Einzelfall, Tierseuche-Tests

Einzelfall oder lÀngst verbreitet? Tierseuche-Tests laufen

11.01.2025 - 15:03:24 | dpa.de

Wie gelangte die Maul- und Klauenseuche nach Brandenburg? Anfang der Woche könnte es erste Hinweise darauf geben. Unterdessen ist die Angst vor einer Ausbreitung der hochansteckenden Krankheit groß.

  • Nach dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche werden rund 200 Schweine innerhalb einer Sperrzone vorsorglich getötet. - Foto: Annette Riedl/dpa
  • Krisenmanagement ist nötig: Agrarministerin Hanka MittelstĂ€dt berĂ€t ĂŒber das Vorgehen nach dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche. - Foto: Patrick Pleul/dpa
Nach dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche werden rund 200 Schweine innerhalb einer Sperrzone vorsorglich getötet.  - Foto: Annette Riedl/dpa Krisenmanagement ist nötig: Agrarministerin Hanka MittelstĂ€dt berĂ€t ĂŒber das Vorgehen nach dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche.  - Foto: Patrick Pleul/dpa

Beim Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) in einer BĂŒffelherde in Brandenburg gibt es bislang keine Hinweise auf eine Ausbreitung in weiteren TierbestĂ€nden. Nach Angaben der Behörden laufen derzeit umfangreiche Probennahmen und -analysen. Noch ist völlig unklar, auf welchem Weg das fĂŒr Klauentiere wie Rinder und Schweine hochansteckende Virus in den kleinen Bestand eingeschleppt wurde. 

Es gehe jetzt zentral um die EindĂ€mmung der Tierseuche, sagte Brandenburgs Agrarministerin Hanka MittelstĂ€dt (SPD). In einer Schutz- und einer weiter ausgedehnten Überwachungszone liefen vorsorgliche Probennahmen. Mit einem Verbot fĂŒr Tiertransporte in Brandenburg, das zunĂ€chst bis Montag gilt, soll eine mögliche Ausbreitung in andere Regionen verhindert werden. Der Tierpark und der Zoo in Berlin wurden vorsorglich geschlossen. Die am Freitag startende Agrarmesse GrĂŒne Woche verzichtet darauf, Rinder, Schafe, Ziegen und Alpakas in der Tierhalle zu zeigen. 

BĂŒffel schon lĂ€nger infiziert

Das MKS-Virus war in Proben von WasserbĂŒffeln aus dem brandenburgischen Ort Hönow nicht weit von der Berliner Stadtgrenze nachgewiesen worden. Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) gehen aufgrund von Wundmerkmalen der Tiere davon aus, dass die Infektion und damit die Einschleppung in den Bestand schon lĂ€nger zurĂŒckliegt, wie eine Sprecherin des Landkreises MĂ€rkisch-Oderland sagte. Der genaue Zeitpunkt lasse sich bisher nicht benennen.

Drei Tiere der Herde waren zum Zeitpunkt des Nachweises bereits verendet, weitere elf wurden getötet - infiziert waren dem Vize-Landrat in MÀrkisch-Oderland, Friedmann Hanke (CDU), zufolge wahrscheinlich alle Tiere. In nahe liegenden BestÀnden wurden vorsorglich dutzende Schweine und Ziegen sowie einige Rinder getötet. 

Agrarbranche in großer Sorge - Krisenstab des Bundes

In der Landwirtschaft ist die Sorge vor der Maul- und Klauenseuche groß, zumal viele Betriebe bereits durch andere kursierende Krankheiten wie Blauzungenkrankheit, Afrikanische Schweinepest oder Vogelgrippe belastet sind. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (GrĂŒne) reagierte mit der Einberufung eines Zentralen Krisenstabs auf die MKS-Nachweise und will Anfang der Woche mit Vertretern der Agrarbranche sprechen.

«Es ist eine Seuche, die hochinfektiös ist und einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursachen kann innerhalb von Deutschland», sagte MittelstĂ€dt. 2001 zum Beispiel hatte es einen verheerenden Seuchenzug in Großbritannien mit FolgeausbrĂŒchen in anderen europĂ€ischen LĂ€ndern gegeben, Millionen Tiere wurden getötet, der wirtschaftliche Schaden war immens.

Wie gelangte der Erreger auf eine Weide in Brandenburg?

Um solche Ausmaße zu verhindern, ist neben den Schutzmaßnahmen wichtig, zu klĂ€ren, wie das Virus auf die Weide in Brandenburg gelangen konnte. Die Behörden in Brandenburg erwarten bis Anfang der Woche erste Hinweise von Experten des FLI darauf, in welchen Regionen der Welt die bei den BĂŒffeln nachgewiesene Virusvariante vorkommt. 

In der TĂŒrkei, im Nahen Osten und in Afrika, in vielen LĂ€ndern Asiens sowie in Teilen SĂŒdamerikas gibt es nach wie vor regelmĂ€ĂŸig MKS-FĂ€lle. Die letzten Infektionen in Deutschland traten 1988 in Niedersachsen auf. In Europa wurde der letzte Ausbruch 2011 aus Bulgarien gemeldet. 

 

Vize-Landrat Hanke sagte, der betroffene Landwirt unterhalte einen Biobetrieb, habe sein Futter abgedeckt und sich sehr umsichtig um seine Tiere gekĂŒmmert. Amtstierarzt Ralph Bötticher aus dem Kreis MĂ€rkisch-Oderland erklĂ€rte, der Landwirt habe keine Futtermittel von außerhalb gekauft, sondern selbst Heu geerntet. Eine Einschleppung des MKS-Virus sei etwa ĂŒber Urlauber und mitgebrachte Nahrungsmittel möglich, wenn Lebensmittelreste einfach in den Wald oder auf Wiesen geworfen wĂŒrden. Als ein möglicher Eintragweg gilt auch, dass Wildtiere wie Wildschweine das Virus zu den Weidetieren brachten.

Ministerin hĂ€lt Einsatz von Impfstoff fĂŒr möglich

Agrarministerin MittelstĂ€dt hĂ€lt ergĂ€nzend zu den anderen Maßnahmen die Nutzung von Impfstoffen gegen die MKS fĂŒr denkbar. Es mĂŒsse aber zunĂ€chst abgewartet werden, um welchen Erregertyp es sich handele, sagte sie. Erst dann könne mit einem entsprechenden Impfstoff reagiert werden. 

In Deutschland wurden Rinder dem FLI zufolge bis 1991 jĂ€hrlich gegen die Maul- und Klauenseuche geimpft. Seither ist die Impfung in der EU verboten, weil die in Europa heimischen StĂ€mme getilgt waren. Gegen aus dem Ausland eingeschleppte StĂ€mme hĂ€tten die Impfstoffe kaum Schutz geboten, wie das FLI erlĂ€utert. «Jedoch erlauben die europĂ€ischen Rechtsvorschriften im Seuchenfall bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen die Notimpfung.» FĂŒr diesen Zweck wĂŒrden in der EU Impfstoffbanken unterhalten. Mit der Impfung allein lasse sich ein MKS-Ausbruch aber nicht wirksam bekĂ€mpfen, so die EinschĂ€tzung des FLI.

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