Studie: Menschen atmen Zehntausende Mikroplastikteile ein
31.07.2025 - 06:26:27Besonders in InnenrÀumen wie Wohnungen und in Autos könnten laut einer Studie tÀglich im Schnitt rund 68.000 winzige Plastikpartikel in die Atemwege eines Erwachsenen gelangen - bei Kindern sind es etwa 47.000.
Die Forschenden um Nadiia Yakovenko vom Geowissenschaftlichen Institut der UniversitÀt Toulouse berichten in der Fachzeitschrift "PLOS One", dass die Belastung mit besonders kleinen Teilen zwischen einem und zehn Mikrometern Durchmesser weit höher liegt als zuvor vermutet.
Teilchen dieser GröĂe gelten als besonders problematisch, weil sie tief in die Lunge vordringen und dort möglicherweise EntzĂŒndungen, ZellschĂ€den oder andere gesundheitliche Probleme auslösen können. FrĂŒhere SchĂ€tzungen, die auf gröĂeren Partikeln basierten, lagen rund hundertfach niedriger. "Die tatsĂ€chliche Belastung durch eingeatmetes Mikroplastik wurde bislang massiv unterschĂ€tzt", heiĂt es in der Studie.
InnenrÀume stark belastet - besonders Autos
Gemessen wurde die Belastung unter anderem in Privatwohnungen und in AutoinnenrĂ€umen in SĂŒdfrankreich. WĂ€hrend in WohnrĂ€umen im Schnitt 528 Mikroplastikpartikel pro Kubikmeter Luft nachgewiesen wurden, lag die Konzentration in Autos mit 2.238 Partikeln deutlich höher. 94 Prozent dieser gefundenen Teilchen war kleiner als zehn Mikrometern, also fĂ€hig in die Lunge einzudringen. Im Anschluss wurden Berechnungen vorgenommen, wie viel davon Menschen durchschnittlich am Tag einatmen.
Hauptquellen der Belastung sind laut Studie der Abrieb von Textilien, Kunststoffmöbeln oder der Innenverkleidung von Fahrzeugen. Die Mehrheit der nachgewiesenen Partikel bestand aus Polyethylen und Polyamid - Kunststoffe, die hÀufig in Alltagsprodukten vorkommen.
Wie der Körper mit Mikroplastik umgeht
Die gesundheitlichen Auswirkungen sind bislang kaum erforscht. Einige der winzigen Partikel können tief in die Lunge eindringen und dort möglicherweise EntzĂŒndungsprozesse auslösen.
Eleonore Fröhlich von der Medizinischen UniversitĂ€t Graz und Professorin an der UniversitĂ€t TĂŒbingen weist darauf hin, dass Mikroplastik zwar potenziell gesundheitlich relevant ist - im Vergleich zur deutlich höheren Feinstaubbelastung jedoch derzeit als weniger gravierend einzuschĂ€tzen sei. Feinstaub enthalte oft toxischere Substanzen und sei in deutlich gröĂeren Mengen in der Luft vorhanden.
Aber auch die Form der Partikel spiele eine Rolle fĂŒr ihre Wirkung im Körper: WĂ€hrend Feinstaub meist aus eher runden Partikeln besteht, handele es sich bei Mikroplastik oft um Fasern oder unregelmĂ€Ăige Fragmente. Solche faserförmigen Teilchen können laut Fröhlich weniger tief in die Lunge eindringen, da sie sich besonders leicht an Verzweigungen in den Atemwegen ablagern. Da die Lunge Partikel, die sich einmal festgesetzt haben, nur begrenzt abtransportieren kann, kann dies ihre Funktion auf Dauer beeintrĂ€chtigen.
Forschung steht noch am Anfang
Die Autorinnen und Autoren der Studie betonen, dass ihre Ergebnisse ein starkes Argument dafĂŒr seien, die gesundheitlichen Folgen der Mikroplastikbelastung in InnenrĂ€umen systematisch zu erforschen. Menschen in modernen Gesellschaften verbringen rund 90 Prozent ihrer Zeit in geschlossenen RĂ€umen - potenziell also in einer Umgebung mit erhöhter Belastung durch Plastikpartikel in der Luft.
Berechnete Werte mit Unsicherheiten
Der direkte Nachweis von Mikroplastik im menschlichen Körper wurde im Rahmen der Studie nicht versucht. Stattdessen wurden Luftproben in InnenrĂ€umen genommen und auf dieser Basis berechnet, wie viele Partikel beim Atmen theoretisch aufgenommen werden - etwa im Alltag zu Hause oder im Auto. Dabei legten die Forschenden Standardwerte fĂŒr das Atemvolumen ruhender Personen zugrunde.
Professorin Fröhlich weist darauf hin, dass die Daten auf Messungen aus relativ kleinen Luftvolumina und auf der Analyse nur eines kleinen Teils der Gesamtprobe basieren und deshalb mit Unsicherheiten behaftet sein können: "Jeder kleine Messfehler setzt sich fort." Zudem könne körperliche AktivitĂ€t die tatsĂ€chliche Aufnahme deutlich erhöhen. FĂŒr belastbare Aussagen sei eine breitere Datengrundlage notwendig.

