Bundestag, ImmunitÀt

Bundestag hebt ImmunitÀt des AfD-Abgeordneten Gnauck auf

16.05.2024 - 19:16:00

Erneut hebt das Parlament die ImmunitÀt eines AfD-Abgeordneten auf, um Ermittlungen zu ermöglichen. Der sieht darin einen Versuch, die Wahlchancen seiner Partei zu verschlechtern.

Nach dem AfD-Abgeordneten Petr Bystron hat der Bundestag auch dem AfD-Parlamentarier Hannes Gnauck die ImmunitĂ€t entzogen. Das Parlament stimmte am Abend gegen die Stimmen der AfD fĂŒr eine entsprechende Beschlussempfehlung des ImmunitĂ€tsausschusses. Damit erteilten die Abgeordneten die «Genehmigung zur DurchfĂŒhrung eines gerichtlichen Disziplinarverfahrens» gegen den Vorsitzenden der Jungen Alternative. Die Jugendorganisation der AfD wurde vom Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz im April 2023 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Dagegen ist beim Oberverwaltungsgericht in MĂŒnster eine Klage anhĂ€ngig.

Über die HintergrĂŒnde der Aufhebung der ImmunitĂ€t von Gnauck wurde zunĂ€chst nichts bekannt. Nach ARD-Informationen soll es um eine Disziplinarklage aus seiner Zeit bei der Bundeswehr gehen. Gnauck vertritt die AfD im parlamentarischen Verteidigungsausschuss. Das hatten Politiker anderer Parteien bereits scharf kritisiert, nachdem bekannt geworden war, dass der MilitĂ€rische Abschirmdienst (MAD) der Bundeswehr den frĂŒheren Soldaten als «Extremisten» eingestuft hatte.

Gnauck selber, der von 2014 nach 2021 als Zeitsoldat bei der Bundeswehr war, erklĂ€rte am Abend, er habe BundestagsprĂ€sidentin BĂ€rbel Bas bereits vor Wochen angeboten, seine ImmunitĂ€t aufzuheben, um im Raum stehende VorwĂŒrfe auszurĂ€umen. Bas habe ihn damals wissen lassen, dass dieser Schritt nicht notwendig sei. Nun werde kurz vor der EU-Wahl «ohne ersichtlichen Anlass» seine ImmunitĂ€t doch aufgehoben, um Ermittlungen in einem seit drei Jahre ruhenden Verfahrens zu ermöglichen. 

«Die fÀlschliche Darstellung von Oppositionspolitikern als korrupt oder kriminell soll offensichtlich die Ergebnisse der AfD verschlechtern. Dieses Vorgehen ist demokratie- und rechtsstaatsschÀdigend», erklÀrte der Politiker. Er habe sich nichts vorzuwerfen und werde die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten. 

Gegen Gnaucks Parteikollegen Bystron wird wegen des Anfangsverdachts der Bestechlichkeit und der GeldwĂ€sche ermittelt. Deshalb wurde heute dessen ImmunitĂ€t aufgehoben und sein AbgeordnetenbĂŒro durchsucht.

@ dpa.de