KriminalitÀt, Ratgeber

Die Dunkelfeldstudie LeSuBiA zeigt: Partnerschaftsgewalt betrifft Frauen und MĂ€nner, bleibt aber meist unsichtbar / Hohe Gewaltbetroffenheit, geringe Anzeigequote, Hilfesystem reicht nicht aus

10.02.2026 - 14:30:35

Berlin/Dresden - Die Ergebnisse der Dunkelfeldstudie "Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)" zeigen, dass in den letzten fĂŒnf Jahren Frauen und MĂ€nner sowohl von psychischer als auch von körperlicher Gewalt in (Ex-)Paarbeziehungen Ă€hnlich hĂ€ufig betroffen waren. Weibliche Betroffene weisen jedoch bei beiden Gewaltformen eine deutlich höhere Inzidenz und Schwere der Gewalt auf.

Enrico Damme, GeschĂ€ftsfĂŒhrender Fachreferent der Bundesfach- und Koordinierungsstelle MĂ€nnergewaltschutz (BFKM): "Wenn möglich, sollten alle Menschen, die erkennen, dass sie von hĂ€uslicher Gewalt betroffen sind, sich schnellstmöglich Hilfe holen, z.B. ĂŒber ein Hilfetelefon gegen Gewalt an Frauen oder MĂ€nnern oder direkt vor Ort bei einer Beratungsstelle. Sie sollten auch möglichst sofort beginnen, die Folgen der Gewalt zu dokumentieren. Das kann ein Tagebuch sein, indem man die Ereignisse aufschreibt, oder indem mensch sich in einer Gewalthilfeambulanz meldet. Solche Dokumente helfen spĂ€ter bei Anzeigen gegen die TĂ€ter*innen, zu denen wir unbedingt ermutigen möchten."

Die Studie macht zudem eine massive Diskrepanz zwischen Gewalterfahrung und Anzeigeverhalten deutlich: 19 von 20 Personen erstatten dabei keine Anzeige gegen die (Ex-)Partner*in. Die Anzeigequote bei körperlicher Gewalt liegt bei betroffenen Frauen bei 2,7 Prozent und bei betroffenen MÀnnern bei 3,5 Prozent.

Clemens Göhler, Jurist und Referent fĂŒr Grundsatzfragen bei der Bundesfach- und Koordinierungsstelle MĂ€nnergewaltschutz betont: "Die LeSuBiA-Ergebnisse unterstreichen klar die Verpflichtungen Deutschlands aus der EU-Gewaltschutzrichtlinie: Beratungsstellen und SchutzunterkĂŒnfte mĂŒssen bedarfsgerecht fĂŒr alle Geschlechter ausgebaut werden. LeSuBiA zeigt einen erheblichen ungedeckten Bedarf auch bei mĂ€nnlichen Betroffenen. Das bestehende Hilfesystem reicht nicht aus - die LĂ€nder mĂŒssen jetzt gezielt Bedarfsanalysen vornehmen und Angebote auf Menschen aller Geschlechter erweitern, denn die Umsetzung der Richtlinie ist bis 2027 verbindlich."

Enrico Damme, GeschĂ€ftsfĂŒhrender Fachreferent der BFKM ergĂ€nzt: "Die LeSuBiA-Studie bestĂ€tigt: MĂ€nner werden - insbesondere in Partnerschaften - erheblich von Gewalt betroffen. Sie brauchen niedrigschwellige Beratung und Schutz. Gleichzeitig zeigen die praxisnahen Zahlen der Nutzungsstatistik der MĂ€nnerschutzeinrichtungen, dass das bestehende Gewalthilfesystem regional sehr ungleich verteilt ist und dass insgesamt viel zu wenige PlĂ€tze und Anlaufstellen fĂŒr mĂ€nnliche Betroffene bereitstehen. Diese fĂŒr viele MĂ€nner frustrierende Situation darf jedoch nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass Frauen weiterhin ĂŒberproportional schwer von hĂ€uslicher und partnerschaftlicher Gewalt betroffen sind. Auch sie brauchen dringend mehr Schutz und UnterstĂŒtzung - fĂŒr alle Betroffenen mĂŒssen die Hilfesysteme engmaschiger und bedarfsgerechter ausgebaut werden."

FĂŒnf von zehn Frauen (48,7 %) und vier von zehn MĂ€nnern (40,0 %) haben mindestens einmal in ihrem Leben psychische Gewalt in einer (Ex-)Partnerschaft erlebt. Körperliche Gewalt durch eine Partnerin oder einen Partner gaben insgesamt 16,1 % der Befragten an. Innerhalb der vergangenen fĂŒnf Jahre waren 5,7 % betroffen. Über die gesamte Lebensspanne hinweg berichten Frauen mit 18,0 % hĂ€ufiger von solcher Gewalt als MĂ€nner mit 14,0 %. Betrachtet man nur die letzten fĂŒnf Jahre, liegt der Anteil bei MĂ€nnern mit 6,1 % leicht ĂŒber dem der Frauen (5,2 %).

Deutlich wird aber: Frauen erleben körperliche Gewalt nicht nur etwas hÀufiger, sondern berichten auch hÀufiger von weitreichenderen körperlichen Gewalterfahrungen, starker Angst in diesen Situationen und bewerten die VorfÀlle als schwerwiegender.

Link zum ersten Ergebnisband der Studie "Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)"

Hilfe finden:

Gewaltbetroffene MĂ€nner erhalten Beratung beim MĂ€nnerhilfetelefon unter 0800 1239900 oder per Sofortchat unter www.maennerhilfetelefon.de

Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" bietet Frauen rund um die Uhr kostenlose und anonyme Beratung in 19 Sprachen an. Telefon: 116 016 und https://www.hilfetelefon.de/

WEISSER RING e.V. Hilfe fĂŒr Opfer von KriminalitĂ€t. Onlineberatung (https://www.weisser-ring.de/) oder per Telefon: 116 006

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