Deutschland, Russland

Verfassungsschutz-PrÀsident: Wir brauchen mehr Befugnisse

08.12.2025 - 11:49:21

Wie gefĂ€hrlich hybride Angriffe fĂŒr Deutschland sind, zeigte im vergangenen Jahr der Paketbrand am Flughafen Leipzig/Halle. Verfassungsschutz-Chef Selen sagt: Wir mĂŒssen alle noch schneller werden.

  • Die deutschen Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass hinter der Platzierung von BrandsĂ€tzen in Luftfracht-Paketen russische Auftraggeber stehen. - Foto: Heiko Rebsch/dpa

    Heiko Rebsch/dpa

  • Vor einigen Wochen feierte das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz sein 75-jĂ€hriges Bestehen.  - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

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Die deutschen Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass hinter der Platzierung von BrandsĂ€tzen in Luftfracht-Paketen russische Auftraggeber stehen. - Foto: Heiko Rebsch/dpaVor einigen Wochen feierte das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz sein 75-jĂ€hriges Bestehen.  - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Angesichts gestiegener Bedrohungen durch hybride Angriffe - vor allem aus Russland - wirbt das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz (BfV) um mehr Befugnisse und eine Verbesserung des Austauschs mit anderen Sicherheitsbehörden sowie der Bundeswehr. 

Angesichts extrem kurzer Planungsphasen fĂŒr gefĂ€hrliche Aktionen mĂŒssten entsprechende Akteure und ihre Netzwerke frĂŒhzeitig entdeckt und identifiziert werden, mahnte BfV-PrĂ€sident Sinan Selen vor Teilnehmern eines Symposiums mit dem Titel «Zeitenwende - und jetzt? Die Rolle des BfV in Deutschlands Sicherheitsarchitektur». Eine entscheidende Rolle spiele dabei auch die «Beobachtung relevanter Plattformen im virtuellen Einsatzraum». Selen sagte: «Ich hoffe, dass uns zukĂŒnftig Befugnisse und FĂ€higkeiten zur VerfĂŒgung stehen, ĂŒber die auch andere europĂ€ische Partnerdienste in diesem Zusammenhang verfĂŒgen.» Selen zeigte sich zuversichtlich, dass das Bundesinnenministerium unter der FĂŒhrung von Alexander Dobrindt (CSU) entsprechende rechtliche Änderungen vorantreiben wird.

Weg vom ZustÀndigkeitsdenken

Er betonte: «Hybride Aktionen folgen keinen ZustĂ€ndigkeiten.» Deshalb sei es wichtig, weniger in ZustĂ€ndigkeiten zu denken, sondern stĂ€rker in FĂ€higkeiten. Ein verbesserter Austausch zwischen verschiedenen Behörden - so wie dies fĂŒr aktuelle Risiken durch gewaltbereite Islamisten bereits im Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum von Bund und LĂ€ndern (GTAZ) etabliert wurde - sei daher auch mit Blick auf hybride Bedrohungen unabdingbar. 

In der zurĂŒckliegenden Wahlperiode war vom Bundesinnenministerium eine solche Runde initiiert worden, der eine Task Force gegen Desinformation angegliedert ist. Unter Expertinnen und Experten ist man sich jedoch weitgehend einig, dass dies nicht ausreicht, sondern mindestens durch einen engeren Austausch von operativ Verantwortlichen ergĂ€nzt werden sollte.

Sabotage, Spionage und Desinformation

Der Umgang mit sogenannten hybriden Bedrohungen, denen sich Deutschland seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine verstĂ€rkt ausgesetzt sieht, war auch ein Schwerpunkt der Innenministerkonferenz von Bund und LĂ€ndern vergangene Woche gewesen. Unter hybrider KriegsfĂŒhrung wird eine Kombination aus militĂ€rischen, wirtschaftlichen, geheimdienstlichen und propagandistischen Mitteln verstanden, mit der auch die öffentliche Meinung beeinflusst werden kann, auch staatlich gelenkte Cyberattacken zĂ€hlen dazu.

Ein aus Sicht des BfV besonders gefĂ€hrliches Beispiel fĂŒr einen hybriden Angriff war ein mutmaßlich im russischen Auftrag platzierter Brandsatz in einem Paket, der am 20. Juli 2024 noch vor dem Verladen in einem Frachtzentrum am Flughafen Leipzig/Halle in Brand geriet und einen Container entzĂŒndete. Nach Angaben des frĂŒheren PrĂ€sidenten des Bundesamts fĂŒr Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, schrammte Deutschland an diesem Tag nur knapp an einem Flugzeugabsturz vorbei. Er sagte damals, es sei einem glĂŒcklichen Zufall zu verdanken, dass das Paket noch am Boden lag und nicht wĂ€hrend des Fluges in Brand geraten sei, womöglich ĂŒber bewohntem Gebiet.

@ dpa.de

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