Berlin, Extremismus

Brandanschlag auf Kabel – Zehntausende Berliner ohne Strom

09.09.2025 - 13:59:14 | dpa.de

Kein Licht, keine Notrufe, geschlossene GeschĂ€fte – eine Brandstiftung zerstört Stromleitungen. Auch Pflegeheime und Patienten sind betroffen. Tausende sind stundenlang ohne Strom.

  • Viele GeschĂ€fte sind wegen des Stromausfalls geschlossen.  - Foto: Julius-Christian Schreiner/dpa
    Viele GeschÀfte sind wegen des Stromausfalls geschlossen. - Foto: Julius-Christian Schreiner/dpa
  • Nach einem Brandanschlag und einem Stromausfall ermittelt die Polizei.  - Foto: Jens Kalaene/dpa
    Nach einem Brandanschlag und einem Stromausfall ermittelt die Polizei. - Foto: Jens Kalaene/dpa
  • Die Polizei musste den Verkehr regeln. - Foto: Jens Kalaene/dpa
    Die Polizei musste den Verkehr regeln. - Foto: Jens Kalaene/dpa
Viele GeschÀfte sind wegen des Stromausfalls geschlossen.  - Foto: Julius-Christian Schreiner/dpa Nach einem Brandanschlag und einem Stromausfall ermittelt die Polizei.  - Foto: Jens Kalaene/dpa Die Polizei musste den Verkehr regeln. - Foto: Jens Kalaene/dpa

Zehntausende Berliner Haushalte trifft ein Stromausfall mitten in der Nacht. Grund ist nach ersten Ermittlungen der Polizei vermutlich ein politisch motivierter Brandanschlag auf zwei Strommasten in der Hauptstadt, der die dortige Energieversorgung lahmlegt. Rund 50.000 Haushalte und Firmen im Berliner SĂŒdosten sind betroffen, viele davon blieben bis zum Nachmittag ohne Strom, manche noch lĂ€nger. Über mögliche TĂ€ter aus extremistischen Kreisen war zunĂ€chst noch nichts bekannt.

Der Alarm ging um 3.30 Uhr ein. Das Feuer zerstörte mehrere dicke Starkstromleitungen am Fuß der Masten am Königsheideweg im Bezirk Treptow-Köpenick nahe einem Wohnviertel mit EinfamilienhĂ€usern und viel GrĂŒn. Eine Stunde brauchten Feuerwehrleute, um den Brand zu löschen. Die TĂ€ter hatten nach ersten Erkenntnissen einen sogenannten Brandbeschleuniger, also etwa Benzin, eingesetzt.

Bis zu 50.000 Haushalte vom Blackout betroffen

Betroffen waren von dem Stromausfall seit der Nacht nach Angaben von Stromnetz Berlin 50.000 Kunden. Die Feuerwehr sprach von mehr als 43.000 Haushalten und 3.000 Firmen. Außerdem waren Schulen, Kitas und zwei Pflegeheime ohne Strom. Ampeln und Straßenbeleuchtung fielen aus. Die Feuerwehr kĂŒmmerte sich um die Pflegeheime. Mehrere Patienten, die etwa auf Beatmungen angewiesen waren, wurden in KrankenhĂ€user verlegt.

Mobilfunk- und Festnetzverbindungen sowie die Erreichbarkeit der Notrufe 110 und 112 waren teilweise gestört. Die Polizei forderte dazu auf, sich in dringenden NotfÀllen direkt an die nÀchstgelegene Wache zu wenden. 

In Berlin kommt es immer wieder zu StromausfĂ€llen, allerdings von kleinerem Ausmaß. «Diese Dimension ist die absolute Ausnahme», sagte ein Sprecher von Stromnetz Berlin. 

Spurensuche lĂ€uft – Reparatur kann noch viele Stunden dauern

Die Arbeiten an der Stromversorgung könnten noch bis Mittwoch dauern. «Wir richten uns darauf ein, dass wir nicht heute damit fertig werden», sagte Stromnetz Berlin-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Erik Landeck vor Ort. Die technischen Arbeiten können erst beginnen, wenn die Polizei mit der Spurensuche vor Ort fertig sei. 

