Neonazi Liebich nach Deutschland gebracht
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 11:10 Uhr, dpa.deNeonazi Marla Svenja Liebich ist von Tschechien nach Deutschland gebracht worden. Das teilte die tschechische Polizei am Vormittag auf der Plattform X mit. Die verurteilte Rechtsextremistin soll nach Justizangaben in das FrauengefĂ€ngnis im sĂ€chsischen Chemnitz gebracht werden.Â
Sobald Liebich in Chemnitz ist, muss die Anstaltsleitung des FrauengefĂ€ngnisses entscheiden, ob Liebich dort einsitzt. UrsprĂŒnglich sollte sie dort die Haft schon Ende August 2025 angetreten, war jedoch geflohen und wurde erst im April dieses Jahres in Tschechien gefasst.
Daraufhin war Liebich ins tschechische Pilsen (Plzen) gebracht worden. Das Gericht in der Stadt im Westen Tschechiens hatte dann Anfang Juni entschieden, dass Liebich an die deutschen Behörden ĂŒbergeben werden soll. SpĂ€ter hatte das Oberlandesgericht in Prag Beschwerden der 55-JĂ€hrigen gegen die Auslieferung abgewiesen. Sie seien nicht begrĂŒndet gewesen, hieĂ es.Â
Schon seit vielen Jahren immer wieder auffÀllig
Liebich hatte seit 2014 regelmĂ€Ăig Demonstrationen organisiert, oft auf dem Marktplatz in Halle in Sachsen-Anhalt. Immer wieder kam es dabei auch zu Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten. Mehrfach mussten sich Gerichte mit Beschuldigungen gegen Liebich auseinandergesetzt.Â
Im Juli 2023 wurde die Rechtsextremistin - damals noch als Mann mit dem Vornamen Sven - vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, ĂŒbler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne BewĂ€hrung verurteilt.Â
In sechs Anklagen hatte die Staatsanwaltschaft unterschiedliche VorwĂŒrfe gegen die 1970 in Merseburg im Saalekreis (Sachsen-Anhalt) geborenen Rechtsextremistin erhoben. Einige VorfĂ€lle lagen zu Beginn des Prozesses bereits mehrere Jahre zurĂŒck. Liebich sei ein Gratwanderer und ĂŒberschreite in manchen FĂ€llen die Grenze des Rechts, hatte die Richterin damals erklĂ€rt. In vorigen Prozessen sprachen Gerichte lediglich Geld- oder BewĂ€hrungsstrafen aus.
Liebich wehrte sich gegen das Urteil vom Amtsgericht, scheiterte damit jedoch. Nach der Verurteilung zu der Haftstrafe hatte Liebich dann das Geschlecht von mĂ€nnlich auf weiblich Ă€ndern lassen. AuĂerdem wurde der Name von Sven in Marla Svenja angepasst. Kritiker hielten das fĂŒr eine Provokation und sprachen von einem Missbrauch des Selbstbestimmungsgesetzes.
Kommt Liebich wirklich in ein FrauengefÀngnis?
Liebich wurde zum Haftantritt in das FrauengefĂ€ngnis von Chemnitz geladen, weil das GefĂ€ngnis von der Meldeadresse von Liebich aus das nĂ€chstgelegene ist. Nach der Ankunft in Chemnitz wird Liebich unter anderem medizinisch untersucht. Die Staatsanwaltschaft in Halle ist in Deutschland die zustĂ€ndige Vollstreckungsbehörde fĂŒr den Fall. Vor dem Gericht in Pilsen hatte Liebich angegeben, nicht nach Deutschland gebracht werden zu wollen, weil sie Angst habe, in einem deutschen MĂ€nnergefĂ€ngnis ums Leben zu kommen.
