Hiobsbotschaft fĂŒr Gesundheit weltweit
29.01.2025 - 16:08:49(neu: mehr Details und Hintergrund)
GENF (dpa-AFX) - Die Uhr tickt: Nach Angaben der Vereinten Nationen ist das formelle Schreiben zum RĂŒcktritt der US-Regierung aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingegangen. Der Austritt wird am 22. Januar 2026 wirksam. Damit sind wichtige WHO-Programme in Gefahr.
Die US-Regierung hat im vergangenen Jahr 18 Prozent des WHO-Budgets getragen. Sie hat 2024 nach einer Aufstellung der WHO 75 Prozent des HIV- und Hepatitis-Programms finanziert, 61 Prozent bei Tuberkulose und 29 Prozent bei der StĂ€rkung von Gesundheitssystemen in Ă€rmeren LĂ€ndern fĂŒr Notlagen.
Weniger Geld, weniger Expertise
Neben dem Austritt hat US-PrĂ€sident Donald Trump inzwischen auch die Gesundheitsbehörde CDC angewiesen, die Zusammenarbeit mit der WHO zu beenden. Die CDC unterstĂŒtzt die WHO bislang mit wichtigen Analysen und Experten bei der Beurteilung von Gefahrenlagen, der Erforschung von Pathogenen und vielem mehr.
Die WHO zeigte sich tief betroffen ĂŒber das Aussetzen des US-Programms PEPFAR, das bislang mehr als 20 Millionen Menschen in mehr als 50 Ă€rmeren LĂ€ndern HIV-Medikamente finanzierte, darunter mehr als eine halbe Million Kinder unter 15 Jahren. Nach Angaben des UN-Programms UNAIDS lenkte US-AuĂenminister Marco Rubio ein und nahm das HIV-Programm von der Ausgabensperre aus. UNAIDS-Direktorin Winnie Byanyima bedankte sich im Namen der Menschen, die nun weiter lebensrettende Medikamente bekĂ€men.
Die WHO hilft weltweit bei der EindĂ€mmung von Krankheiten und Impfungen und hat Meldeplattformen, um AusbrĂŒche gefĂ€hrlicher Krankheiten frĂŒh zu erkennen. Sie unterstĂŒtzt Ă€rmere LĂ€nder bei der Verbesserung ihres Gesundheitssektors, damit gefĂ€hrliche AusbrĂŒche schnell eingedĂ€mmt werden.
Das WHO-Budget
Die WHO-Mitglieder haben fĂŒr die zwei Jahre 2024/2025 ein Budget im Umfang von 6,8 Milliarden Dollar (gut 6,5 Mrd Euro) abgesegnet.
FĂŒr die Zweijahresperiode hatte die alte US-Regierung 706 Millionen Dollar versprochen, bestehend aus Pflicht- und freiwilligen BeitrĂ€gen. Der freiwillige Anteil von 442 Millionen Dollar war laut WHO bereits gezahlt, der Pflichtbeitrag von 264 Millionen Dollar Stand Januar 2025 noch nicht. Ob die Trump-Regierung dieses Geld ĂŒberweist, ist ungewiss. Der Pflichtbeitrag aller 194 WHO-MitgliedslĂ€nder bemisst sich an der Wirtschaftskraft eines Landes.
Als Trump in seiner ersten Amtszeit Gelder fĂŒr die WHO zurĂŒckhielt, sprang Deutschland in die Bresche und war 2020/21 gröĂter Beitragzahler. 2022/23 lag Deutschland hinter den USA an zweiter Stelle. Deutschland hat 2024 rund sechs Prozent zum WHO-Budget beigetragen. FĂŒr die Zweijahresperiode 2024/25 standen insgesamt 229 Millionen Dollar aus Deutschland in den BĂŒchern. Berlin hatte schon 2024 weitere freiwillige BeitrĂ€ge im Umfang von 260 Millionen Dollar ĂŒber vier Jahre zugesagt.
China trĂ€gt fĂŒnf Prozent zum Budget bei. FĂŒr die Zweijahresperiode sind 184 Millionen Dollar vorgesehen. Das ist weitgehend der Pflichtbeitrag. Der freiwillige Beitrag belĂ€uft sich nur auf 2,5 Millionen Dollar.

