Venezuela, Erdbeben

Geruch des Todes breitet sich nach Beben in Venezuela aus

29.06.2026 - 04:00:09 | dpa.de

Die Rettungsarbeiten werden nicht eingestellt, doch die Zeit fĂŒr die Suche nach Überlebenden lĂ€uft aus. Nach den Erdbeben sind viele Familien in NotunterkĂŒnften untergebracht.

  • Menschen suchen nach den Namen von Angehörigen auf Listen ĂŒberlebender Personen. - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa
    Menschen suchen nach den Namen von Angehörigen auf Listen ĂŒberlebender Personen. - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa
  • Die Rettungsarbeiten dauern an, doch die Hoffnung, Überlebende zu finden, schwindet. - Bild: Pedro Mattey/AP/dpa
    Die Rettungsarbeiten dauern an, doch die Hoffnung, Überlebende zu finden, schwindet. - Bild: Pedro Mattey/AP/dpa
  • Rund 780 WohngebĂ€ude wurden laut Behörden beschĂ€digt. - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa
    Rund 780 WohngebÀude wurden laut Behörden beschÀdigt. - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa
  • RettungskrĂ€fte haben auch am vierten Tag nach der Katastrophe Überlebende geborgen.  - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa
    RettungskrĂ€fte haben auch am vierten Tag nach der Katastrophe Überlebende geborgen. - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa
  • Kritik an der PrĂ€sidentin wird laut. (Archivbild) - Bild: Pedro Mattey/AP/dpa
    Kritik an der PrÀsidentin wird laut. (Archivbild) - Bild: Pedro Mattey/AP/dpa
  • FriedensnobelpreistrĂ€gerin Machado möchte nach Venezuela zurĂŒckkehren. (Archivbild) - Bild: JesĂșs HellĂ­n/EUROPA PRESS/dpa
    FriedensnobelpreistrĂ€gerin Machado möchte nach Venezuela zurĂŒckkehren. (Archivbild) - Bild: JesĂșs HellĂ­n/EUROPA PRESS/dpa
Menschen suchen nach den Namen von Angehörigen auf Listen ĂŒberlebender Personen. - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa Die Rettungsarbeiten dauern an, doch die Hoffnung, Überlebende zu finden, schwindet. - Bild: Pedro Mattey/AP/dpa Rund 780 WohngebĂ€ude wurden laut Behörden beschĂ€digt. - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa RettungskrĂ€fte haben auch am vierten Tag nach der Katastrophe Überlebende geborgen.  - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa Kritik an der PrĂ€sidentin wird laut. (Archivbild) - Bild: Pedro Mattey/AP/dpa FriedensnobelpreistrĂ€gerin Machado möchte nach Venezuela zurĂŒckkehren. (Archivbild) - Bild: JesĂșs HellĂ­n/EUROPA PRESS/dpa

Nach den Erdbeben in Venezuela breitet sich im Katastrophengebiet La Guaira der Geruch verwesender Leichen aus. «Der Geruch ist ein Anzeichen dafĂŒr, dass noch Leichen unter den TrĂŒmmern liegen», schrieb am Wochenende die Menschenrechtsorganisation Provea auf der Plattform X. Offiziell liegt die Zahl der Todesopfer bislang bei 1.450, wie der PrĂ€sident der Nationalversammlung, Jorge RodrĂ­guez, mitteilte. Rund 3.200 Menschen sind demnach verletzt worden. 

Die Rettungsarbeiten in dem sĂŒdamerikanischen Land sind am Montag an ihrem fĂŒnften Tag. Zehntausende Menschen werden noch vermisst. Rund 30.000 venezolanische EinsatzkrĂ€fte sowie 2.700 Rettungsexperten aus 24 LĂ€ndern sind im Einsatz. Auch ein Team des Technischen Hilfswerks (THW) ist dabei. 

«Heute haben wir Überlebende geborgen, daher werden die Rettungsarbeiten nicht eingestellt», sagte die geschĂ€ftsfĂŒhrende PrĂ€sidentin Delcy RodrĂ­guez am Sonntag. Laut Experten sinken die Überlebenschancen der VerschĂŒtteten nach 72 Stunden – also drei Tagen – stark. Nach 86 Stunden bargen internationale Teams allerdings eine SechzigjĂ€hrige in Caraballeda in La Guaira, wie der PrĂ€sident von El Salvador, Nayib Bukele, auf X mitteilte. 

