Nancy Faeser (SPD) hat sich das Bundesinnenministerium intensiv mit der Frage befasst, insbesondere seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022. Zahlreiche deutsche Politikerinnen und Politiker sind in den vergangenen Jahren nach Finnland und in die baltischen Staaten gereist, um sich dort vorhandene Schutzräume anzuschauen und Erfahrungen auszutauschen.

Finanzierung und Ausstattung der Schutzräume

Der Bund stellt nach Angaben des Ministers die erforderlichen finanziellen Mittel für die Digitalisierung der Daten und deren Verknüpfung bereit. Zugleich geht es um die Ausstattung der erfassten Schutzräume: Nicht jeder Ort soll dauerhaft wie ein klassischer Bunker ausgerüstet werden, aber vor Ort sollen Material und Kapazitäten vorgehalten werden, um Betten und weitere notwendige Ausstattung für einen längeren Aufenthalt flexibel einsetzen zu können. So sollen die Räume bei Bedarf schnell für den Schutz der Bevölkerung nutzbar gemacht werden.

Schutzräume als Teil der neuen Sicherheitsarchitektur

Die Ankündigung Alexander Dobrindts fügt sich in eine breitere Neujustierung der deutschen Sicherheits- und Vorsorgepolitik ein. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben Bundesregierung und Länder Zivilschutz, Katastrophenschutz und Bevölkerungsschutz deutlich stärker in den Blick genommen. Das geplante digitale Schutzraumregister ist dabei ein Baustein, der bestehende Infrastruktur nutzbar machen soll, statt auf den Neubau klassischer Bunker zu setzen.

Vom Bunkerbau zur Nutzung bestehender Infrastruktur

In vielen europäischen Staaten gilt die systematische Erfassung und Ausweisung von Schutzräumen bereits als Standard. Finnland und die baltischen Staaten dienen deutschen Delegationen seit Jahren als Referenz, wenn es um die Nutzung von Tiefgaragen, unterirdischen Verkehrsadern und speziell ausgerüsteten Räumen für den Schutz der Bevölkerung geht. Dobrindts Konzept knüpft daran an, indem es auf eine strukturierte Datenbank setzt, die solche Orte identifiziert und für den Ernstfall vorbereitet. Die Bereitstellung finanzieller Mittel für Digitalisierung und Ausstattung soll sicherstellen, dass vorhandene Gebäude im Krisenfall rasch zu funktionalen Schutzräumen werden können.

Bedeutung für Bürgerinnen und Bürger

Für die Bevölkerung bedeutet das Vorhaben vor allem, dass im Ernstfall Informationen schneller und ortsgenau zur Verfügung stehen sollen. Die geplante Einbindung der Daten in die Nina-Warn-App kann dazu beitragen, Warnungen und konkrete Handlungsanweisungen zu bündeln: Von der Gefahrenmeldung über die Wegbeschreibung zum nächstgelegenen Schutzraum bis hin zu Informationen über dessen Kapazität. Gleichzeitig bleibt offen, wann das Projekt abgeschlossen ist und wie einheitlich die Qualität der Schutzräume im gesamten Bundesgebiet sein wird. Klar ist aber, dass die Diskussion um ein umfassendes Schutzraumkonzept damit einen praktischen, digitalen Schwerpunkt erhält, der den Alltag der Menschen unmittelbar betreffen kann.

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