Deutschland, Steuern

Wegen SteuerplÀnen: Zigaretten sollen deutlich teurer werden

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 14:36 Uhr, dpa.de

Legale ZigarettenverkĂ€ufe bringen dem Bund milliardenschwere Steuereinnahmen. KĂŒnftig sollen es noch mehr werden. Die Tabaklobby hat aber Zweifel. Die BundesĂ€rztekammer begrĂŒĂŸt höhere Steuern.

  •  Die Tabaksteuern in Deutschland sollen deutlich steigen, wodurch sich die Preise fĂŒr Zigaretten erheblich erhöhen wĂŒrden.  - Bild: Jens Kalaene/dpa
    Die Tabaksteuern in Deutschland sollen deutlich steigen, wodurch sich die Preise fĂŒr Zigaretten erheblich erhöhen wĂŒrden. - Bild: Jens Kalaene/dpa
  • Tabaklobbyist Jan MĂŒcke hĂ€lt nichts von deutlich höheren Tabaksteuern. - Bild: Wolf von Dewitz/dpa
    Tabaklobbyist Jan MĂŒcke hĂ€lt nichts von deutlich höheren Tabaksteuern. - Bild: Wolf von Dewitz/dpa
  • FĂŒhrt eine höhere Tabaksteuer zu mehr Schwarzmarkt? - Bild: Sven Hoppe/dpa
    FĂŒhrt eine höhere Tabaksteuer zu mehr Schwarzmarkt? - Bild: Sven Hoppe/dpa
 Die Tabaksteuern in Deutschland sollen deutlich steigen, wodurch sich die Preise fĂŒr Zigaretten erheblich erhöhen wĂŒrden.  - Bild: Jens Kalaene/dpa Tabaklobbyist Jan MĂŒcke hĂ€lt nichts von deutlich höheren Tabaksteuern. - Bild: Wolf von Dewitz/dpa FĂŒhrt eine höhere Tabaksteuer zu mehr Schwarzmarkt? - Bild: Sven Hoppe/dpa

Raucher sollen ab dem kommenden Jahr deutlich stĂ€rker zur Kasse gebeten werden. Die schwarz-rote Koalition will die Tabaksteuer stĂ€rker erhöhen als bisher geplant. Ziel sind Mehreinnahmen auch fĂŒr das Gesundheitssystem. Eine Zigarettenpackung könnte im kommenden Jahr nach einer Steueranhebung 9,10 Euro kosten und damit 33 Cent mehr als bislang erwartet. Schrittweise soll es nach oben gehen. 2030 wird mit einem Packungspreis von durchschnittlich 11,78 Euro gerechnet, wie aus der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Informationen hervorgeht.

Das wÀren 42 Cent mehr als das Ministerium auf Basis seines Gesetzesentwurfs angenommen hatte, den das Bundeskabinett erst vergangene Woche verabschiedet hatte. Markenzigaretten könnten nach BranchenschÀtzung pro 20er Packung 13 bis 14 Euro kosten, derzeit sind es bei einigen Marken 9,40 Euro. 

Zuerst hatte das «Redaktionsnetzwerk Deutschland» (RND) ĂŒber eine sogenannte Formulierungshilfe des Bundesfinanzministeriums fĂŒr die Koalitionsfraktionen berichtet. Das Papier liegt der dpa ebenfalls vor.

Mehreinnahmen sollen sich verdoppeln

Aus Koalitionskreisen hieß es nun zum Beschluss des Bundeskabinetts zur Erhöhung der Tabaksteuer in der vergangenen Woche, dies diene der Haushaltskonsolidierung. Der Bund muss MilliardenlĂŒcken schließen. Die Erhöhung diene aber auch dem Schutz der öffentlichen Gesundheit und stehe im Einklang mit dem Ziel der Bundesregierung, die Raucherquote von Jugendlichen und Erwachsenen zu senken.

Laut ursprĂŒnglichem Gesetzesentwurf sollten durch eine höhere Tabaksteuer die Einnahmen um rund 0,8 Milliarden Euro im Jahr 2027 nach oben gehen. Auf Basis der verschĂ€rften PlĂ€ne sollen nun weitere rund 0,8 Milliarden Euro hinzukommen - die jĂ€hrlichen Steuermehreinnahmen wĂŒrden sich also verdoppeln. 