Kurz nach 10.00 Uhr seien bereits mehr als 14.000 Kunden wieder versorgt gewesen, sagte Landeck. Das sei durch die Inbetriebnahme von Kabeln, die eigentlich außer Betrieb waren, gelungen. FĂŒr die restlichen Kunden werde es wegen der Reparaturen etwas lĂ€nger dauern. «Wir werden keine neuen Masten aufstellen können.»

Polizei ermittelt, ob es ein politischer Anschlag war

Kriminaltechniker untersuchten am Morgen den Tatort im Stadtteil Johannisthal. Hinweise auf einen Anschlag mutmaßlich durch politische Extremisten seien die Wahl der beiden Strommasten als Anschlagsziel und das Vorgehen der TĂ€ter, hieß es von der Polizei. Ein Anwohner erzĂ€hlte, eine Nachbarin habe nachts «ein Knistern und einen Knall» gehört. 

Aus welcher politischen Richtung die TĂ€ter kommen könnten, war zunĂ€chst unbekannt. Ein Bekennerschreiben gab es am Vormittag noch nicht. Die Ermittlungen ĂŒbernahm der fĂŒr politisch motivierte Straftaten zustĂ€ndige Staatsschutz des Landeskriminalamts. 

Auf den großen Durchgangsstraßen von Köpenick Richtung Innenstadt und auch in den Wohnvierteln blieb es laut Polizei ruhig. Auch von mehr UnfĂ€llen oder sonstigen ZwischenfĂ€llen wurde nichts bekannt. 

Stromausfall legt Ampeln und GeschÀfte lahm

Polizisten regelten an Kreuzungen mit ausgefallenen Ampeln den Verkehr. «Wir sind auch sonst auf den Straßen prĂ€sent, um ansprechbar zu sein», sagte eine Polizeisprecherin. Die S-Bahnen fuhren, aber viele Lautsprecheransagen, Anzeigen, AufzĂŒge und Fahrkartenautomaten funktionierten nicht.

Das große Einkaufszentrum Schöneweide wirkte wie ausgestorben, am Vormittag waren die GeschĂ€fte dunkel, VerkĂ€ufer saßen drinnen. Nur ein großer Supermarkt war hell erleuchtet. Bei einem anderen stand ein Einkaufswagen mit einem Schild quer in der geöffneten LadentĂŒr: «Geschlossen Stromausfall !!!!»

Ein Friseur sagte, er habe sich schon beim Aufstehen gewundert: «Alles war so dunkel.» Im Laden habe es dann am Morgen geheißen: «Wir können nicht arbeiten.» Bis mittags habe sich das auch nicht geĂ€ndert, es sei zu dunkel in den RĂ€umen. 

Eine Apothekerin sagte: «Wir mĂŒssen Kunden wegschicken, wir können nicht kassieren, wir können die Rezepte nicht einlösen. Wir mussten unsere KĂŒhlware woanders hinbringen und das ganz, ganz schnell.» Heutzutage sei alles digital und das mache es ohne Strom sehr schwierig.

Senatorin schickt Lautsprecherwagen fĂŒr Infos an die Anwohner

Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) schickte Lautsprecherwagen in die betroffenen Ortsteile. Sie sollen «die Bevölkerung unter anderem ĂŒber Anlaufpunkte informieren». Sie habe vereinbart, dass noch am Dienstag zwei sogenannte Katastrophenschutz-LeuchttĂŒrme, das sind Anlaufstellen mit Personal und Stromversorgung, aufgebaut und in Betrieb genommen werden sollten. 

Nach Angaben der Stromnetz-Betreiber ist der Fall vergleichbar mit einer Störung 2019 in Köpenick. Damals war ein Kabel bei Bauarbeiten beschÀdigt worden. Der Stromausfall traf mehr als 30.000 Haushalte und 2.000 Gewerbebetriebe und dauerte rund 30 Stunden.

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
de | politik | 68168470 |