EZB bleibt in Lauerstellung: Leitzinsen unverÀndert
30.10.2025 - 14:25:07Die EuropĂ€ische Zentralbank bleibt in einer Welt voller Krisen vorsichtig: Sie lĂ€sst den fĂŒr Sparer und Banken relevanten Einlagenzins unverĂ€ndert bei 2,0 Prozent, wie die Notenbank mitteilte. Das entschied der EZB-Rat, der ausnahmsweise in Florenz tagte und nicht am Sitz der Notenbank in Frankfurt.
Damit bleibt die EZB nach einer Serie von Zinssenkungen in Lauerstellung, wĂ€hrend die US-Notenbank Fed am Mittwoch die Leitzinsen zum zweiten Mal in diesem Jahr senkte. Schon im Juli und September hatte die EZB die Leitzinsen im Euroraum unverĂ€ndert gelassen und auf ein «auĂergewöhnlich unsicheres Umfeld» hingewiesen.
Inflation eingedÀmmt
Zuvor hatte die Notenbank die Leitzinsen achtmal binnen eines Jahres herabgesetzt. Noch im FrĂŒhjahr 2024 lag der Einlagenzins, den Banken erhalten, wenn sie Geld bei der EZB parken, doppelt so hoch bei 4,0 Prozent. Seither sind auch die Sparzinsen deutlich gesunken.
Wichtigste Aufgabe der EZB ist es, fĂŒr einen stabilen Euro zu sorgen und so die Kaufkraft der Menschen zu erhalten. Das Ziel sieht die Zentralbank bei einer Inflationsrate von mittelfristig 2,0 Prozent gewĂ€hrleistet. Die Leitzinsen der EZB haben weitreichende Auswirkungen an den FinanzmĂ€rkten und beeinflussen etwa die Höhe der Kreditzinsen fĂŒr Unternehmen und die Zinsen fĂŒr Sparer.Â
Leichter AufwÀrtstrend bei Sparzinsen
Zuletzt beobachtete das Vergleichsportal Verivox wieder leicht steigende Tages- und Festgeldzinsen. Allerdings mache die angezogene Inflation den Effekt zunichte, sodass Sparer unterm Strich Geld verlieren - insbesondere mit Tagesgeld, das zuletzt im Schnitt 1,28 Prozent Zinsen abwarf, wĂ€hrend sich die Teuerung ĂŒber der 2-Prozent-Marke eingependelt hat.
An den FinanzmĂ€rkten ist mit der Zinspause der EZB die Erwartung sinkender Leitzinsen geschwunden. Viele Ăkonomen glauben, dass die Notenbank die Zinsen dieses Jahr nicht mehr antasten wird: Die nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ausgeuferte Inflation im Euroraum ist eingedĂ€mmt. FĂŒr das laufende Jahr erwartet die EZB eine Teuerungsrate von 2,1 Prozent. Das wĂ€re nur leicht ĂŒber dem Ziel der Notenbank von 2,0 Prozent.
Zudem hĂ€lt sich die Wirtschaft in der Eurozone trotz höherer US-Zölle robuster als erwartet. Im dritten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt nach Daten von Eurostat um 0,2 Prozent zu, getragen von einstigen KrisenlĂ€ndern wie Spanien und Portugal sowie Frankreich. Zuletzt hob die EZB ihre Wachstumsprognose fĂŒr dieses Jahr sogar leicht an. Und angesichts der vielen Unruheherde, darunter die Regierungskrise in Frankreich, spricht viel dafĂŒr, dass sich die Notenbank alle Optionen offen und ihr Pulver trocken halten will. Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel betonte jĂŒngst, er sehe geldpolitisch «gegenwĂ€rtig keinen Handlungsbedarf».
Lagarde sieht EZB gerĂŒstet fĂŒr Schocks
EZB-PrÀsident Christine Lagarde sah die Notenbank zuletzt in einer guten Position. Bei einem Einlagenzins von 2,0 Prozent habe die EZB Spielraum, um zu reagieren, falls sich die Inflationsrisiken verschieben oder neue Schocks auftreten sollten, sagte sie.
Zuletzt sorgte die Regierungskrise in Frankreich fĂŒr Unruhe an den FinanzmĂ€rkten. Erst kĂŒrzlich senkte die Ratingagentur S&P ihre BonitĂ€tsnote fĂŒr Frankreich, was den Druck auf das hochverschuldete Land erhöht.Â
Vorerst Ruhe im Zollstreit
Manche Volkswirte sehen auch die Inflationsrisiken im Euroraum nicht ganz gebannt. So stiegen die Verbraucherpreise im September auf 2,2 Prozent. Im WÀhrungsraum hÀlt sich zudem die Inflation ohne die stark schwankenden Lebensmittel- und Energiepreise hartnÀckig, zuletzt lag diese sogenannte Kerninflation bei 2,3 Prozent.
Immerhin: Die Sorgen um den Zollstreit mit den USA sind gesunken. Zwar bleibt US-PrĂ€sident Donald Trump unberechenbar, doch mit dem Handelsabkommen zwischen Washington und BrĂŒssel ist das Szenario einer Eskalation ausgeblieben. Noch im FrĂŒhjahr hatten manche Notenbanker, gerade aus SĂŒdeuropa, fĂŒr weitere Zinssenkungen plĂ€diert, um die Konjunktur anzukurbeln.







