Studie: Viele vermeidbare TodesfÀlle in Deutschland
27.06.2023 - 10:27:33Ihr Anteil an allen SterbefĂ€llen betrug 19 Prozent im Zeitraum von 2017 bis 2019, so das Ergebnis einer Studie des Bundesinstituts fĂŒr Bevölkerungsforschung (BiB) und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Als "vermeidbar" werden alle diejenigen TodesfĂ€lle von Unter-75-JĂ€hrigen eingestuft, die auf Basis des aktuellen Stands des medizinischen Wissens durch "Vorbeugung, FrĂŒherkennung beziehungsweise eine optimale Behandlung" verhinderbar wĂ€ren.
Der Anteil ist erheblich, wenn beachtet wird, dass ein GroĂteil der SterbefĂ€lle im Alter ab 75 Jahren erfolgt. Bei MĂ€nnern ist der Anteil mit 24 Prozent höher als bei Frauen mit 13 Prozent. Die Studie offenbart bei vermeidbaren SterbefĂ€llen ein betrĂ€chtliches Nord-SĂŒd- und Ost-West-GefĂ€lle: Demnach verringern diese die Lebenserwartung besonders stark in Ostdeutschland, vor allem in Vorpommern und Sachsen-Anhalt - und dies trotz groĂer Fortschritte, die bei der Reduzierung der vermeidbaren Sterblichkeit seit der Wiedervereinigung erreicht wurden. Aber auch einige von wirtschaftlichem Strukturwandel geprĂ€gte Regionen in Westdeutschland wie Ostfriesland, das Ruhrgebiet und das Saarland weisen eine Ă€hnlich hohe vermeidbare Sterblichkeit auf. Die geringste Zahl an vermeidbaren TodesfĂ€llen verzeichnen dagegen die Schweiz und SĂŒdtirol, gefolgt vom Westen Ăsterreichs und dem SĂŒden Deutschlands. In Ăsterreich gibt es Ă€hnlich wie in Deutschland ein Ost-West-GefĂ€lle zuungunsten des Ostens mit der höchsten vermeidbaren MortalitĂ€t in der Hauptstadt Wien. Dagegen sind die regionalen Unterschiede in der Schweiz vergleichsweise gering. "Obwohl der SĂŒden Deutschlands mit der Metropolregion MĂŒnchen und dem sĂŒdlichen Baden-WĂŒrttemberg im innerdeutschen Vergleich relativ gut dasteht, ist die vermeidbare Sterblichkeit in der Schweiz und in SĂŒdtirol noch einmal merklich niedriger", fasste der BiB-MortalitĂ€tsforscher Michael MĂŒhlichen die Ergebnisse zusammen. Dabei ist der Abstand zur Schweiz und SĂŒdtirol in den letzten Jahren sogar noch gewachsen. "Insofern besteht in allen Regionen Deutschlands noch Potenzial, vermeidbare TodesfĂ€lle zu reduzieren", so MĂŒhlichen. Deutschland hat aber nicht nur bei vermeidbaren TodesfĂ€llen einen Nachholbedarf gegenĂŒber seinen sĂŒdlichen Nachbarn, "auch bei der Sterblichkeit im höheren Alter, vor allem im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zeigen sich Defizite", so Pavel Grigoriev, Mitautor der Studie und Leiter der Forschungsgruppe MortalitĂ€t am BiB. Die hohe Zahl an vermeidbaren TodesfĂ€llen steht im Kontrast zu den Ausgaben im Bereich der Gesundheitsversorgung, die pro Kopf im weltweiten Vergleich mit zu den höchsten gehören. Die Autoren sehen unter anderem Verbesserungsbedarf bei PrĂ€ventionsmaĂnahmen und -politiken, um gesundheitsschĂ€digendes Verhalten wie etwa Rauchen oder Alkoholmissbrauch wirkungsvoller einzudĂ€mmen. Auch bei der FrĂŒherkennung und deren adĂ€quater Inanspruchnahme hinke Deutschland hinterher. Viele Behandlungen setzten spĂ€t an, wenn Erkrankungen schon stark fortgeschritten seien, so die Forscher.
dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH


