Deutschland, Bundesregierung

Bund und LĂ€nder vertagen Finanzen - Paket fĂŒr modernen Staat

04.12.2025 - 20:06:05

Im Finanzstreit liegen Bund und LĂ€nder weit auseinander. DafĂŒr beschließen sie einen anderen Plan: Mehr als 100 Punkte fĂŒr einen modernen Staat.

Bund und LĂ€nder haben einen Plan fĂŒr ein moderneres Deutschland gefasst: Ummeldungen nach einem Umzug sollen einfacher werden, Personalausweise fĂŒr Senioren lĂ€nger gĂŒltig sein. FĂŒr die Wirtschaft sollen Berichtspflichten gestrichen, in der Verwaltung Verfahren verschlankt werden. Bei ihrem grĂ¶ĂŸten Konfliktthema jedoch, den Finanzen, schaffen Kanzler Friedrich Merz (CDU) und die MinisterprĂ€sidenten keinen Kompromiss. Wird das Probleme bei GesetzesplĂ€nen bringen, die auch viele BĂŒrger betreffen? 

Merz kĂŒndigte noch fĂŒr das erste Quartal 2026 ein Sondertreffen zur Frage der Bund-LĂ€nder-Finanzen an. Das Thema sei sehr viel komplexer als man angenommen habe, rĂ€umte er ein. Der Vorsitzende der MinisterprĂ€sidentenkonferenz, der rheinland-pfĂ€lzische Regierungschef Alexander Schweitzer (SPD), betonte, man sei «fest entschlossen, dass wir gemeinsame Lösungen finden auf allen staatlichen Ebenen». 

Wie Deutschland moderner werden soll

Staat und Verwaltung wĂŒrden vielfach als «zu bĂŒrokratisch, trĂ€ge und wenig lösungsorientiert» wahrgenommen, heißt es in einem von den LĂ€ndern erarbeiteten Punkte-Plan fĂŒr ein moderneres Land. «Es beeintrĂ€chtigt die LebensqualitĂ€t der Menschen, bremst die Investitionsbereitschaft der Wirtschaft und hemmt Innovationen.»

Nach dem Treffen in Berlin kĂŒndigte Merz an: «Wir werden gemeinsam Deutschland auf einen guten Weg bringen.» Das Paket sei ein «wirklich großer Wurf» mit umfangreichen Vereinfachungen und Entlastungen fĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger, weniger BĂŒrokratie fĂŒr die Wirtschaft und Digitalisierung der Verwaltung. Von den 200 Punkten habe man fast 150 geeint, sagte Sachsens MinisterprĂ€sident Michael Kretschmer (CDU).

Als Beispiele nannte Schweitzer bereits am Nachmittag die einfachere Beantragung von Ausweisen sowie einfachere Um- und Abmeldungen von Wohnungen. Personalausweise fĂŒr ĂŒber 70-JĂ€hrige sollen in Zukunft unbefristet gĂŒltig sein. Generell soll man beim Amt weniger Beglaubigungen brauchen. Wo man bisher noch Schreiben auf Papier braucht, sollen im Amtsverkehr kĂŒnftig oft Mails rechtsgĂŒltig sein. 

Unternehmen sollen entlastet werden, indem Berichts- und Auskunftspflichten sowie Dokumentationspflichten um mindestens ein Drittel reduziert werden. «Wir gehen davon aus, dass durch eine Entlastung der Wirtschafts- und BĂŒrokratiekosten um 25 Prozent tatsĂ€chlich auch ein Wachstumsbooster in diesem Bereich erreicht werden kann», sagte Schweitzer. 

Außerdem soll ein Antrag, der vollstĂ€ndig eingereicht, aber nicht binnen drei Monaten bearbeitet wurde, automatisch als bewilligt gelten. UnternehmungsgrĂŒndungen sollen beschleunigt und innerhalb von 24 Stunden möglich gemacht werden.

Wo es weiter Streit gibt

Das grundlegende Konfliktthema zwischen Bund und LĂ€ndern bleibt ungelöst: Muss der Bund Einbußen in den Haushalten von LĂ€ndern und Kommunen auffangen, die durch BeschlĂŒsse von Bundesregierung und Bundestag entstehen? 

Die BundeslĂ€nder drĂ€ngen darauf, dass bei neuen Steuer- und Leistungsgesetzen gilt: Wer bestellt, der bezahlt. In der Vergangenheit seien LĂ€nder und Kommunen auf Kosten zum Beispiel fĂŒr Gesetze zur Kinderbetreuung, zur Inklusion und in der FlĂŒchtlingspolitik sitzengeblieben.

Die Kommunen brauchten Hilfe angesichts ihrer defizitĂ€ren Haushalte, rĂ€umte Merz ein. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) ist ebenfalls bereit, StĂ€dte und Gemeinden finanziell stĂ€rker zu unterstĂŒtzen, wenn kĂŒnftige Leistungsgesetze Auswirkungen auf die kommunalen Haushalte haben. Die Folgen von Steuergesetzen will er allerdings nicht ausgleichen - und auch kein zusĂ€tzliches Geld an die LĂ€nder zahlen.

Weil es keine Aussicht auf einen Kompromiss gab, vertagten Bund und LĂ€nder die Lösung ihres Streits. Das geschehe, «um dem Bund die Chance zu geben, sein Angebot noch mal zu verbessern», sagte Schweitzer. Es mĂŒsse eine nachhaltige Lösung gefunden werden.

Was das fĂŒr Folgen haben könnte

Im Bundesrat stehen Steuerentlastungen zur Abstimmung an, deren Kosten etwas zur HÀlfte LÀnder und Kommunen tragen sollen: Die Erhöhung der Pendlerpauschale und die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie. Werden die LÀnder nun den Vermittlungsausschuss anrufen, um eine Kompensation des Bundes zu erstreiten?

Beide Entlastungen wĂŒrden beschlossen, betonte Sachsens MinisterprĂ€sident Michael Kretschmer (CDU): «Das ist versprochen und das sind wir den Leuten auch schuldig.» Schweitzer erklĂ€rte, er könne noch nicht sagen, ob es zu einer Mehrheit im Bundesrat kommen werde - bei der Konferenz der MinisterprĂ€sidenten mit dem Kanzler habe das Abstimmungsverhalten keine Rolle gespielt.

@ dpa.de

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