Regierung ĂŒberprĂŒft, ob GebĂ€ude bewohnbar sind

Nach der jĂŒngsten Schadensbilanz wurden rund 780 WohnhĂ€user sowie 38 KrankenhĂ€user zerstört oder schwer beschĂ€digt. Auch Einkaufszentren und andere öffentliche GebĂ€ude sind demnach eingestĂŒrzt – insgesamt rund 2.500 WohngebĂ€ude und andere Einrichtungen. Nach den Beben der StĂ€rke 7,2 und 7,5 am frĂŒhen Mittwochabend (Ortszeit) wurden mindestens 430 Nachbeben verzeichnet.

Mehr als 70.000 Familien sind nach der Katastrophe auf humanitĂ€re Hilfe angewiesen. Zahlreiche Menschen schlafen im Freien oder in NotunterkĂŒnften. Die PrĂ€sidentschaft hat eine Sonderkommission eingerichtet, um das Maß der SchĂ€den und die Bewohnbarkeit der GebĂ€ude zu ĂŒberprĂŒfen, wie RodrĂ­guez ankĂŒndigte.

Verzweifelte Suche der Angehörigen 

Laut einer inoffiziellen Plattform fĂŒr die Suche nach Vermissten gelten derzeit mehr als 47.000 Menschen als vermisst – nachdem fast 79.000 Vermisstenmeldungen eingegangen waren. Die Angaben lassen sich allerdings nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. Menschen suchen auch nach den Namen ihrer Angehörigen auf Listen von Überlebenden, die sich etwa in NotunterkĂŒnften befinden. 

Kritik an PrĂ€sidentin – und RĂŒckkehrwunsch von OppositionsfĂŒhrerin

Venezuela befand sich vor den Erdbeben ohnehin schon in einer schwierigen Lage. Seit Jahren leidet das Land unter politischen Spannungen, wirtschaftlichen Problemen und einer der grĂ¶ĂŸten Migrationskrisen der Welt. Im Januar fĂŒhrte Washington einen MilitĂ€reinsatz im Land durch, bei dem der autoritĂ€re Machthaber NicolĂĄs Maduro gefangen genommen wurde. Die derzeitige Staatschefin war VizeprĂ€sidentin in der Maduro-Regierung.

In den vergangenen Tagen wurde Kritik an der geschĂ€ftsfĂŒhrenden PrĂ€sidentin laut. Nachdem sie am Freitag bei einem Rundgang in der Hauptstadt Caracas ausgebuht worden war, wurde sie am Sonntag in sozialen Netzwerken wegen eines protokollarischen Treffens mit internationalen Rettungsteams kritisiert. «Jede Sekunde zĂ€hlt. Jede Sekunde. Dennoch hĂ€lt die Regierung von Delcy RodrĂ­guez die RettungskrĂ€fte fĂŒr eine politische Handlung von ihrer Arbeit ab», schrieb der regierungskritische Journalist Orlando Avendaño auf X.

Unterdessen kĂŒndigte die Oppositionspolitikerin MarĂ­a Corina Machado an, dass sie angesichts der Erdbeben in ihre Heimat zurĂŒckkehren möchte. «Auf jeden Fall, die Zeit ist gekommen», sagte sie dem US-Sender Fox News. 

Laut einem Bericht der «New York Times» hĂ€lt die US-Regierung allerdings einen solchen zeitnahen Schritt fĂŒr unangebracht. Im vergangenen Dezember war die bis dahin im Untergrund lebende Politikerin heimlich aus Venezuela ausgereist, um den Friedensnobelpreis in Oslo persönlich entgegenzunehmen. Kurz darauf, als sie bereits im Ausland war, wurde Machthaber Maduro gefangen genommen. Nun arbeitet Washington mit der geschĂ€ftsfĂŒhrenden PrĂ€sidentin Delcy RodrĂ­guez eng zusammen.

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