Wo Frauen sich unsicher fĂŒhlen - und wann sie Opfer werden
22.10.2025 - 15:53:07Kanzler Friedrich Merz hat Migration, das «Stadtbild», Abschiebungen und die Situation von Frauen in einen Zusammenhang gebracht. Der CDU-Chef selbst hat seine ĂuĂerungen nicht erlĂ€utert. Worauf genau er anspielt, bleibt bislang im Unklaren. Mit Blick auf die gefĂŒhlte oder tatsĂ€chliche Sicherheit von Frauen sprechen zumindest die Statistiken eine deutliche Sprache: Die TĂ€ter sind meistens MĂ€nner, ob AuslĂ€nder oder Deutsche.
Das SicherheitsgefĂŒhl
Frauen fĂŒhlen sich im öffentlichen Raum hĂ€ufiger unsicher als MĂ€nner, wie eine 2022 erstmals veröffentlichte Studie des Bundeskriminalamts (BKA) zu «Sicherheit und KriminalitĂ€t in Deutschland» zeigt. So fĂŒhlte sich zum Zeitpunkt der Erhebung der Daten nur jede dritte Frau (33,3 Prozent) nachts im öffentlichen Personennahverkehr «sehr sicher» oder «eher sicher». FĂŒr die MĂ€nner lag der Wert bei knapp 60 Prozent.Â
Rund 61 Prozent der Frauen gaben an, sich in der eigenen Wohngegend nachts ohne Begleitung sicher zu fĂŒhlen, von den mĂ€nnlichen Befragten sagten das rund 83 Prozent.
Schwere Sexualdelikte passieren oft im Privaten
Die rund 45.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Untersuchung waren auch gefragt worden, wo sie, wenn ĂŒberhaupt, körperliche sexuelle BelĂ€stigung erlebt haben. Rund 28 Prozent der Betroffenen nannten als Tatorte Diskotheken, Clubs oder Bars. Danach folgt der öffentliche Raum mit rund 23 Prozent. HĂ€ufig genannt wurden auch private Wohnungen und der Arbeitsplatz.
FĂ€lle von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung ereignen sich demnach mit rund 71 Prozent am hĂ€ufigsten in privaten Wohnungen. Rund 21 Prozent der Betroffenen gaben an, sie seien im öffentlichen Raum Opfer einer solchen Straftat geworden.Â
Das Dunkelfeld ist groĂ
Laut der Dunkelfeldstudie wird nur etwa ein Prozent der Sexualdelikte angezeigt. GrĂŒnde dafĂŒr seien vor allem «fehlende Beweise sowie der Wunsch, die Tat zu vergessen».
Um Taten, die der Polizei bekannt wurden, geht es dagegen im Lagebild «Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten» des BKA, das zuletzt Ende vergangenen Jahres veröffentlicht wurde und mit Daten aus dem Jahr 2023 arbeitet.Â
Gewalt im Zuhause oder in der Partnerschaft
HĂ€usliche Gewalt findet in Familien oder Partnerschaften statt, 180.715 Frauen wurden 2023 Opfer. Bei Gewalt in frĂŒheren oder aktuellen Partnerschaften sind 79,2 Prozent der Opfer Frauen und mehr als 94 Prozent der TatverdĂ€chtigen MĂ€nner. Bei Gewalt in Familien sind die Opfer zu 54 Prozent weiblich. Hier gehören Frauen hĂ€ufiger zu den TatverdĂ€chtigen, je nach Delikt können sie sogar die Mehrheit ausmachen - zum Beispiel bei der Förderung weiblicher GenitalverstĂŒmmelung oder der Entziehung MinderjĂ€hriger.
Sexualstraftaten
Mehr als 52.000 Frauen wurden 2023 Opfer von Sexualstraftaten, die der Polizei bekannt wurden. Die Opfer sind in den allermeisten FĂ€llen Frauen, die TatverdĂ€chtigen sehr hĂ€ufig MĂ€nner. Frauen machten 2023 insgesamt 86,7 Prozent der Opfer aus. Bei Straftaten wie Vergewaltigung, sexueller BelĂ€stigung sowie Missbrauch von Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen sind mehr als 95 Prozent der TatverdĂ€chtigen MĂ€nner.Â
Digitale Gewalt
17.193 Frauen und MĂ€dchen wurden 2023 Opfer von Gewalt im Internet und waren damit betroffen von Taten wie Nötigung, Stalking oder Bedrohungen. Die TatverdĂ€chtigen sind zu 79,8 Prozent mĂ€nnlich.Â
Menschenhandel und Zwangsprostitution
Knapp 600 Frauen waren 2023 von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung betroffen - diese BKA-Kategorie umfasst auch ZuhĂ€lterei und Zwangsprostitution. Betroffen sind mit 94,3 Prozent fast nur Frauen und MĂ€dchen. Je nach Delikt sind die mutmaĂlichen TĂ€ter zu 78,5 Prozent (Menschenhandel) oder einem noch höheren Anteil MĂ€nner.
Femizide
Mit Femiziden sind Morde an Frauen gemeint, weil sie Frauen sind. Die Polizeistatistik kann das nicht trennscharf erfassen, weil sie Taten abbildet, aber nicht Motive. Klar ist nur: 938 Frauen wurden der Statistik zufolge 2023 getötet, bei Morden, TotschlĂ€gen oder Körperverletzungen mit Todesfolge. Die TatverdĂ€chtigen waren zu 84,6 Prozent MĂ€nner.Â
Die Staatsangehörigkeit der mutmaĂlichen TĂ€ter...
...wird im Lagebild zwar je nach Delikt prozentual ausgewiesen. Der Anteil auslĂ€ndischer TĂ€ter liegt bei den genannten Kategorien zwischen 31,8 und 36,8 Prozent. AusreiĂer ist der Menschenhandel mit 62,9 Prozent. Diese Prozentzahlen lassen sich aber nicht ohne Weiteres ins VerhĂ€ltnis zum AuslĂ€nderanteil in Deutschland von etwa 15 Prozent setzen. So werden zum Beispiel auch TĂ€ter ohne Wohnsitz in Deutschland erfasst.Â
Was Merz gesagt hatte
Merz hatte auf eine Frage zum Erstarken der AfD unter anderem gesagt, man korrigiere frĂŒhere VersĂ€umnisse in der Migrationspolitik und mache Fortschritte. «Aber wir haben natĂŒrlich immer im Stadtbild noch dieses Problem, und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt in sehr groĂem Umfang auch RĂŒckfĂŒhrungen zu ermöglichen und durchzufĂŒhren.» Am Montag blieb Merz bei seiner Haltung und sagte: «Fragen Sie mal Ihre Töchter, was ich damit gemeint haben könnte. Ich vermute, Sie kriegen eine ziemlich klare und deutliche Antwort.»