Ab 2028 sollen die Mehreinnahmen nach weiteren Steueranhebungen deutlich steigen, 2030 sollen es 4,4 Milliarden Euro sein - alles in allem könnte die Tabaksteuer im Jahr 2030 dann rund 21 Milliarden Euro in die Kassen des Bundes bringen. 

Scharfe Kritik von der Tabaklobby

In der Tabakbranche lösten die PlĂ€ne KopfschĂŒtteln aus. «Die Bundesregierung plant mit Mehreinnahmen, die reine Fantasie sind, nichts davon wird RealitĂ€t werden», sagt der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Branchenverbandes BVTE, Jan MĂŒcke. Stattdessen werde der Staat weniger Einnahmen bekommen, weil viele Menschen angesichts höherer Preise auf den Schwarzmarkt ausweichen und sich illegale Zigaretten beschaffen werden. «Die Steueranhebung wĂ€re ein Konjunkturprogramm fĂŒr die organisierte KriminalitĂ€t.»

Raucherinnen und Raucher seien preissensibel, sagt der Branchenvertreter. Zu Jahresbeginn sei die Tabaksteuer auf eine 20er-Packung ohnehin schon um 15 Cent angestiegen. Seither habe der Bund nur 5,2 Milliarden Euro an Tabaksteuer eingenommen, im gesamten Vorjahr seien es 17,6 Milliarden Euro gewesen. «Der letztjÀhrige Wert wird dieses Jahr nicht erreicht werden - und wenn die Steuerlast in den nÀchsten Jahren noch deutlich schwerer wird, so wird sich dieser Sinkflug bei den Steuereinnahmen fortsetzen.»

Christian Cordes von Reemtsma sieht es Ă€hnlich. «Die legale Packung wird hierzulande deutlich teurer, wĂ€hrend das Angebot an billiger, unversteuerter Ware aus dem Kofferraum oder aus dem Ausland weiter wĂ€chst», sagt er. «Damit drohen uns auch in Deutschland bald französische oder niederlĂ€ndische VerhĂ€ltnisse, wo der legale Markt faktisch zusammengebrochen ist und der grenzĂŒberschreitende sowie illegale Handel boomen.»

Krebsforscher und Ärztekammer fĂŒr höhere SteuersĂ€tze

Krebsforscher bewerten höhere Steuern auf Zigaretten hingegen positiv. So betont Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), dass die dadurch anziehenden Preise ein probates Mittel seien, um den krebserregenden Zigarettenkonsum zu drĂŒcken und Menschen zum Rauchstopp zu bewegen. Außerdem wĂ€ren hohe Zigarettenpreise eine geeignete Barriere, damit junge Leute gar nicht erst anfangen mit dem Rauchen. Im internationalen Vergleich seien die Preise fĂŒr Zigaretten in Deutschland noch immer zu niedrig. Laut Statistischem Bundesamt raucht jeder FĂŒnfte der Ab-15-JĂ€hrigen in Deutschland.

Klaus Reinhardt, PrĂ€sident der BundesĂ€rztekammer, sagte: «Sollte die Bundesregierung die Tabaksteuer stĂ€rker als bislang geplant anheben, ist dies aus Sicht der BundesĂ€rztekammer richtig. Höhere Preise tragen dazu bei, den Tabakkonsum zu senken und insbesondere Kinder und Jugendliche besser vor dem Einstieg zu schĂŒtzen.» Die zusĂ€tzlichen Einnahmen sollten nicht dazu dienen, Haushaltslöcher zu stopfen, sondern mĂŒssten gezielt in PrĂ€vention und Gesundheitsförderung fließen. 

Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) verwies im ARD-«Morgenmagazin» zur Tabaksteuer auf VerĂ€nderungen zugunsten der KrankenhĂ€user. Bundestag und Bundesrat hatten den Weg fĂŒr ein Sparpaket von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) freigemacht, das die KrankenkassenbeitrĂ€ge stabil halten soll. Dabei kam der Bund den LĂ€ndern mit finanziellen ZugestĂ€ndnissen fĂŒr die Kliniken entgegen. SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis erklĂ€rte, vom Ministerium zugesagte 550 Millionen Euro seien nicht Teil des parlamentarisch beschlossenen Finanzierungskonzepts und bislang nicht gegenfinanziert.

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