Deutschland, Gesundheit

Drohender Engpass bei Antibiotika - Sonderregeln

24.01.2026 - 16:11:49

Nachschubprobleme bei Medikamenten kommen öfter vor, und meist lassen sie sich direkt ausgleichen. Bei bestimmten PrÀparaten ist die Lage jetzt schwieriger - und das Ministerium wird aktiv.

Wegen drohender kritischer LieferengpĂ€sse bei bestimmten Antibiotika greifen fĂŒr sie jetzt Sonderregeln zum Sichern der Versorgung. Das Bundesgesundheitsministerium gab bei Arzneimitteln mit dem Wirkstoff Benzylpenicillin-Benzathin, die gespritzt werden, einen Versorgungsmangel bekannt. Diese Feststellung erlaubt nun befristet Abweichungen von Vorgaben, um ein leichteres Ausweichen auf importierte Produkte zu ermöglichen.

Konkret geht es um Antibiotika, die etwa zur Langzeitbehandlung von Streptokokken-Infektionen angewendet werden, um rheumatische HerzentzĂŒndungen zu verhindern, wie das Ministerium auf Anfrage erlĂ€uterte. Eine einmalige Injektion sei auch Standard in der Therapie von Syphilis. Zwar gebe es jeweils therapeutische Alternativen. Sie seien aber in der Wirksamkeit hĂ€ufig unterlegen, weshalb die nun betroffenen Depot-Penicilline besonders bei einem hohen Risiko fĂŒr RĂŒckfĂ€lle oder in der Vorbeugung unverzichtbar seien.

RestbestÀnde bald aufgebraucht

Aufgrund aktueller Informationen, dass noch vorhandene BestÀnde in absehbarer Zeit vollstÀndig aufgebraucht sein werden, seien nun die Voraussetzungen eines Versorgungsmangels eingetreten, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Mit der Bekanntgabe könnten jetzt etwa PrÀparate aus dem Ausland eingesetzt werden, die keine deutschen Kennzeichnungen haben. So könne nach Verkauf des Restbestandes die Versorgung gewÀhrleistet werden.

Dem Ministerium lagen demnach seit dem vergangenen Sommer Informationen zu einem absehbaren Einbruch der VerfĂŒgbarkeit des einzigen in Deutschland zugelassenen PrĂ€parats ab dem ersten Quartal 2026 vor. Grund dafĂŒr sei die Verzögerung von Umstellungen in der Produktion. Der Zulassungsinhaber habe daher vorsorglich einen ÜberbrĂŒckungsbestand mit absehbarer Reichweite bis zum ersten Quartal 2026 angelegt. 

Zeitweise LieferengpÀsse kommen hÀufiger vor 

Die aktuelle unmittelbare Bekanntmachung des Versorgungsmangels sei also Ergebnis eines gut funktionierenden Lieferengpassmanagements, erlĂ€uterte das Ministerium. Auf Basis frĂŒhzeitiger und transparenter Informationen aller Beteiligten könne eine kontinuierliche Versorgung sichergestellt werden.

Ein Versorgungsmangel geht ĂŒber hĂ€ufiger auftretende EngpĂ€sse hinaus. Als ein Lieferengpass gilt eine mehr als zwei Wochen lange Unterbrechung einer ĂŒblichen Auslieferungsmenge, wie das Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte allgemein erlĂ€uterte. Dann sind in der Regel auch andere wirkstoffgleiche Mittel lieferbar. Derzeit gibt es nach amtlichen Daten rund 550 Lieferengpassmeldungen - bei insgesamt 100.000 zugelassenen Arzneimitteln.

Allgemeine Arznei-Versorgung Â«ĂŒberwiegend stabil» 

Eine kritischere Liefersituation gibt es bereits bei den Antibiotika-Wirkstoffen Cefuroxim, Clindamycin, Cotrimoxazol und Erythromycin. Das Ministerium hatte dazu ebenfalls einen Versorgungsmangel festgestellt. Solche FĂ€lle sind generell selten. Seit 2015 kam dies nach amtlichen Angaben weniger als 20 Mal vor.

Allgemein stelle sich die Versorgungslage mit Arzneimitteln derzeit ĂŒberwiegend als stabil dar, erklĂ€rte das Ministerium. Insbesondere bei Kindermedikamenten wie Fiebersenkern habe sich die Versorgung weiter verbessert und sei sehr stabil.

@ dpa.de

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