Rettungsaktion fĂŒr gestrandeten Buckelwal dauert an
26.03.2026 - 15:06:04 | dpa.deDie Baggerschaufel ist ganz nah an den Buckelwal herangekommen - doch die Rettungsaktion fĂŒr den vor Timmendorfer Strand festsitzenden MeeressĂ€uger dauert weiter an. Ein schwimmender Schaufelbagger trug vor dem Wal Sand ab, um eine Rinne fĂŒr das gestrandete Tier zu schaffen, wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete.Â
Stephanie GroĂ, Walexpertin des Instituts fĂŒr Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW), erklĂ€rte, der Wal sei zwar motiviert, doch die Rinne sei wegen der Orientierungsschwierigkeiten des Baggerfahrers noch unvollstĂ€ndig. Im trĂŒben Wasser erkenne dieser oft nicht, wo er den Sand bereits bewegt habe. Deshalb sollte die geplante Rinne mit Bojen markiert werden. Gleichzeitig war ein zweiter Bagger wieder im Einsatz. Er baute zunĂ€chst eine Rampe, um nĂ€her an den Wal heranzukommen.
Baggerfahrer Tim Löhndorf von der Firma Ăkologischer GewĂ€sserdienst Wandhoff hatte der dpa am Mittwoch gesagt, dass mit mehreren Baggern eine 50 Meter lange, sechs Meter breite und 1,20 Meter tiefe Rinne vor dem Kopf des Wals gegraben werden soll. Besonders herausfordernd seien bei der Rettungsaktion Wind und Strömung.Â
GröĂer als zunĂ€chst angenommen
Messungen haben ergeben, dass der vor dem Ortsteil Niendorf liegende Buckelwal gröĂer ist als zunĂ€chst angenommen: Er sei wohl zwischen 12 und 15 Meter lang und wiege geschĂ€tzt rund 15 Tonnen, sagte ITAW-Experte Joseph Schnitzler. Bei einem so massiven Tier ist es umso schwieriger, es wieder in tieferes Wasser zu bringen. Anders als in der Nordsee gibt es in der Ostsee auch keine deutliche Tide, die den Wal wieder in tieferes Wasser spĂŒlen könnte.
Buckelwal reagierte auf AnnÀherung
Zwischenzeitlich stand der Biologe Robert Marc Lehmann wĂ€hrend der Rettungsaktion neben dem Wal im Wasser und leitete den Schwimmbagger an. Er begutachtete das Tier auch vor dem am frĂŒhen Morgen gestarteten Rettungsversuch. Der Wal reagierte auf die AnnĂ€herung mit lautem Schnauben und heftigen Bewegungen.
Der MeeressĂ€uger steckt im flachen Wasser fest. Es ist so flach, dass der Taucher dort stehen kann, wie ein dpa-Reporter erklĂ€rte. Die Begutachtung durch den Taucher habe ergeben, dass es um das Tier offenbar relativ gut stehe, sagte ITAW-Walexpertin Stephanie GroĂ.
Schaulustige stehen am Strand
Auch zahlreiche Schaulustige versuchen in Timmendorfer Strand einen Blick auf den gestrandeten Wal zu erhaschen. Da der Bereich im Ortsteil Niendorf abgesperrt ist, sammeln sich die meisten am gegenĂŒberliegenden Strand, berichtete ein dpa-Reporter. Von dort aus sei jedoch auĂer dem Bagger kaum etwas zu erkennen.Â
Der 15-jĂ€hrige Marc aus LĂŒbeck hat sich daher vorbereitet: Er kaufte sich am Vortag fĂŒr seine Spiegelreflexkamera ein starkes Teleobjektiv. Einen Wal sieht man nicht oft hier, sagte er. Eine Frau aus dem dreiĂig Minuten entfernten Neustadt in Holstein zeigte sich hingegen enttĂ€uscht, da sie nichts sehen könne.
Bei Befreiung Geleit in die Nordsee geplant
Die Arbeiten seien weit fortgeschritten, sagte der BĂŒrgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke. Auch der Taucher solle den MeeressĂ€uger dabei unterstĂŒtzen, ins Freie zu kommen.Â
Zudem hat der BĂŒrgermeister nach eigenen Angaben UnterstĂŒtzung bei Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke (CDU) angefordert, um den Wal von der Ostsee in die Nordsee zu geleiten. Die nötige UnterstĂŒtzung mit Schiffen und Booten habe die Ministerin zugesagt.
Nicht der erste Rettungsversuch
Der Buckelwal war Montagmorgen auf einer Sandbank entdeckt worden. Am Dienstag war ein Rettungsversuch mit einem kleinen Saugbagger gescheitert. «Leider hat sich herausgestellt, dass der Sand zu fest ist», erklĂ€rte GroĂ. Zuvor waren bereits andere Versuche fehlgeschlagen. Zwar gelang es, den Wal in Richtung der tieferen Fahrrinne zu drehen, frei kam er aber nicht.Â
Auch Versuche, mit Polizeibooten Wellen zu machen, damit sich der Wal freischwimmen kann, brachten nichts. Um den Wal nicht weiter zu stressen, waren die Versuche dann zunĂ€chst abgebrochen worden. Doch auch die Hoffnung, dass sich das Tier mit dem Hochwasser in der Nacht zu Dienstag freischwimmen kann, erfĂŒllte sich nicht.
Mehr Strandungen von Walen
Strandungen von Walen nehmen nach Ansicht von Experten zu. Auch weil die Jagd ausgesetzt wurde, wachse unter anderem die weltweite Buckelwal-Population stetig, hieĂ es im vergangenen Jahr seitens des ITAW in BĂŒsum.
Allein 2025 wurden mehrere Wal-Kadaver aus der Nordsee vor Sylt geborgen. Nach einem Pottwal im Februar und einem Zwergwal im Juni kam es im August zu einem tragischen Fall: Ein noch lebender rund 3,80 Meter langer Schnabelwal trieb im Watt vor Munkmarsch an. Nachdem Rettungsversuche wegen des schlechten Allgemeinzustandes nicht unternommen wurden, genehmigte die oberste Artenschutzbehörde den Abschuss. Untersuchungen ergaben, dass es sich um ein Neugeborenes handelte, das wohl noch auf seine Mutter angewiesen war.
Selten sind hingegen Massenstrandungen. Eine solche HĂ€ufung gab es etwa 2016 im flachen Wasser der NordseekĂŒste. Rund 30 Pottwale starben, davon 12 im deutschen Wattenmeer.
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