Hamburg, Deutschland

Nach Wolfsangriff: Behörden prĂŒfen weiteres Vorgehen

31.03.2026 - 18:52:57 | dpa.de

Ein Wolf greift laut Behörden eine Frau in Hamburg-Altona an und verletzt sie. Polizisten fangen das Tier spÀter an der Alster. Was passiert nun mit dem Wolf und welche Konsequenzen zieht der Senat?

  • Vor dem Angriff auf eine Frau in Hamburg-Altona streifte der Wolf durch den Westen Hamburgs. (Symbolbild) - Foto: Christian Charisius/dpa
  • Nach dem Angriff in einer Altonaer Einkaufspassage flĂŒchtete der Wolf nach Angaben der Umweltbehörde zur Binnenalster. - Foto: Daniel Bockwoldt/dpa/Daniel Bockwoldt
  • Ein Blick in die Einkaufspassage, in die der Wolf eingedrungen war. - Foto: Marcus Brandt/dpa
  • In diese Einkaufspassage war der Wolf gelaufen. - Foto: Marcus Brandt/dpa
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Ein Wolf verletzt laut Behörden eine Frau in der Hamburger Innenstadt - nun ist das weitere Schicksal des eingefangenen Tieres unklar. Umweltsenatorin Katharina Fegebank (GrĂŒne) sagte auf einer Pressekonferenz, man frage sich bei einer Freilassung des eingefangenen Tieres: «Er hat das einmal getan, tut er das wieder?». Vorstellbar sei eine Situation, in der der Wolf auf einen Schulhof oder in eine Kita hinein laufe. «Das ist eine Situation, die ich mir nicht verzeihen wĂŒrde», sagte Fegebank. «Wölfe sind Raubtiere.»

Der Wolf war am Montagabend im Stadtteil Altona den Angaben zufolge in eine Einkaufspassage eingedrungen. Eine Frau habe eine Bissverletzung erlitten, sagte Fegebank. Sie sei im UniversitÀtsklinikum Eppendorf ambulant behandelt worden. SpÀter fingen Polizisten den Wolf in der Innenstadt ein. Sie holten das erschöpfte Tier aus der Binnenalster.

Mehrere Optionen fĂŒr den Umgang mit dem Tier

Nach Fegebanks Angaben gibt es drei Optionen zum weiteren Umgang mit dem gefangenen Wolf: auswildern, einschlĂ€fern oder ihn in einen Wildpark bringen. «Alle drei Optionen liegen auf dem Tisch», sagte sie. Aber wenn er ausgewildert werde, sei natĂŒrlich nicht ausgeschlossen, dass er bei nĂ€chster Gelegenheit wieder in eine kleine Stadt, ein Dorf oder eine Großstadt laufe und er dann noch mal so etwas tue.

Der Wolfsangriff hat nach Fegebanks Angaben einen PrĂ€zedenzfall geschaffen. Das Tier sei bereits am Samstag in Hamburg gesichtet worden, am Sonntag habe die Behörde davon erfahren. Bis Montagabend habe der junge Wolf das arttypische scheue Verhalten gezeigt. «Gestern Abend kam es dann zu einer unerwarteten und auch sehr ĂŒberraschenden VerhaltensĂ€nderung», sagte die Zweite BĂŒrgermeisterin.

Fegebank: Jagd auf den Wolf wÀre unkalkulierbares Risiko gewesen

Das Bundesnaturschutzgesetz verbiete den prĂ€ventiven Abschuss eines streng geschĂŒtzten Tieres, betonte sie. Eine aktive Treibjagd wĂ€re ein unkalkulierbares Risiko gewesen. Es hĂ€tte zu UnfĂ€llen oder Panikreaktionen kommen können. Zum weiteren Umgang mit dem schließlich in der Innenstadt von Polizisten eingefangenen Wolf sagte Fegebank: «Wir werden sehr zeitnah eine Lösung finden.» Man sei darĂŒber in intensiver Absprache.

Hamburg will Wolfsmanagement ĂŒberprĂŒfen 

Bereits vor dem Vorfall habe sich der Senat mit dem Thema Wolf auseinandergesetzt. Das Wolfsmanagement werde aufgrund der Erfahrungen, die man jetzt gemacht habe, erneut ĂŒberprĂŒft und gegebenenfalls auch angepasst, sagte Fegebank. Der Einsatz werde nun gemeinsam mit Polizei und weiteren Experten ausgewertet. Das oberste Ziel dabei sei die Sicherheit der Hamburgerinnen und Hamburger.

Bei dem Wolf habe es sich um jenes Tier gehandelt, das in den Tagen zuvor im Westen der Stadt gesichtet worden sei. Die ersten Sichtungen des Tieres seien am Samstag in zwei Parks oberhalb des Falkensteiner Ufers im Stadtteil Blankenese gemacht worden. Am Sonntagvormittag sei der Wolf im Bereich des S-Bahnhofs Othmarschen beobachtet worden, am Nachmittag im Bereich des Stadtteils Nienstedten.

Wolfsexperte Fuhr spricht sich fĂŒr Tötung des Wolfes aus

Der Journalist, JĂ€ger und Wolfsexperte Eckhard?Fuhr sprach sich im Interview des Fernsehsenders RTL dafĂŒr aus, das Tier zu töten. «Ein dauerndes Leben in Gefangenschaft in einem Tierpark kann man diesem Wolf nicht zumuten», sagt er. Die Alternative – das Tier wieder freizulassen – hĂ€lt Fuhr fĂŒr ebenso problematisch. Unter dem Gesichtspunkt des Tierwohls sowie der öffentlichen Sicherheit sieht der Experte nur eine vertretbare Lösung: «Es wĂ€re die vernĂŒnftigste Lösung, den Wolf zu töten.»

Das Tier soll ein noch recht junger Wolf sein. «Nach ExperteneinschĂ€tzung handelt es sich bei dem Tier höchstwahrscheinlich um einen Welpen in der Abwanderungsphase von seinem Rudel», hatte die Umweltbehörde am Montag mitgeteilt. In dieser Phase legen die Tiere meist weite Strecken zurĂŒck. Auf der Suche nach einem eigenen Revier sei der Wolf wohl «versehentlich so weit in das Stadtgebiet gelaufen», dass er nun nach einem Weg aus der Stadt suche.

Opposition kritisiert rot-grĂŒnen Senat

Die CDU-BĂŒrgerschaftsfraktion warf dem rot-grĂŒnen Senat vor, die Gefahr durch Wölfe falsch eingeschĂ€tzt zu haben. «Erst kĂŒrzlich haben SPD und GrĂŒne einen Antrag der CDU in der BĂŒrgerschaft abgelehnt, den Wolf unverzĂŒglich in das Hamburger Jagdrecht aufzunehmen.» Völlig unverstĂ€ndlich sei auch, dass Hamburg am vergangenen Freitag im Bundesrat bei der Abstimmung ĂŒber die Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz seine Zustimmung verweigert habe.

Seit dem Jahr 2013 wurden in Hamburg mit dem aktuellen Fall 22 Wolfsnachweise eindeutig bestÀtigt. Zuletzt wurde Mitte MÀrz ein verendeter Wolf auf der Autobahn 25 in Höhe der Auffahrt Curslack nach einem Wildunfall gefunden. Im September vergangenen Jahres hatte ein Wolf zwei Kamerunschafe in der NÀhe eines Hofes im Stadtteil Marmstorf nahe der Landesgrenze zu Niedersachsen gerissen.

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