Gesundheit, Justiz

Derzeit 209 Impfstoff-Schadenersatzklagen anhÀngig

01.07.2023 - 01:10:23 | dts-nachrichtenagentur.de

Im Vorfeld des fĂŒr Montag am Landgericht Rottweil anberaumten Schadenersatzprozesses gegen den Impfstoffhersteller Biontech hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) die exakte Zahl der vor Gericht anhĂ€ngigen Schadenersatzklagen gegen Impfstoffhersteller veröffentlicht.

Impfung - Foto: ?ber dts Nachrichtenagentur

"Derzeit sind 209 Schadensersatzbegehren gegen die Hersteller von Covid-19-Impfstoffen vor Gericht anhĂ€ngig", teilte das BMG auf Anfrage der "Welt am Sonntag" mit. Die Anzahl der Prozesse ist dem Ministerium auch deshalb bekannt, weil die Bundesrepublik Deutschland die Rechtsanwaltskosten und mögliche Schadenersatzforderungen fĂŒr die Herstellerfirmen weitgehend trĂ€gt.

Dazu ist die Bundesrepublik gemĂ€ĂŸ den VertrĂ€gen mit den Impfstoffherstellern verpflichtet, welche die EU-Kommission wĂ€hrend der Pandemie geschlossen hat. AnwĂ€lte der möglicherweise impfgeschĂ€digten KlĂ€ger kritisieren die staatliche KostenĂŒbernahme als Nachteil fĂŒr die KlĂ€ger in den anlaufenden Prozessen. "Der Staat nimmt in den Covid-19-Prozessen eine Doppelrolle ein, die problematisch ist", sagte der Wiesbadener Rechtsanwalt Joachim CĂ€sar-Preller, der den KlĂ€ger im Rottweiler Prozess gegen Biontech vertritt. Der DĂŒsseldorfer Rechtsanwalt Tobias Ulbrich, der nach eigenen Angaben rund 1.500 Mandanten in der Angelegenheit vertritt, befĂŒrchtet durch die staatliche KostenĂŒbernahme Auswirkungen auf die anlaufenden Schadenersatzprozesse. "Die Hersteller haben aufgrund der staatlichen Bezahlung ihrer AnwĂ€lte nicht das geringste Interesse, einen Vergleich zu schließen", sagte Ulbrich in der "Welt am Sonntag". Kathrin Vogler, gesundheitspolitische Sprecherin der Linken, nannte es verstĂ€ndlich, "dass der Staat in der Pandemielage den Herstellern das Haftungsrisiko weitgehend abgenommen hat, um die Versorgung der Bevölkerung mit Impfstoffen sicherzustellen". Allerdings sorge das bei den Betroffenen dafĂŒr, "dass sie sich einer kaum ĂŒberwindbar erscheinenden Phalanx von AnwĂ€lten und Gutachtern entgegensehen, die sie im Auftrag der Rechtsabteilungen der Konzerne, aber auf Kosten der Steuerzahlenden, in einen Kampf David gegen Goliath drĂ€ngen", so Vogler. Zudem kritisierte sie, dass der Staat hier vollstĂ€ndig an der Seite der Konzerne stehe und den BĂŒrgern bestenfalls nach einer EinkommensprĂŒfung Rechtsberatungshilfe zukommen lasse. Dies "verschĂ€rft diese SchrĂ€glage und bedarf dringender Korrektur", so Vogler.

dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

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